Die „Me too“-Debatte in Münster Belästigung wird nicht länger bagatellisiert

Münster -

Frauenberatungsstellen in Münster sehen durch die internationale Debatte um sexuelle Belästigung einen positiven Effekt: Die allgemeine Sensibilität für das Thema wächst.

Von Karin Völker
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Die Sensibilität dafür ist in Münster gewachsen, sagen Expertinnen.
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Die Sensibilität dafür ist in Münster gewachsen, sagen Expertinnen. Foto: dpa/Stolt

Zuerst Harvey Weinstein in Hollywood, jetzt vielleicht auch Dieter Wedel in Deutschland. Daniela Stöweken, Beraterin beim Frauennotruf Münster, wundert das nicht. „Sexuelle Belästigung gibt es überall, und beileibe nicht nur in der Filmbranche“, sagt sie zur „#Me too“-Debatte, die immer weitere Kreise zieht.

Auch beim Frauennotruf mehren sich die Anfragen von Frauen, die meisten von ihnen sind Opfer einer Vergewaltigung. Eine zwei Jahre alte Umfrage des Frauennotrufs in Münster zeigte, dass drei Viertel aller befragten Frauen angaben, sexuelle Belästigung aus eigener Erfahrung zu kennen.

"Es wird so getan, als ob es zum Leben dazu gehört:  Frauennotruf Münster unterstützt „Me too“-Kampagne

Fast immer versuchten die Betroffenen, das Problem unter sich zu lösen

„Das Thema kommt immer da vor, wo Männer und Frauen zusammen arbeiten“, sagt Martina Arndts-Haupt. Sie ist seit 30 Jahren als Leiterin des städtischen Frauenbüros Ansprechpartnerin für die rund 3600 Beschäftigten der Stadtverwaltung, aber auch für Frauen- und Gleichstellungsbelange in Münster allgemein.

Seit Beginn der „#Me too“-Bewegung verzeichnet sie keine zunehmende Zahl an Frauen oder auch Männern, die über sexuelle Belästigung klagen. Zu solchen Kontaktaufnahmen zum Frauenbüro, so ihre Erfahrung, komme es ohnehin nur sehr selten. In den drei Jahrzehnten ihrer Tätigkeit „kein Dutzend Mal“. Fast immer versuchten die Betroffenen, das Problem unter sich zu lösen. Werde ein potenzieller Täter offiziell genannt, stehe auch das Opfer mit im Fokus, sagt sie.

Probleme werden meist auf der Ebene der Betriebsräte behandelt

Das ist auch die Erfahrung von Anne Sandner vom Deutschen Gewerkschafsbund Münsterland. Solche Probleme werden meist auf der Ebene der Betriebsräte behandelt, sagt sie.

In der Stadtverwaltung gibt es laut Arndts-Haupt „eine klare und detaillierte Dienstvereinbarung“. Zentraler Inhalt: „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist generell zu verurteilen. Abmahnung, Versetzung, Entfernung aus dem Arbeitsverhältnis könnten die Folge für die Verantwortlichen sein“, so Arndts-Haupt und ergänzt: „Alles schon vorgekommen.“ Wobei für die Frauenbeauftragte klar ist: „Es geht dabei nicht etwa um Sexualität, sondern um die Demonstration von Macht“.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Daniela Stöweken begrüßt die „#Me too“-Debatte vor allem deshalb, weil sie Frauen die Möglichkeit gebe, ihre eigenen Erfahrungen noch einmal neu zu bewerten. Der übliche Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ist nach Stöwekens Erfahrung: bagatellisieren, ganz ignorieren. Für Martina Arndts-Haupt haben Bewegungen, wie jetzt „#Me too“ vor allen den positiven Effekt, dass auch häufiger Führungskräfte aus der Verwaltung ihren Rat suchten, wenn einzelne Mitarbeiter auffällig geworden seien. „Die Sensibilität für das Thema wächst“, sagt sie – „generell ein Trend zumindest in größeren Unternehmen und Behörden der Stadt“. Carsten Pribyl, Sprecher des LVM, bestätigt dies. Eine höhere Anzahl von Anfragen gebe es seit „#Me too“ aber nicht.

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