Banges Warten auf Nierenspende Zwei junge Menschen teilen ein Schicksal

Münster -

Die einjährige Tochter von Mohamad Harkous und Nadia Alayan leidet an einem schweren Nierendefekt. Ebenso wie Yousra Abelkarim (25). Sie leistet der Familie Unterstützung.

Von Karin Höller
Sie bangen um das Leben ihrer kleinen Tochter Fatima, die mit einem schweren Nierendefekt auf die Welt kam und nun auf eine Spenderniere wartet: Vater Mohamad Harkous und seine Frau Nadia Alayan. Die 25-jährige Münsteranerin Yousra Abdelkarim (kleines Bild) ist ebenfalls auf die Dialyse angewiesen und erzählt, wie sie gelernt hat, mit der Krankheit zu leben.
Sie bangen um das Leben ihrer kleinen Tochter Fatima, die mit einem schweren Nierendefekt auf die Welt kam und nun auf eine Spenderniere wartet: Vater Mohamad Harkous und seine Frau Nadia Alayan. Die 25-jährige Münsteranerin Yousra Abdelkarim (kleines Bild) ist ebenfalls auf die Dialyse angewiesen und erzählt, wie sie gelernt hat, mit der Krankheit zu leben. Foto: Privat

Die Geschichte der kleinen Fatima, die mit einem schweren Nierendefekt auf die Welt kam und seitdem auf die Dialyse angewiesen ist, um zu überleben (wir berichteten), hat viele Leser berührt. Für eine ehemalige Patientin der Kinder- und Jugenddialyse am Uniklinikum war es zudem der Anstoß, Fatimas Familie ihre Hilfe anzubieten und Mut zu machen. „Fatima ist bei denselben Nephrologen, bei denen ich damals auch war. Das ist ein unglaublich super liebes Ärzte-Team“, schreibt Yousra Abdelkarim. „Vielleicht kann ich der Mutter Ängste abnehmen.“

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Das ist ein unglaublich super liebes Ärzte-Team.

Yousra Abdelkarim

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Kann sie. Fatimas Mutter freut sich nicht nur über die große Spendenbereitschaft für den Förderverein „Hilfe für das nierenkranke Kind“ bei der WN-Weihnachtsspendenaktion, sondern auch über diese persönliche Anteilnahme. „Man weiß, dass man nicht allein ist.“ Und sie ist daran interessiert zu erfahren, wie es andere schaffen, mit dieser lebensbedrohlichen Krankheit zu leben. Mit der einjährigen Fatima steht das junge Elternpaar erst am Anfang.

Transplantation ist Balanceakt

Yousra Abdelkarim, die mit einer Niereninsuffizienz geboren wurde, ist inzwischen 25 Jahre alt. Da die Nierenleistung im Laufe der Jahre immer schwächer wurde, „hatte ich 2009 eine Lebendspende von meiner Mama, die ich dieses Jahr im März leider verloren habe, seitdem bin ich wieder Dialyse-Patientin“, erzählt sie. „Mit einem Transplantat wird das Leben definitiv einfacher – aber man ist niemals 100-prozentig gesund.“ Denn es bleibt ein Balanceakt, mit Medikamenten eine Abstoßung des Transplantats zu verhindern. Ein Blaseninfekt – wie bei Yousra Abdelkarim – kann schon das Ende der Spender-Niere bedeuten.

"Man darf die Dialyse nicht als Feind sehen"

Die junge Frau, die ebenso wie Nadia Alayan in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, hat sich mit ihrer Krankheit abgefunden und auch mit der Blutwäsche arrangiert – dreimal in der Woche, jedes Mal fünf Stunden lang. „Man darf die Dialyse nicht als Feind sehen. Nicht die Dialyse ist das Problem, sondern die Abhängigkeit. Aber auch das pendelt sich irgendwann ein“, sagt sie tapfer.

"Die Krankheit in sein Leben integrieren"

Mit zehn Jahren habe sie große Ängste gehabt, wie alles weitergehen soll. „Aber man muss die Krankheit in sein Leben integrieren und nicht zur übermäßigen Belastung werden lassen“, sagt sie. Mit dieser Einstellung will sie auch in ein paar Monaten die Prüfung zur Mediengestalterin schaffen und das bange Warten auf ein erneutes Spenderorgan an der Dialyse überbrücken.

Fünf bis sieben Jahre Wartezeit

Die Wartezeit auf eine Spenderniere beträgt bei Erwachsenen fünf bis sieben Jahre, bei Kindern sind es zwei bis drei Jahre, weiß Prof. Dr. Monika Bulla vom Förderverein „Hilfe für das nierenkranke Kind“, die nach wie vor den großen Mangel an Spenderorganen beklagt.

Die einjährige Fatima hat inzwischen das Mindestgewicht für eine Transplantation von zehn Kilo überschritten. Anfang 2018, so hofft die Familie, sind alle Formalitäten erledigt, um in die Spenderdatei von Eurotransplant aufgenommen zu werden. Für Fatima und Yousra wird es nicht das letzte bange Warten sein. Nieren-Transplantate überleben im Schnitt 12,5 Jahre. „Wenn man Glück hat“, so Bulla, „20 Jahre.“

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