Darjeeling aus Indien wird rar Sorge um den heißgeliebten Tee

Münster -

Die Teegärten in Darjeeling in Indien bestreikt. Die Sommerernte ist komplett ausgefallen, und die verlassenen Teegärten sind offenbar in einem Zustand, der weitere Ernten in absehbarer Zeit unmöglich macht.

Von Lukas Speckmann
Ein Darjeeling fühlt sich im Teebeutel nicht wohl: Als kostbarer Tee will er umsichtig behandelt werden.
Ein Darjeeling fühlt sich im Teebeutel nicht wohl: Als kostbarer Tee will er umsichtig behandelt werden. Foto: Deutscher Teeverband

Wenn vom ihm die Rede ist, schnalzen Teetrinker mit der Zunge: Darjeeling . . . Der schwarze Tee aus dem Nordosten Indiens gilt als Heißgetränk-Königsklasse. Der Aufguss ist eher hell als dunkel, die Farbe reicht von blassem Gelb bis zu Goldbraun, das Aroma wird als fein, zart und vielleicht etwas nussig beschrieben. Viel zu schade, diesen Tee mit Zucker, Zitrone, Milch oder Sahne zu belästigen.

Diese Kostbarkeit ist in Gefahr, denn seit dem Frühjahr 2017 werden die Teegärten in Darjeeling bestreikt. Ein politisch-ethnischer Konflikt: Wie berichtet, gehören die meisten Teepflücker der Bevölkerungsgruppe der Gor­khas an, sie fordern Autonomie. Die Sommerernte ist komplett ausgefallen, und die verlassenen Teegärten sind offenbar in einem Zustand, der weitere Ernten in absehbarer Zeit unmöglich macht. Auch Münsters Teetrinker werden es bemerken – gerade in der kalten Jahreszeit, in der mehr Tee gekauft und getrunken wird.

Rafael Löbbert macht sich Sorgen: „Im Extremfall kann es vier bis fünf Jahre dauern, bis wir wieder die gewohnte Qualität bekommen“, sagt der Inhaber von „Tee­Gschwendner“ an der Salzstraße. Dort ist schon nicht mehr jede Sorte verfügbar: Die Frühjahrsernte 2017 („First Flush“) wurde eingebracht und ist noch zu haben, aber bei der Sommerernte („Second Flush“) wird es schon eng. Und danach kommt vorerst nichts mehr.

„Das ist das erste Mal, das eine Teesorte so komplett verschwindet“, meint Rafael Löbbert. „Wir müssen vielleicht wieder lernen, dass Lebensmittel nicht immer verfügbar sind.“ Seinen Kunden reicht der Teehändler ausführliche Info-Zettel, weil nicht immer Zeit für ausgiebige Erklärungen sei. „Darjeeling ist die bekannteste Teesorte“, sagt Löbbert. Die Hälfte seiner Schwarzteekunden verlange ausdrücklich danach.

Auch im „Tea Time“ an der Ludgeristraße, im „Mocca-Haus“ an der Rothenburg und im „Teehaus Tropic“ ist Darjeeling ein Thema. Allerdings habe man gute Verbindung zu den Lieferanten, und nennenswerte Vorräte seien auch noch auf Lager. Sie sei „nicht wirklich besorgt“, meint etwa Bettina Fehmer-Bzowka vom „Mocca-Haus“ – aber spätestens im Frühjahr werde es definitiv Engpässe geben.

Die Alternative zu Darjeeling? Die Teehändler empfehlen unbekanntere Anbaugebiete: Sikkim etwa, Nepal oder Nilgiri – wenn sie sich nicht gleich als passionierte Assam-Trinker zu erkennen geben. Rafael Löbbert schwört auf Nepal, dessen Tees seit zehn oder 15 Jahren an die des benachbarten Darjeeling heranreichen.

Allerdings weist er ebenso wie Familie Gityravan von „Tea Time“ darauf hin, dass es sich um ein kleines Anbaugebiet handelt – den Ausfall von Darjeeling könne Nepal allein kaum wettmachen.

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