„Moritz vom Mauritz“ ist der Schulhund des Gymnasiums St. Mauritz Tierischer Freund und Helfer

Münster -

Dem verschlossenen Schüler mit trüben Gedanken legt er sich solidarisch zu Füßen. Und die Direktorin wird jovial empfangen: Anke, schön dich zu sehen…! Kurz: „Moritz“ ist ein idealer Schulhund.

Von Lukas Speckmann
Bei den Schülern ist „Moritz vom Mauritz“ seit seinem ersten Tag an der Schule ein echter Star.
Bei den Schülern ist „Moritz vom Mauritz“ seit seinem ersten Tag an der Schule ein echter Star. Foto: Kristina Frönd

Fremde werden wie alte Freunde begrüßt. Der große, etwas tapsige Hund streift wedelnd um die Beine, drückt seinen Kopf gegen das Menschenknie und freut sich riesig. Der Gast nimmt auf dem roten Sofa Platz, der blondgelockte Vierbeiner pflanzt sich sofort daneben und legt seinen wuscheligen Kopf dekorativ auf die Schuhe. Erwartungsvoller Hundeblick nach oben. Bitte kuscheln!

Macht der das immer so? Ja, sagt Kristina Frönd fröhlich. Außer bei Besuchern, die im Umgang mit Hunden grundsätzlich zurückhaltend sind. Dann genügt ein kurzes Wort seiner persönlichen Rudelchefin, und er verschwindet im Körbchen. Falls es überhaupt eines solches Hinweises bedarf; denn der junge Rüde kann die Stimmungen seiner Besucher offenbar genau einschätzen. Die Schülerin mit Schulangst muntert er behutsam spielerisch auf. Dem verschlossenen Schüler mit trüben Gedanken legt er sich solidarisch zu Füßen. Und die Direktorin, die kurz vorbeischaut, um nach dem Rechten zu sehen, wird jovial empfangen: Anke, schön dich zu sehen…! Kurz: ein idealer Schulhund.

Genau das ist sein Job. Seit Beginn des Schuljahrs ist der elf Monate alte „Labradoodle“ offiziell Schulhund am Gymnasium St. Mauritz. Er arbeitet als rechte Hand der Schul-Sozialpädagogin Kristina Frönd, mit der er sich ein urgemütliches Büro im Erdgeschoss des gediegenen Altbaus teilt. Sein Auftrag lautet, für gute Stimmung zu sorgen, und er macht offenbar einen Klasse-Job. „Ich weiß schon gar nicht mehr, wie es ohne ihn war“, lobt Schulleiterin Anke Wilkens. Schon die Namensgebung war eine gesamtschulische Angelegenheit; in einem demokratischen Wahlverfahren wurde als Dienstname „Moritz vom Mauritz“ vereinbart. Zu Hause in Ostbevern hört er auf einen weniger aristokratischen Kosenamen, aber den möchte Kristina Frönd lieber für sich behalten.

„Moritz vom Mauritz“ ist natürlich Kristina Frönds Hund. Sie zahlt Verpflegung, Tierarzt, Steuern und die extra Haftpflichtversicherung, sie ist für seine Erziehung und sein Wohlergehen zuständig. Doch er wurde ausdrücklich ausgewählt und angeschafft, um als Schulhund die Arbeit von Kristina Frönd zu unterstützen, die als Sozialpädagogin und Verhaltenstherapeutin für Kinder und Jugendliche seit 2015 am Gymnasium tätig ist. Ein „Labradoodle“, diese zurzeit schwer angesagte Mischung aus Labrador und Pudel, gilt als idealer Schulhund: Er ist kinderlieb, neugierig, nicht draufgängerisch, geduldig, nicht schreckhaft, vor allem aber: kontaktfreudig und freundlich. Im Januar 2017 geboren, wurde „Moritz vom Mauritz“ im Frühjahr für eine mehrwöchige Testphase an die Schule gebracht. Die Prüfung der Allgemeinen Schulreife hat er glänzend bestanden: Kollegium, Mitarbeiter und Elternschaft waren begeistert, die Schülerinnen und Schüler sowieso.

Ist die Arbeit mit Schulhund leichter geworden? „Viel leichter“, sagt Kristina Frönd überzeugt. Es sei mit seiner Hilfe einfacher geworden, Vertrauen zu entwickeln und eine Gesprächsbasis zu finden. Verschlossene oder gar ängstliche Kinder, die zum vertraulichen Gespräch kommen, überwinden im gemütlichen Büro sofort ihre Scheu: Die Nähe des verschmusten Hundes wirkt offenbar beruhigend und gibt Selbstvertrauen. Außerdem ist es auch in Kristina Frönds Gruppenstunden sofort viel ruhiger und disziplinierter in der Klasse, weil alle wissen, der Hund mag es nicht so laut. Wo der Schulhund auftaucht, ist die Stimmung sofort entspannt. Das gilt für alle Altersgruppen, für Jungs wie für Mädchen, die den Hund wahlweise „süß“ oder „cool“ finden, weil er sowohl für kollektive Streicheleinheiten als auch für wilde Toberei im Schnee zu haben ist. Schließlich hat er was von einem Teddybärchen, ist zugleich aber auch ein ziemlich großer Hund. Respekt.

Kristina Frönd weiß, dass sie ihrem vierbeinigen Kollegen nicht zu viel zumuten darf. „Moritz vom Mauritz“ braucht Ruhephasen, ausgiebige Spaziergänge im Boniburger Wald und sein Privatleben im Ostbeverner Familienkreis. In seiner Freizeit tobt er wie alle Pudel-Abkömmlinge gerne im Nassen, und er versteht die Aufregung nicht, wenn er nach einer entspannenden Schlamm-Sitzung schon wieder abgeduscht werden soll. Andererseits hat er als halber Pudel auch einen unschätzbaren Schulhund-Vorteil: Er haart nicht…

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