„Das schweigende Klassenzimmer“ Stille Schüler provozieren den Staat

Münster -

Der Regisseur des Films „Das schweigende Klassenzimmer“, Lars Kraume, war am Wochenende zu Gast in Münster. Im Schlosstheater stellte er sein Werk, das auf einer wahren Begebenheit beruht, vor.

Von Andreas Hasenkamp
Der Filmprojektor stammt wie die Geschichte dieses Films aus den 50er Jahren, ebenso das Schlosstheater, in dem der Filmemacher Lars Kraume Rede und Antwort stand.
Der Filmprojektor stammt wie die Geschichte dieses Films aus den 50er Jahren, ebenso das Schlosstheater, in dem der Filmemacher Lars Kraume Rede und Antwort stand. Foto: Andreas Hasenkamp

Mit dem Autor des Films „Das schweigende Klassenzimmer“ zu sprechen, diese Gelegenheit nutzten am Samstag viele Gäste des Kinos Schlosstheater. Der Filmemacher Lars Kraume stand für Fragen bereit; zum 20. Mal in den vergangenen zehn Tagen seit dem bundesweiten Start des Films Anfang März.

In der DDR ruft 1956 eine Schweigeminute von Schülern die Staatsmacht wegen einer vermeintlichen „Konterrevolution“ auf den Plan. Verraten die Schüler sich nicht untereinander, dürfen sie kein Abitur machen. „Es ist wirklich eine beeindruckende Heldengeschichte“, sagte Kraume.

Über die Zeitgeschichte hinaus haben die Fragen des Films eine zeitlose Gültigkeit, so Kraume im Pressegespräch: Junge Menschen müssten irgendwann Stellung beziehen, auch wenn es etwas koste. „Es geht um Zivilcourage.“ Viele Schulklassen hätten den Film bereits gesehen, es gebe auch Begleitmaterial von „Vision Kino“. Aber es sei schwer, junge Erwachsene zum Besuch des Films zu bewegen.

Kraume schrieb die Filmfassung der Buch-Vorlage von Dietrich Garstka parallel zu seiner Arbeit am Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“, der zur selben Zeit spielt – Ende der 50er Jahre –, aber in Westdeutschland. Beide reichen zurück in die Geschichte des Dritten Reiches, drehen sich um das Handeln der Akteure und ihrer Verwandten, um Schweigen, Vertuschen und Lügen.  Die Parallelitäten der Verdrängung fielen einer Besucherin auf, und Kraume antwortete: „Deshalb habe ich ja beide Filme gemacht.“ 

Das Interesse an der kino-tauglichen Geschichte war in Filmkreisen groß, gleich nachdem Garstka seine Erinnerungen 2007 veröffentlicht hatte. Sieben Jahre später begann Kraume, schrieb drei Jahre an „acht oder neun Drehbuch-Fassungen“, ganz eng zusammenarbeitend mit Garstka, dem „Kurt“ des Buches. „Weil ich keine Ahnung hatte von der Zeit und dem Ort“, nämlich Storkow, einem unbedeutenden Städtchen, von dem jedoch der Volksbildungsminister die Konterrevolution ausgehen sah und gegen die er starr repressiv vorging. Die Geschichte habe sich so zugetragen, sagt Kraume, „die Figuren und ihre Biografien sind natürlich verdichtet und dramatisiert“. Gedreht wurde 2017 in Eisenhüttenstadt, dem damaligen „Stalinstadt“, 80 Kilometer entfernt von Storkow. Storkow sei ein schöner Ort gewesen.

„Es war eigentlich alles super“, sagt Lars Kraume, „bis zu dem Moment, als sich die Schüler diesen Moment der Meinungsfreiheit nehmen.“

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