Russische Filmtage Düstere Allegorien – skurriler Humor

Münster -

Einen facettenreichen Einblick in das aktuelle russische Filmschaffen bietet auch in diesem Jahr wieder die Filmauswahl der Russischen Filmtage, die vom 4. bis 25. März im münsterschen Schlosstheater zu sehen ist. Die Filme werden vom 3. bis 31. März auch im Kino des Filmmuseums Düsseldorf gezeigt.

Der Film „Arrhythmia“ eröffnet die Russischen Filmtage in Münster.
Der Film „Arrhythmia“ eröffnet die Russischen Filmtage in Münster. Foto: Russische Filmtage

Sechs Filme werden im Laufe der drei Wochen im Schlosstheater zu sehen sein – teils begleitet von den russischen Filmschaffenden. Den Filmen ist gemeinsam, dass die privaten Schicksale und Beziehungen, von denen sie erzählen, mit großer Deutlichkeit auf die gesellschaftlichen Verhältnisse im Land verweisen. „Wir sind eine extreme Gesellschaft“, sagt Regisseur Boris Chlebnikov in einem Interview. Gudrun Wolff von Münsters deutsch-russischer Gesellschaft sieht diese Aussage bestätigt: „Beziehungskonflikte sind kein russisches Phänomen; sie werden hier aber auf spezifisch russische Weise durchgespielt und können als ein Psychogramm der Gesellschaft Russlands verstanden werden.“

Die Bandbreite der auf den großen internationalen Festivals in Shanghai, Cannes, Karlovy Vary, München oder London preisgekrönten aktuellen Produktionen reicht vom mit skurrilem Humor erzählten Beziehungsdrama zwischen Notaufnahme und Ehebett in „Arrhythmia“ bis zum abenteuerlichen Road-Movie „Rock“. Der Film begleitet eine Rocker-Troika aus der tiefsten Provinz auf dem Weg zum musikalischen Olymp nach Moskau. „Das Bolschoi“ führt anhand der Geschichte einer talentierten Ballerina in die Welt des legendären, gleichwohl für seine Intrigen wie herausragenden Inszenierungen bekannten Ballett-Theaters, und „Charms“ blättert kaleidoskopartig Leben und Werk des russischen Genies des Absurden, Daniil Charms, auf. Der Schauspieler und Regisseur Ralf Melzow wird vor den Vorstellungen eine kurze Einführung in das Werk Charms geben. Herausragend auch „Loveless“ (neustes Werk des Starregisseurs Andrei Swjaginzew) – ein kühles, erbarmungsloses Beziehungsdrama als düstere Allegorie auf den Zustand einer verwahrlosten Gesellschaft, soeben für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.

Als Abschluss der Russischen Filmtage ist ein Meisterwerk des sowjetischen Stummfilms aus den 1920er Jahren zu sehen: Die damals als skandalös empfundene Komödie „Bett und Sofa“ über eine Dreiecksbeziehung wird im Schlosstheater von Daniel Kothenschulte live am Klavier begleitet.

„Als Land mit einer großen Filmtradition erreichen vergleichsweise wenige, unabhängig produzierte russische Filme die deutschen Kinos“, so Winfried Bettmer von der Filmwerkstatt Münster: „Wir freuen uns, dass wir jedes Jahr einige dieser Filme hier vorstellen können, und die Publikumsresonanz bestätigt uns darin; denn die Russischen Filmtage im Schlosstheater werden seit zehn Jahren vom Publikum geschätzt und angenommen.“

Alle Filme werden im russischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Publikumsgespräche mit Filmschaffenden begleiten das Programm.

Zur Eröffnung mit Ar­rhythmia am 4. März um 17 Uhr kommt einer der meistprämierten Kameramänner Russlands, Alischer Chamidchodschaew, ins Schlosstheater. Am 11. März wird Hauptdarstellerin und Primaballerina Margarita Simonowa Publikumsfragen zu „Das Bolschoi“ beantworten, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Der Vorverkauf für die Russischen Filmtage läuft im Schlosstheater, Melchersstraße 81. Zusätzliche Schulvorstellungen sind auf Anfrage möglich: ' 22579. Weitere Informationen online: www.russische-filmtage-nrw.de

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