Initiative will Kunstwerk kaufen „2020 wird der Eisenman-Brunnen stehen“

Münster -

Der Verein „Dein Brunnen für Münster“ sammelt seit Jahresbeginn Geld, um den Eisenman-Brunnen – eines der beliebtesten Kunstwerke der Skulptur-Projekte – nach Münster zurückzuholen. Die Initiative ist optimistisch, dass der Brunnen 2020 wieder an der Promenade stehen wird.

Von Martin Kalitschke
Dr. Maria Galen engagiert sich in der Initiative „Dein Brunnen für Münster“ dafür, dass der Eisenman-Brunnen eine dauerhafte Heimat an der Promenade findet.
Dr. Maria Galen engagiert sich in der Initiative „Dein Brunnen für Münster“ dafür, dass der Eisenman-Brunnen eine dauerhafte Heimat an der Promenade findet. Foto: Oliver Werner

Der Brunnen von Nicole Eisenman war eines der beliebtesten Kunstwerke der Skulptur-Projekte 2017. Der Verein „Dein Brunnen für Münster“ will erreichen, dass er wieder an der Promenade aufgebaut wird und dauerhaft in Münster bleibt. Eine Zwischenbilanz der Bemühungen zieht Dr. Maria Galen (33), eine der Gründerinnen der Initiative. Mit der Kunsthistorikerin sprach unser Redakteur Martin Kalitschke.

Frau Galen, Sie sammeln seit drei Monaten Spenden für den Brunnen. Wie viel Geld ist inzwischen gespendet worden?

Dr. Maria Galen: Wenn wir die Spenden von Bürgern und die Zusagen großer Unternehmen zusammenrechnen, rund 120 000 Euro.

Das dürfte noch nicht ausreichen.

Galen: Unser Ziel ist es, mit der Hilfe von Bürgern und Unternehmen mindestens 600 000 Euro zusammenzubekommen. Weitere 600 000 Euro hoffen wir dann von Stiftungen zu erhalten.

Sie müssen also 1,2 Millionen Euro zusammenbekommen?

Galen: Genau. Das Kunstwerk kostet eine Million Euro, jeweils 100 000 Euro haben wir für die Herrichtung der Brunnentechnik und die Pflege in den Jahren darauf veranschlagt.

Sind Sie mit der bisherigen Resonanz zufrieden?

Galen: Ja, wir haben durch Spenden und Zusagen nahezu ein Zehntel der Summe erreicht und sind begeistert vom Zuspruch, den wir erfahren. Wir haben in der kurzen Zeit viel erreicht. Bei fast allen Unternehmen stoßen wir auf offene Ohren. Viele Versprechen sind bereits umgesetzt, andere werden folgen.

Nennen Sie doch mal ein paar Beispiele.

Galen: Bereits seit Januar verkauft Pinkus ein „Brunnenbier“, von dem zwei Euro pro Kiste als Spende an unseren Verein gehen. „Erdnussdruck“ hat kostenlos 20 000 Flyer gedruckt, das Cinema zeigt vor jedem Film kostenlos einen Trailer, in dem für unser Projekt geworben wird. Auch Cineplex und Schlosstheater konnten wir ins Boot holen. Von jedem „Brunnenbrötchen“, das Cibaria verkauft, fließen 25 Cent an uns. Auch die Fischbrathalle, das Alte Gasthaus Leve und Kochkunst bieten Produkte an, von denen ein Teil des Erlöses dem Brunnen-Projekt zugutekommt. All diese Aktionen helfen uns dabei, die breite Öffentlichkeit zu erreichen. Wenn zum Beispiel 30 000 Münsteraner – also jeder zehnte Bewohner – sich mit nur 20 Euro an der Aktion beteiligen würden, klingt das Ziel doch gar nicht so unerreichbar, oder?

Dr. Maria Galen Foto: kal

Welche nächsten Schritte planen Sie?

Galen: Wir wollen unsere Sichtbarkeit weiter steigern. Unser Ziel ist es, dass jeder Münsteraner schon einmal von unserer Initiative gehört hat, schließlich wollen wir, dass die Bürger den Brunnen für die Bürger kaufen. Sollte uns das gelingen, dann wäre das einzigartig, so etwas hat es noch nie gegeben. Im Juni planen wir ein Bürgerfest, auch auf kommenden Open-Air-Veranstaltungen wie Stadtfest, Weinfest, Hafenfest, Schauraum und so weiter wollen wir Präsenz zeigen. Außerdem überlegen wir, eine Lotterie zu veranstalten. Demnächst werden sogar der Spiegel und die Kunstzeitschrift Art über unser Projekt berichten – weil wir etwas Großes, Neues machen.

Die Standort-Frage ist inzwischen geregelt?

Galen: Ja, sollte uns das Projekt gelingen, dann steht dem Standort an der Promenade – genau dort, wo der Brunnen während der Skulptur-Projekte stand – nichts mehr im Wege. Wir stehen da in engem Kontakt zur Stadtverwaltung.

Stehen Sie auch in engem Kontakt zur Künstlerin?

Galen: Ja klar. Wir haben mindestens einmal im Monat Kontakt zu Nicole Eisenman. Für das Brunnenbier hat sie extra eine Zeichnung angefertigt, die kostenfrei verwendet werden darf. Noch kürzlich hat sie uns geschrieben, dass sie die Idee liebt, dass die ganze Stadt unsere Bewegung trägt.

Bei den Skulptur-Projekten war der Brunnen nach dem Steg im Hafen das beliebteste Kunstwerk.

Galen: Weil er es schaffte, einen Ort, der lange im Dornröschenschlag lag, neu zu beleben. Die Skulptur versprühte eine friedliche Atmosphäre und wurde so zu einem Treffpunkt für Jung und Alt. Im Übrigen gibt es gar nicht so viele öffentliche Brunnen in Münster.

Eisenmans Kunstwerk sorgte aber auch für Diskussionen – und wurde Ziel von Attacken.

Galen: „Sketch for a Fountain“ regt gewollt zu kontroversen Diskussionen an, gerade das ist ein Grund für seine große Beliebtheit. Jedes Kunstwerk im öffentlichen Raum ist gefährdet. Daher wollen wir ja auch die Folgekosten übernehmen.

Sind Sie optimistisch, dass es Ihnen gelingen wird, das Kunstwerk anzukaufen?

Galen: Ja, ich bin überzeugt, dass wir es schaffen werden. Wir im Verein glauben alle fest daran.

Wann wird der Brunnen wieder an der Promenade stehen?

Galen: Ich hoffe 2020.

Zum Thema

Das nächste offene Treffen des Brunnen-Vereins ist am Donnerstag (15. März) um 19 Uhr in der Trafostation, Schlaunstraße 15. Weitere Informationen unter www.deinbrunnen4ms.de

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