Redner beim Kramermahl
Kardinal Marx: „Ich möchte Mut machen“

Münster/München -

Wenn Münsters Kaufmannschaft am Freitag zum traditionellen Kramermahl ins Rathaus kommt, wird Reinhard Kardinal Marx die Festrede halten. Im Interview verrät er, was er den Kaufleuten angesichts der großen politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen in der Welt mit auf den Weg geben will.

Freitag, 26.01.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 26.01.2018, 10:02 Uhr
Reinhard Kardinal Marx, hier 2014 nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz mit seinem Vorgänger Robert Zollitsch (l.) vor dem Borromaeum, ist am Freitag Gast und Redner beim Kramermahl in Münster. Foto: Jürgen Peperhowe

Reinhard Kardinal Marx, seit 2007 Erzbischof von München und Freising und seit 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ist am heutigen Freitag (26. Januar) Gast und Redner beim traditionellen Kramermahl in Münster. Gegenüber unserem Redaktionsmitglied Johannes Loy bezieht Marx, der aus dem westfälischen Geseke stammt und sein Promotionsstudium in den 1980er Jahren unter anderem in Münster absolvierte, Position zu aktuellen Fragen.

Herr Kardinal, in Deutschland laufen die politischen Sondierungen schleppend, der Nahe Osten bleibt instabil, Flüchtlinge drängen nach Europa, in den USA und Nord-Korea spielt sich Unberechenbares ab. Was geht Ihnen angesichts dieser Gemengelage zu Beginn des Jahres 2018 durch den Kopf?

Kardinal Marx: Die Zeiten sind unsicher, und doch sage ich: Schauen wir mutig nach vorne. Natürlich gibt es viele Probleme weltweit. Aber gerade wir Christen sollten mit der im wahrsten Sinne des Wortes „Frohen Botschaft“ eine positive Nachricht in die Welt senden. Jenseits von Fake News und Hetze, Nationalismus und wachsenden Egoismen gibt es ein Wort, das wir als Christen besonders prägen: Solidarität. Wir müssen uns angesichts der Problemlagen fragen, was hält die Gesellschaft zusammen? Da kann die Kirche eine Menge beisteuern, indem sie sich einmischt und nicht nachlässt, für die gleiche Würde aller Menschen einzutreten. Das Christentum ist so in einer scheinbar unsicher werdenden Welt ein Garant für Stabilität.

In Deutschland und Europa brummt die Wirtschaft, Millionen Menschen in Afrika leiden Not. Was sagen Sie als Sozialethiker beim Kramermahl den Kaufleuten in Münster angesichts der großen politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen in der Welt?

Kardinal Marx: Ich werde versuchen, Merkposten für die Agenda 2018 zu nennen und Mut zu machen, an dem Guten in der Welt weiter mitzubauen. Seid wach für die Sorgen der Mitmenschen! Müssen wir nicht versuchen, die Frage zu überwinden: Was wird aus mir? Wo bleibe ich? Wir brauchen ein neues Wir, einen Zusammenhalt als Kirche, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Das ist der Geist der Solidarität und der Katholischen Soziallehre. Solidarität und Gerechtigkeit stehen ja nicht im Widerspruch zum Unternehmersein, sondern sind langfristig sehr vernünftig. Solidarität ist keine leere Worthülse, sondern ein Programm. Und dieses Programm hat sein Fundament im Evangelium. Das gilt auch für die Kaufleute.

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Nach 88 Jahren ist die Westfalenmetropole Münster wieder Gastgeber des Katholikentags, der diesmal unter dem Leitwort „Suche Frieden“ steht. Welche spirituellen und politischen Impulse erwarten Sie von dem diesjährigen Christen-Treffen?

Kardinal Marx: Das Leitwort des Katholikentags ist aktueller denn je. „Suche Frieden und jage ihm nach“ – so heißt das Wort aus dem Buch der Psalmen – ist ein Auftrag an jeden einzelnen und auch an die Institutionen, an Parteien, Gemeinden, auch an die Kirchen. Wo können wir mit der universalen Friedensbotschaft Jesu etwas zum Frieden in dieser Welt beitragen? Da müssen wir an das Ganze in der Welt denken, aber auch an unsere Nachbarschaft, an den Arbeitsplatz, an die Mitmenschen im unmittelbaren Umfeld. Vom Katholikentag in Münster wünsche ich mir deshalb einen kraftvollen Impuls, der zeigt: Die Christen in Deutschland prägen das Land mit, und wir geben Antworten auf die Fragen der Menschen. Und: Wir haben eine Botschaft der Hoffnung! Wir leben nicht zurückgezogen hinter Kirchenmauern, sondern leisten unseren Beitrag zu einer friedlicheren und gerechteren Welt.

Das Kramermahl 2017 des Vereins der Kaufmannschaft

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  • Das traditionelle Kramermahl des Vereins der Kaufmannschaft zu Münster von 1835 fand am Freitagabend im Rathaus statt.

    Das traditionelle Kramermahl des Vereins der Kaufmannschaft zu Münster von 1835 fand am Freitagabend im Rathaus statt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Kramermahl 2017 des Vereins der Kaufmannschaft Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Kramermahl 2017 des Vereins der Kaufmannschaft Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Kramermahl 2017 des Vereins der Kaufmannschaft Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Kramermahl 2017 des Vereins der Kaufmannschaft Foto: Jürgen Peperhowe
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  • Das Kramermahl 2017 des Vereins der Kaufmannschaft Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Kramermahl 2017 des Vereins der Kaufmannschaft Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Kramermahl 2017 des Vereins der Kaufmannschaft Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Kramermahl 2017 des Vereins der Kaufmannschaft Foto: Oliver Werner
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