Konzert in der Clemenskirche Mit Harfe und Orgel ins neue Jahr

Münster -

Für so manchen Münsteraner gehört das Konzert der Familie Reuter schon zu Silvester, wie für andere „Dinner for One“.

Von Erhard Obermeyer
Tirza Seifert-Reuter spielte die Harfe in der Clemenskirche, Stefan Reuter saß an der Orgel.
Tirza Seifert-Reuter spielte die Harfe in der Clemenskirche, Stefan Reuter saß an der Orgel. Foto: Matthias Ahlke

Die Kontinuität ist bemerkenswert: Vor 25 Jahren luden die Reuters erstmals zum Silvester-Konzert in die Clemenskirche. Vor 25 Jahren bat die Familie erstmals um Spenden statt eines Eintrittsgeldes. Und vor 25 Jahren standen erstmals der Bach-Choral „Gelobet seist Du Jesu Christ“ am Anfang und die „Toccata variata“ von Charles Marie Widor am Ende des Konzerts.

So war es auch jetzt zu Silvester, und die Zuhörer in der voll besetzten Clemenskirche dankten es den Reuters mit reichem Beifall. Zu hören waren Tirza Seifert-Reuter an der Harfe und Stefan Reuter an der Orgel, der mit einem Augenzwinkern an „the same procedure as every year“ aus dem bekannten Klassiker „Dinner for One“ erinnerte.

Die Zuhörer wurden belohnt mit ausgewählten Kompositionen auch weitgehend unbekannter Komponisten, wie Nicolas Lebegue, der unter Ludwig XIV. als Hoforganist wirkte. Oder Ank van Campen, der wohlklingende Variationen für die Harfe von Tirza Seifert-Reuter beisteuerte. Die fein verschlungenen Werke des Jan Pieterszon Sweelinck tauchen häufiger im Repertoire von Stefan Reuter auf. Domenico Scarlatti auf der Harfe – das war eine interessante Variante, die die musikalischen Strukturen klar hervortreten ließ. Der Hauptteil der Scarlatti-Kompositionen liegt in der Santini-Sammlung in der Diözesanbibliothek Münster, wie Stefan Reuter informierte. Auch bei der folgenden Paraphrase von Pinto über ein Thema von Louis Spohr – feinste Glissandi hingehaucht auf der Harfe und zart gezupft im höchsten Diskant.

Stefan Reuter, Sohn des unvergessenen Orgelprofessors Rudolf Reuter, beteiligt sich seit Jahren auch mit eigenen Kompositionen am Programm, diesmal mit Improvisationen über ein französisches Weihnachtslied. Bis dann die berühmte Toccata von Widor den Reigen beschloss, als Silvester-Scherz adaptiert für „organa minora“, die vor Jahren der Krankheit der kleinen Orgel zum Opfer fiel, jetzt aber einen strahlenden virtuosen Schlusspunkt setzte.

Wie immer wurde um eine Spende gebeten, seinerzeit auch für den Wiederaufbau der Frauenkirche, seit einigen Jahren für die Obdachlosenküche der Franziskaner in Berlin-Pankow. Stefan Reuter erklärte: „Wir sind Wahl-Berliner oder besser noch Gesinnungs-Berliner.“

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