Hafen-Debatte geht weiter Neuer Anlauf für Bebauung des Osmo-Areals

Münster -

Für die weitere Entwicklung des Hafenareals ist zwingend eine für den Autoverkehr offene Theodor-Scheiwe-Straße, die derzeit geschlossen ist, erforderlich. Nun müssen sich die Stadt und die Eigentümer der Fläche einigen, jedoch konnte noch kein Einvernehmen erzielt werden. Den Eigentümern droht möglicherweise sogar eine Enteignung.

Von Klaus Baumeister
Ein Blick auf die Osmo-Hallen.
Ein  Blick auf die Osmo-Hallen. Foto: Matthias Ahlke

Fünfeinhalb Jahre ist es her, dass der Rat der Stadt Münster beschlossen hat, für das alte Osmo-Areal am Hafen einen neuen Bebauungsplan aufzustellen. Jetzt liegt ein erster Entwurf vor. Er wird am Donnerstag im Planungsausschuss (17 Uhr, Stadtweinhaus, Prinzipalmarkt 8-9) beraten.

Neue Dynamik ist in den letzten Monaten in die verfahrene Situation gekommen, weil die verschiedenen Projektentwickler und Investoren ihre Pläne aufeinander abgestimmt haben.

Konkret wollen folgende Unternehmen jeweils eine Teilfläche des alten Osmo-Geländes bebauen: der Coppenrath-Verlag, die LVM-Versicherung, Josef Kuhr Immobilien sowie die Architekten Rainer M. Kresing und Andreas Deilmann mit zwei jeweils separaten Wohnprojekten.

Abrissgenehmigung liegt vor

Besonders die LVM-Versicherung drückt auf die Tube. Sie hat bereits eine Abrissgenehmigung für die alten, maroden Osmo-Hallen erhalten und will Mitte Februar mit dem Abriss starten.

Wann jedoch der jetzt mit Leben erfüllte Bebauungsplan verabschiedet werden kann und der erste Spatenstich erfolgen darf, ist offen.

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Denn bei genauer Betrachtung hängt ein nur schwer wegzudiskutierendes Damoklesschwert über der seit Jahren diskutierten „Verlängerung“ des Kreativkais bis oben an die Hafenspitze.

Enteignung ist aufwendiges Verfahren

Aus dem Bericht des Stadtplanungsamtes, der den Kommunalpolitikern vorliegt, geht unmissverständlich hervor, dass für die weitere Entwicklung des Hafenareals zwingend eine für den Autoverkehr offene Theodor-Scheiwe-Straße benötigt wird. Weil die bisherige Trasse über privates Gelände führt und kein Einvernehmen zwischen Stadt und den Eigentümern der Fläche herrscht, ist die Straße derzeit geschlossen.

In dem Bericht droht die Stadtverwaltung ganz unverhohlen mit einer Enteignung der Eigentümer, sollte das Einvernehmen auch in Zukunft nicht herzustellen sein. Eine Enteignung ist aber ein sehr aufwendiges Verfahren.  


Kommentar

Streit um Theodor-Scheiwe-Straße:

Enteignung als Notanker

Ein Blick auf den Stadtplan dokumentiert das Problem:  Von der Schillerstraßenbrücke und dem alten Osmo-Gelände ist es nur ein Katzensprung bis zur Umgehungsstraße in Höhe des Gasometers. Vorausgesetzt natürlich, man kann die  Theodor-Scheiwe-Straße benutzen.

Kann man aber nicht – und somit steht hinter der geplanten Bebauung des alten Osmo-Areals zumindest in verkehrlicher Hinsicht ein Fragezeichen. Der Umstand jedenfalls, dass die Stadt das „besondere öffentliche Interesse“ an der Wegebeziehung betont und den Eigentümern der für die Straße erforderlichen Flächen ganz unverhohlen mit Enteignung droht, belegt eindrucksvoll, wie groß die Not ist.

Schade eigentlich, denn nach den schier endlosen Jahren des Stillstandes ist es dringend erforderlich, dass die attraktiv gelegene Brache endlich einmal aus ihrem Dornröschen geholt würde.

Es verstärkt sich der Eindruck, dass die Osmo-Bebauung seinerzeit nicht optimal eingestielt wurde.

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