„Tat Sachen Theater“ stellt „Feuerland“ in der Meerwiese vor
Niemand hat gefragt

Münster -

An ein nicht so fernes Plätzchen am Ende der Welt entführte am Mittwochabend die Premiere des Figurentheaters „Feuerland“. Im Theater in der „Meerwiese“ in Coerde spielte das „Tat Sachen Theater“ aus Münster die Geschichte Chiles.

Donnerstag, 25.01.2018, 19:12 Uhr
Mit Puppen erzählt das „Tat Sachen Theater“ aus Münster Geschichten aus Chile. Foto: Thomas Mohn

Ein Bretter-Steg läuft quer über die Bühne, kahle Stämme stehen im Hintergrund. Die teils schwärzliche Holzpuppe steigt in ihr Boot aus Holz und Leder: An der Küste Patagoniens spielt die Geschichte, auch die der alten Frau, die ihre Holzbötchen verkaufen will; niemand hat sie gefragt, ob sie Chilenin sein will: Vom Stamm der nun fast verschwundenen Kaweskar ist sie, und dort beginnt die Geschichte über Kolonisation, Unterdrückung, Fremdbestimmung, Armut, Aufzwingen einer fremden, europäischen Zivilisation: Kleidung und Sitten, Teetrinken, ein Schlips, der das Atmen behindert.

Es folgen Antikommunisten, Konterrevolution, CIA, Pinochet, Menschen, die mit Eisenbahnschienen im Meer verschwinden. Ein Folterknecht kommt aus einem deutschen KZ. Dabei gab es einst mal Hoffnung – solidarische, sozialistische. Erinnerungen bleiben und die Frage, wo die Verschwundenen nun zu Hause sind, und ihre Lebensentwürfe.

Was aus dem Mund der alten Bötchen-Verkäuferin kommt, klingt wegen der abstrakten Worte nicht authentisch. Sprachlich nicht, inhaltlich schon, erläutert Regisseur Claudio Ayala: Er spreche viel mit solchen Leuten – sie dächten so, wenngleich auch nicht in diesen Worten. Viel Recherche gehöre zum Konzept des Theaters.

Die Leistung der Darstellerinnen ist bemerkenswert: Sprechrollen, das ausdrucksvoll-klare Führen der Puppen und des Bootes meistern sie. Es spielten Anna Murböck (wie Ayala in Chile ausgebildet), Frederike Langrock und Franziska Lutz; für kongenialen Klang sorgt Percussionist Jens Brülls.

Das „Tat Sachen Theater“, so Ayala, habe „noch mehrere Sachen in der Mappe“; erst einmal geht es auf Tournee: im April beim Newcomer-Festival im Pumpenhaus, dann in Hamborn und in Hiltrup im Welthaus.

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Kultur als Klebstoff der Gesellschaft
Freuen sich auf den Schauraum (v.l.): Julia Kroker (Arbeitskreis Museen in Münster), Frauke Schnell (Leiterin Kulturamt), Matthias Lückertz (Sprecher der Kaufleute Salzstraßenviertel) sowie Bernadette Spinnen und Fritz Schmücker (beide Münster Marketing).
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