Weltgrößte Fahrradmesse beginnt
Wachstum rollt mit E-Bikes

Münster -

Händler aus Münster besuchen die weltweit größte Fahrradmesse, die „Eurobike“ in Friedrichshafen. Rund 1400 Aussteller zeigen viele Neuheiten. Ein großer Hype, sagen die Experten aus Münster, sind die E-Bikes, die längst ihr hausbackenes Image abgelegt haben.

Mittwoch, 30.08.2017, 09:00 Uhr aktualisiert: 30.08.2017, 09:23 Uhr
Damit das Unternehmen Velo de Ville auf der derzeit stattfindenden Messe „Eurobike“ in Friedrichshafen seine Fahrräder vorstellen kann, entwickelte Messebauer Schendel & Pawlaczyk aus Münster für die Firma einen neuen Stand. Foto: Schendel und Pawlaczyk

Die E-Mobilität ist in Münster längst ein großes Thema, bestätigt Georg Weigang, Obermeister der Zweirad-Mechaniker-Innung Münster. Der 49-Jährige nutzt die internationale Fahrradmesse „Eurobike“, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die Messe findet von Mittwoch (30. August) bis Samstag (2. September) mit rund 1400 Ausstellern in Friedrichshafen statt. Auch Karsten Hürter, Lehrlingswart der Innung in Münster, stellt einen Hype bei den E-Bikes fest.

Hürter besucht wie Weigang die weltweit größte Fahrradmesse. Auch der 49-jährige Fachmann von der Hammer Straße verzeichnet neben dem stark wachsenden Mountainbikehandel eine zunehmende Nachfrage nach E-Bikes. „Das Image des Alte-Leute-Rades haben die E-Bikes abgelegt“, sagt Hürter.

Münsters Fahrrad-ABC: Von A wie Ampel bis Z wie Zeit

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    Alle Jahre wieder, zum Start des Wintersemesters, ist die Zeit der Frischlinge auf den Radwegen. Mit den neuen Studentinnen und Studenten erobern Tausende Neumünsteraner für sich die deutsche Fahrradhauptstadt. Für viele eine mitunter abenteuerliche Begleiterfahrung des Studienstarts. Hier für die Anfänger auf den Radwegen und alle Leezenliebhaber ein kleines Alphabet des Radverkehrs in Münster von unserer Redakteurin Karin Völker.

    Foto: dpa
  • A wie Ampel: Unbedingt beachten! Ampeln haben in Münster für Fahrradfahrer nicht bloß Empfehlungscharakter. Bei Rot also besser stehenbleiben. Erstens, weil alles andere gefährlich sein kann. Zweitens, weil als Strafe ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 100 Euro Strafe drohen. Sehr empfindlich fürs studentische Portemonnaie.

    Foto: Colourbox.de
  • B wie Bürgersteig: Er ist in Münster den Fußgängern vorbehalten. Es gibt ja auch meistens Radwege.

    Foto: Colourbox.de
  • C wie cholerische Anfälle: Sie sind trotz des hier verbreiteten gemäßigten westfälischen Temperaments bei diversen Verkehrsteilnehmern bisweilen zu beobachten. Gilt das Geschimpfe einem selbst, am besten die Ruhe bewahren.

    Foto: Colourbox.de
  • D wie Diskussionen: Sollte man als Fahrradfahrer besser mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht anfangen, erst recht nicht mit Polizisten. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Verkehrsregeln sind zwecklos.

    Foto: Colourbox.de
  • E wie E-Bike: Das Fahrrad mit Batterieverstärkung ist auf Münsters Radwegen schwer im Kommen. Vorsicht vor dem beachtlichen Tempo – wenn sportliche junge Menschen von älteren Herrschaften überholt werden, ist oft ein Akku im Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • F wie Fußgänger: Sie verdienen Rücksicht und Freundlichkeit – auch wenn es mitunter erscheint, die Fußgänger liefen prinzipiell auf Radwegen.

