Weihnachtsmarkt Ein Glühwein, der keiner sein darf

Münster -

Jahrelang verkaufte Bernd Kleimann einen Glühwein, den er nach einer eigenen Rezeptur herstellte. Dann kam die Lebensmittelverordnung ins Spiel, die genau vorschreibt, was in einen Glühwein darf. Kleimann hält an seinem altem Rezept fest – nur unter einem neuen Namen.

Von Gabriele Hillmoth, Anna Spliethoff
„Kleimann’s Guter“ heißt jetzt das Heißgetränk, das Wiebke Kleimann bis zum vergangenen Jahr noch als „Glühwein“ ausgeschenkt hat.
„Kleimann’s Guter“ heißt jetzt das Heißgetränk, das Wiebke Kleimann bis zum vergangenen Jahr noch als „Glühwein“ ausgeschenkt hat. Foto: Oliver Werner

Glühwein ist das Getränk schlechthin auf den Weihnachtsmärkten. Sobald es kälter wird, nimmt der Absatz zu. Allerdings ist Glühwein nicht gleich Glühwein. Die Lebensmittelverordnung schreibt exakt vor, welche Inhaltsstoffe im Glühwein enthalten sein dürfen: Wein, Zucker, Zimt und Nelken. Wer den Glühweingeschmack noch zusätzlich verfeinert, der hat wie Bernd Kleimann schlechte Karten.

Der Konditormeister aus Münster gibt jahrelang schon Zitronen- und Orangensaft in das Getränk. Die Lebensmittelkontrolle entnahm am Stand eine Probe und wies ihn daraufhin, dass er das Heißgetränk nicht mehr als Glühwein anbieten darf.

Dr. Giovanni Serra von der städtischen Lebensmittelüberwachung erklärt, warum: „Aromastoffe und Gewürze dürfen hinzugegeben werden. Die Verwendung von Obstsäften ist aber nicht zulässig.“ Generell gebe es genaue und streng einzuhaltende Vorgaben, was in einen echten Glühwein gehört und was nicht.

Erst sei er ziemlich sauer gewesen, so Kleimann, als er auf die Lebensmittelverordnung hingewiesen worden sei. Jetzt empfindet er die Verwarnung als Chance. „Ich bin eigentlich dankbar.“ Bernd und Wiebke Kleimann suchten sich einen neuen Namen aus für ihr Heißgetränk, kreierten zusätzlichen den alkoholfreien „Budenzauber“ und sind seit Oktober mit der Herstellung ihres „Glühweins“ beschäftigt.

Traditionelles Rezept

In diesem Jahr, sagt Kleimann, hätte er mit einer Strafe rechnen müssen, doch darauf wollte er es nicht ankommen lassen. Die neue Lösung ist jetzt „Kleimann´s Guter“. Der Standbetreiber schenkt künftig das bewährte Heißgetränk unter neuem Namen in neuer Verpackung aus.

Die verkaufte Literzahl bewege sich meistens im vierstelligen Bereich, betont Kleimann. In Handarbeit werden der französische Rotwein, Zucker, Zimt und Nelken mit weiteren Zutaten vermischt, abgeschmeckt und in die neuen Bordeaux-Flaschen abgefüllt, die jetzt anstelle der bisher bauchigen Flaschen angeboten werden. Mit einer Zapfanlage für Heißgetränke, so Kleimann, werde der Geschmack noch einmal verbessert.

Der Standbetreiber und Konditor rückt nicht von seinem traditionellen Rezept ab. Schon aus einem bestimmen Grund: „Wir wollen nicht an der Qualität rütteln.“

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