Gehwege und Einfahrten zugeparkt „Radfahrer genießen Narrenfreiheit“

Münster -

Das Fahrradchaos ist nicht mehr tolerierbar, sagen Michael Maikowski und Fatima Gasparro übereinstimmend: „Es wird immer schlimmer.“ Das Paar wohnt seit drei Jahren an der Wolbecker Straße und würde auch gerne dort bleiben. Doch Michael Maikowski und Fatima Gasparro wollen diesen Zustand auf der Wolbecker Straße nicht länger hinnehmen, jetzt ziehen sie an den Stadtrand.

Von Gabriele Hillmoth
Gehwege und Einfahrten zugeparkt: „Radfahrer genießen Narrenfreiheit“
Rücksichtslos werden Räder teilweise auf dem Bürgersteig abgestellt und an Toreinfahrten angekettet. Foto: Matthias Ahlke

Die Ignoranz der Fahrradfahrer nehme zu, stellen beide Anwohner fest. Gerne würden Radler bei Rot über Kreuzungen fahren. Trotz großer Warnschilder würden sie ihre Leezen im Hauseingang und in der Zufahrt abstellen und anketten. „Aber wir dürfen die Räder ja nicht anfassen“, sagt Maikowski. Als kürzlich jemand sein Rad an die Tür gelehnt habe und er den Fahrer gefragt habe, wie er sich das vorstellen würde, habe dieser geantwortet: „Ich bin doch nur kurz im Geschäft.“ Maikowski: „Am liebsten fahren sie auch noch in die Geschäfte.“

Die Kritik

Fahrradfahrer seien teilweise auf der Wolbecker Straße so schnell unterwegs, dass Fußgänger nur unter Einsatz ihres Lebens gehen könnten. Autofahrer würden bedrängt, wenn Radfahrer vom Radweg auch noch auf die Straße auswichen. Abenteuerlich sei es, wenn er mit dem Auto in die Hofeinfahrt einbiegen möchte, so Maikowski. Er habe das Gefühl, dass viele Fahrradfahrer heute unter Zeitnot litten. Der Anwohner kritisiert die seiner Meinung nach zunehmende Ignoranz der Verkehrsteilnehmer auf zwei Rädern. Für den Bewohner an der Wolbecker Straße steht fest, dass die Fahrradfahrer in Münster eine ungemeine Narrenfreiheit genießen würden. Mindestens 50 Prozent seien ohne Licht auf der Straße, auch die Fahrweise werde aggressiver.

ADFC: „Zumutung für beide Seiten“

Elmar Post vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Münster bezeichnet die Situation auf der Wolbecker Straße vor allem zwischen der Bremer Straße und der Dortmunder Straße sowohl für Fußgänger als auch für Fahrradfahrer als sehr extrem und als eine „Zumutung für beide Seiten“.

Fatima Gasparrow berichtet, dass sie oft mit dem Kinderwagen auf den Radweg ausweichen müsse, weil die Fußwege zugestellt seien: „Das geht gar nicht.“ Die Münsteranerin steigt nicht mehr aufs Rad und ist nur noch konsequent als Fußgängerin unterwegs. Das Paar hält sich nach eigenen Angaben häufig in Holland auf. Dort würden sie solche Situationen nicht beobachten – trotz der vielen Fahrradfahrer. Nur in Münster würde es immer schlimmer.


Masterplan für Mobilität

Keine konkreten Pläne

Die Wolbecker Straße mit ihrer Fülle an verkehrstechnischen Problemen ist kein Einzelfall in Münster. Die Straße, die in dieser Stadt zu den Hauptverkehrsadern zählt, ist Teil des Masterplans „Mobilität Münster 2035+“. Konkrete Überplanungen für die Wolbecker Straße gebe es darum zurzeit nicht, sagt der städtische Verkehrsplaner Michael Milde.

Zunächst soll der Masterplan abgewartet werden, der die Mobilität und den Verkehr für die wachsende Stadt weiterentwickeln soll. In der Begründung heißt es, dass die heutige Verkehrsinfrastruktur mit ihren vielfach zu engen historischen Straßenquerschnitten allenfalls dem Verkehrsaufkommen einer Bevölkerung von rund 260 000 Einwohnern entsprechen würde. Das aktuelle Verkehrssystem weise unter anderem deutliche Kapazitätsengpässe  und Defizite im Individualverkehr auf.

Der Erarbeitungsprozess des Masterplanes bedeutet nach Angaben der Verwaltung aber keinen „Stillstand“ der Verkehrsplanung und Maßnahmenumsetzung. Es werde an allen Maßnahmen und Projekten, die sich deutlich von den Zielen des Masterplanes abgrenzen ließen, forciert gearbeitet, heißt es weiter. Dazu gehören nach Angaben der Verkehrsplaner auch diverse Abschnitte der Wolbecker Straße – ohne konkret zu werden.

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