    Foto: Colourbox.de
  • G wie Geschwindigkeit: Tempo 30 in Wohngebieten gilt auch für Radler!

    Foto: Colourbox.de
  • H wie Hamburger Tunnel: Er ist während des Bahnhofsumbaus zentrale Verkehrsachse von und zum Gleis und Ort der friedlichen Koexistenz zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern.  Skeptiker staunen: Es funktioniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • I wie Irren: Es ist menschlich und kommt bei allen Verkehrsteilnehmern vor. Auch wenn das Fahrrad bewegungsfördernder und umweltfreundlicher ist als das Auto: Auch Autofahrer haben im Verkehr manchmal Recht.

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  • J wie Jugend: Das Radfahren in Münster ist keineswegs nur ihr Privileg. In Münster strampeln  auch viele über 80-Jährige noch durch die Stadt. Fahrradfahren ist hier eine generationsübergreifende Angelegenheit – mit vielen Geschwindigkeiten.

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  • K wie Klauen: Der Fahrradklau ist in Münster ein verbreitetes Übel, das die Stadt in der Kriminalitätsstatistik regelmäßig schlecht aussehen lässt. Ein wenig helfen solide Schlösser.

    Foto: Colourbox.de
  • L wie Ludgerikreisel: Für viele Radler ein neuralgischer Punkt. Die Polizei empfiehlt: beherzt auf der Mitte der Spur fahren. Autos kommen meistens auch nicht schneller vorwärts als Radler.

    Foto: Oliver Werner
  • M wie Meimel: Ein münsterischer Ausdruck für Regen – und zwar dessen langanhaltende Form, und damit einer der natürlichen Feinde des Fahrradfahrers. Trotz häufiger Meimelgefahr lässt man sich in Münster nicht so leicht aus dem Sattel vertreiben. Viele auch nicht durch Schnee und Frost: Es gibt hier extra Streufahrzeuge für die Radwege.

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  • N wie Nase: Sie hat der Radfahrer immer im Wind. Nicht ausgeschlossen, dass im Winter dabei mal eine Erkältung rauskommt. Aber was gibt es Schöneres, als im Frühling unter den blühenden Silberlinden auf der Promenade herzuradeln? 

    Foto: Colourbox.de
  • O wie Ordnungshüter: Die Kräfte von Stadt und Polizei schenken dem Radverkehr sehr viel Aufmerksamkeit, besonders zu Semesterbeginn. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • P wie Parken: In Münster bisweilen auch für Fahrradfahrer nicht unproblematisch. Merke: Bürgersteige  gehören nicht zugestellt und immer merken, wo das Rad steht. Es soll Studenten geben, die ihre Leezen semesterlang gesucht haben.

    Foto: Colourbox.de
  • Q wie Quälerei: Kommt sogar im Fahrradparadies Münster vor – vor allem immer dann, wenn man Pannen hat.  Zum Glück gibt es an fast jeder Ecke einen Fahrradladen, der helfen kann.

    Foto: Colourbox.de
  • R wie Rücklicht: Sollte unbedingt ebenso wie das Vorderlicht funktionieren. Wenn man nicht selbst kontrolliert, ob es brennt – die Polizei tut es ohnehin und verteilt gegebenenfalls Knöllchen.

    Foto: Colourbox.de
  • S wie Stau: Gibt es in Münster, speziell während der Semesterzeiten auch auf Radwegen. Hier hilft nur Geduld.

    Foto: Colourbox.de
  • T wie Trunkenheit: Auch wer sich noch mit 1,6 Promille Alkohol im Blut für fahrtüchtig hält: Lieber das Rad schieben! Denn auch Fahrradfahrer erwarten Alkoholkontrollen durch die hiesige Polizei. Kein Scherz: Im Extremfall werden Fahrradfahrverbote verhängt.

    Foto: Colourbox.de
  • U wie Unfälle: Sie passieren leider – trotz vieler Maßnahmen der Verkehrsplaner und Polizei immer noch zu häufig. Ein Helm kann manchmal das Schlimmste verhindern. 

