Keine Kulanzbereitschaft
Stadt nimmt Schwimmbad-Jahreskarte trotz Krebsdiagnose nicht zurück

Münster -

Drei Wochen, bevor Nadine Sewald im Sommer die Diagnose „Brustkrebs“ erhielt, hatte sie eine Jahreskarte gekauft. Chemotherapie, Operation, Bestrahlung: An ein Schwimmbadbesuch ist bis heute nicht zu denken. Sie wollte die Karte zurückgeben oder zeitlich nach hinten schieben lassen und rief bei der Stadt an – und wurde abgewiesen.

Freitag, 26.01.2018, 20:00 Uhr aktualisiert: 26.01.2018, 20:09 Uhr
Die Haare wachsen langsam wieder, erzählt Nadine Sewald, die hier die Jahreskarte fürs Schwimmbad, die sie seit Juli 2017 nicht nutzen kann, in der Hand hält. Foto: Bettina Laerbusch

Sie hat es fast geschafft. Noch bis zum 5. Februar bekommt Nadine Sewald Bestrahlungen. Die Stellen, die diese Strahlen abbekommen, sind an ihrem Körper markiert. Schwimmen gehen? Daran ist überhaupt nicht zu denken.

Diagnose: Brustkrebs

Es war der 25. Juli vergangenen Jahres, an dem die 36-Jährige die Diagnose bekam: Brustkrebs. Nein, antwortet sie offen, sachlich und ganz ruhig, sie sei nicht in ein schwarzes Loch gefallen. Bereits fünf Jahre zuvor hatten Ärzte sie mit der gleichen Diagnose konfrontiert. Auch jetzt sei die Erkrankung dank der regelmäßigen Nachsorge frühzeitig erkannt worden. „Die Prognose ist gut. Die Lymphknoten waren nicht befallen. Es gibt keine Metastasen“, erzählt sie.

Die Ärzte begannen im Sommer 2017 zunächst mit einer Chemotherapie. Im November folgte die brusterhaltende Operation. Die Bestrahlung schloss sich an.

Drei Wochen bevor die 36-Jährige ihre Diagnose bekam, hatte sie sich eine Jahreskarte fürs Hallenbad in Hiltrup gekauft. Im August hatte sie Energie und Kraft, sich um die Rückgabe dieser Jahreskarte zu kümmern. Denn in ein öffentliches Schwimmbad, das war klar, würde sie lange Zeit nicht gehen können.

Vom Sportamt abgewiesen

Ganz hoffnungsvoll rief sie beim Sportamt der Stadt an. „Die Dame war sehr nett, sie hat auch gesagt, dass es ihr sehr leid tue. Doch ich wäre mit der Stadt Münster einen Vertrag eingegangen, und es würde ein Loch in die Kasse reißen, wenn die Stadt Jahreskarten wieder zurücknehmen würde“, zitiert sie aus dem Gedächtnis ihre Gesprächspartnerin. Auch auf eine zeitliche Verschiebung der Gültigkeit der Jahreskarte habe sich die Frau am Telefon nicht eingelassen.

Nadine Sewald ließ die Sache auf sich beruhen. Sie erzählte aber immer wieder Freunden davon. „Die haben alle gesagt, dass sei ein Unding.“ Alle hätten auch gesagt, dass sie die Öffentlichkeit einschalten solle. Genau das hat die 36-Jährige jetzt getan.

Im Namen vieler Betroffenen

„Mir geht es gar nicht um das Geld und auch nicht allein um mich.“ Sie macht ein kurze Pause und fügt dann ruhig hinzu: „Ich bin nicht die Einzige. Ich war nicht die Einzige. Und ich werde nicht die Einzige sein.“

Wer sich einer Chemotherapie unterziehen muss, kann lange Zeit nicht in öffentliche Schwimmbäder gehen. Chlor, Bakterien – „das Immunsystem ist ohnehin geschwächt“. Nach der Operation sind es zusätzlich Narben, die Schwimmbadbesuche illusorisch machen. Bei der Bestrahlung stehen die Markierungen auf der Haut dem Schwimmen entgegen, aber auch „Hautirritation“. Mit diesem Begriff fasst Nadine Sewald eine der vielen Nebenwirkungen, die eine Strahlentherapie hat, unspektakulär zusammen.

Stellungnahme des Sportamtes

Michael Willnath ist Leiter des Sportamtes. Er sprach gegenüber unserer Zeitung in dieser Woche auf Nachfrage davon, dass jeder Einzelfall individuell betrachtet werden müsse. Ein Standardverfahren, wie Mitarbeiter der Stadt mit Kunden umgehen, die aufgrund einer schwerer Erkrankung für Wochen und Monate kein­­ Schwimmbad aufsuchen können und dürfen, gibt es demnach nicht.

Michael Willnath beziehungsweise einer seiner Mitarbeiter hat Nadine Sewald jetzt zu einem Gespräch ins Sportamt eingeladen. Am Montag soll das stattfinden. Was dort passiert? Das weiß auch die 36-Jährige nicht. Sicher ist für sie aber dieses: Nach dem Ende der Bestrahlungen schließt sich eine weitere Heilbehandlung, also eine Reha an.

Und dann wird die 36-Jährige wieder arbeiten. Sie ist Krankenschwester bei den Alexianern.

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