Marx zitiert Marx
Kapitalismus-Kritik des Kardinals beim Kramermahl

Münster -

Was hat ein Sozialethiker wie Kardinal Dr. Reinhard Marx Münsters Kaufleuten zu sagen? Der Kirchenvertreter schrieb den anwesenden Wirtschaftsvertretern beim Kramermahl kritische Worte ins Stammbuch. Eine fulminante Rede!

Freitag, 26.01.2018, 22:08 Uhr aktualisiert: 26.01.2018, 23:42 Uhr
Kardinal Dr. Reinhard Marx beim Kramermahl Foto: ohw

Ist Religion eine Quelle des Friedens oder des Unfriedens? Für einen Kirchenvertreter wie Kardinal Dr. Reinhard Marx scheint nur die erste Antwort in Betracht zu kommen.

Bei seiner fulminanten Rede am Freitagabend anlässlich des Kramermahls in Münster macht es sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz aber nicht so einfach.

Vielmehr erinnert er an den Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648, in dem es sehr wohl zu einer „Instrumentalisierung der Religion“ gekommen sei. Heute könne die Kirche nur als Teil einer freien Gesellschaft überleben, ohne dass die uns so vertraute Vielfalt in Beliebigkeit umschlagen dürfe.

Dass der Gast aus München an den 400 Jahre zurückliegenden Konfessionskrieg erinnert, haben die meisten in der Bürgerhalle erwartet.

„Der Kapitalismus ist nicht die Ordnung der Welt“

Doch Kardinal Marx beleuchtet ein weiteres Jubiläum, nämlich den 200. Geburtstag seines Namensvetters Karl Marx. Der Festredner steht nicht in dem Verdacht, Kommunist zu sein. Gleichwohl scheint sich Marx mit den Schriften von Marx auszukennen. Und so schreibt der Kirchenvertreter den anwesenden Wirtschaftsvertretern kritische Worte ins Stammbuch: „Der Kapitalismus ist nicht die Ordnung der Welt.“ Längst zeitige die Globalisierung auch gewaltige Schattenseiten, und es müsse doch manchen Politiker alarmieren, dass immer mehr Menschen in einem neuen Nationalismus ihr Heil sehen würden.

Mahnend weist Marx auf die Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks hin, als sich viele Menschen im Westen der Illusion hingegeben hätten, „ihr“ System habe doch jetzt gesiegt. Marx hält dem entgegen: „Kapitalismus und Sozialismus sind keine Konzepte für die Zukunft.“

Starke Wanderungsbewegungen von Ost nach West

In seiner ungewöhnlich politischen Rede weist der Vorsitzende in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass es seit Jahren starke Wanderungsbewegungen von den osteuropäischen Staaten nach Mittel- und Westeuropa gebe und auch eine Wanderung von Ost- nach Westdeutschland.

„Wir brauchen ein Europa, in dem nicht nur die Zentren gewinnen“, plädiert Kardinal Marx stattdessen für einen gerechten Ausgleich.

 

 

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