    Foto: Colourbox.de
  • V wie Vorsicht: Auch defensive Radfahrer kommen ans Ziel, mitunter sogar schneller als die Draufgänger.

    Foto: Colourbox.de
  • W wie Waschanlage: Luxus, wenn man seinem Drahtesel mal was Gutes will. Gibt es tatsächlich speziell für Fahrräder – im Fahrradparkhaus am Bahnhof.

    Foto: Presseamt/Joachim Busch
  • X&Y sind die Unbekannten und stehen für das Unerwartete beim Radfahren – zum Glück ist das nicht nur der plötzliche Plattfuß. Es gibt auch den Flirt beim Warten an der roten Fahrradampel. . .

    Foto: Colourbox.de
  • Z wie Zeit: Wer in Münster Rad fährt, spart meistens kostbare Minuten. Faustregel: Je näher man sich im Stadtkern bewegt, desto größer die Zeitersparnis. Autofahrer kommen fast immer langsamer ans Ziel.

    Foto: Colourbox.de

„Rund 50 Prozent der verkauften Räder bei uns sind E-Bikes“, bilanziert Georg Weigang. Er sei aber vom extremen Interesse gerade jüngerer Radfahrer sehr überrascht worden, betont der Obermeister: „Das habe ich in diesem Ausmaß nicht erwartet. Die Nutzer der Elektromobilität werden rapide jünger.“ Er verspricht sich von der Leitmesse viele Neuheiten. Die Integration von Akkus beispielsweise in den Rahmen wird gezeigt. E-Bikes sind darum nach Meinung von Weigang bald nicht mehr vom normalen Fahrrad zu unterscheiden. Der Obermeister setzt auf noch mehr Technik: das Öffnen von Rädern mit dem Smartphone und das Auffinden des Rades per App sowie eingebaute Displays.

Georg Weigang verspricht sich in einer Fahrradstadt wie Münster mehr vom Thema Dienstradleasing. Er geht davon aus, dass mittelfristig rund 30 Prozent aller hochwertigen Fahrräder über diesen Weg angeschafft werden. Durch die steuerliche Anerkennung wird das Dienstfahrrad dem Dienstwagen gleichgesetzt. Hier wird anstelle des Pkw ein Fahrrad oder E-Bike über den Arbeitgeber geleast und dem Arbeitnehmer zur Verfügung gestellt. Ein bestimmter Prozentsatz des Brutto-Listenpreises wird versteuert. Weigang kritisiert aber die Steuergesetzgebung, die seiner Meinung nach den Trend mit ihrer Haltung blockiere. Bisher sei von einem zehnprozentigen Restwert nach drei Jahren ausgegangen worden, so Weigang, jetzt spreche die Behörde von 40 Prozent. „Hier ist die Politik gefragt“, fordert der Obermeister.

Fahrräder prägen das Stadtbild

Aber nicht nur die Fachhändler setzen auf die „Eurobike“, auch der Messebauer „Schendel & Pawlaczyk hat mit der mehrtägigen Veranstaltung, die ganz im Zeichen des 200. Geburtstages des Fahrrades steht, zu tun.

Das Unternehmen kommt aus der Fahrradstadt in Deutschland, darum auch die hohe Affinität zum Thema, heißt es in einer Pressemitteilung. Geschäftsführer Ralf Meyer betont: „Fahrräder prägen nicht nur das Stadtbild, auch viele Unternehmen der Zweiradbranche haben im Münsterland ihren Sitz.“

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Die Messebauer sind seit 1999 auf der „Eurobike“ vertreten. Mit Trelock begann die Messezeit. Inzwischen baut Schendel & Pawlaczyk nach eigenen Angaben Stände unter anderem für Derby Cycle, Cycle Union und Velo de Ville. Ein Montageteam des Messebauers mit rund 40 Mitarbeiter war allein in diesem Jahr auf der Eurobike, um Stände aufzubauen.

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