Der schnellste Weg zur Kunst
Info-Point am Hauptbahnhof ist Drehscheibe für Skulpturen-Liebhaber

Münster -

Knallig rot, nicht zu übersehen – der Info-Point der Skulptur-Projekte steht wie eine Trutzburg im Passantenstrom gegenüber dem Hauptbahnhof und zieht nicht nur Kunst-Touristen magisch an. „Wir werden hier auch zu Bustickets, Linienführungen, Hotels und Gaststätten gefragt“, erzählt Lea Ebers, die als Aufsicht nicht müde wird, den Schwall der Passantenfragen freundlich zu beantworten. „Wir sind für viele in der Stadt die erste Anlaufstelle.“

Sonntag, 30.07.2017, 09:00 Uhr
Am Info-Point am Hauptbahnhof herrscht immer Andrang. Hier versorgen sich gerade Francisco Aguila-Oswald (r.) und Josef Ruppel mit Informationen und dem Skulpturen-Stadtplan bei Infopoint-Aufsicht Lea Ebers. Foto: hö

Hauptfrage der Skulptur-Touristen: „Haben Sie einen Stadtplan mit allen Kunstwerken?“ Der Drei-Euro-Plan wandert im Minutentakt über die Theke. Und die chinesische Reisegruppe will an diesem Morgen auch gleich erklärt bekommen, wie es auf dem schnellsten Weg zum Erkmen-Steg im Stadthafen geht.

Einige wissen ganz genau, was sie sich anschauen wollen, aber die meisten lassen sich treiben, stellt Lea Ebers fest. Sie zeigt dann zum Start zwei Möglichkeiten auf: „entweder Richtung Hafen oder Richtung Innenstadt zum LWL-Museum, wo bereits fünf Skulpturen auf engstem Raum zu finden sind“.

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Zum Kunstgenuss auf Augenhöhe und „auf der Suche nach Aha-Effekten“ sind die beiden Bildhauer Josef Ruppel und Francisco Aguila-Oswald aus Frankfurt angereist. Die Idee des Erkmen-Stegs findet Ruppel faszinierend. „Ein Touch mehr, als es Christo im vergangenen Jahr mit seiner Brücke über den Iseo-See in Italien vorgemacht hat.“ Da die beiden Bildhauer-Touristen selbst im öffentlichen Raum ausstellen, interessiert vor allem, „wie das in Münster umgesetzt wurde“. Francisco Aguila-Oswald, der seine peruanischen Wurzeln auch in seine Kunst einfließen lässt, überlegt schon laut, ob er nicht für die nächste Skulpturen-Ausstellung seine Bewerbung abgeben soll. Am Nachmittag ist aber zunächst eine Führung gebucht.

Die machen die Touristen bislang am liebsten mit dem Rad, hat Lea Ebers festgestellt. Der Besucher aus Ahlen, der sich noch schnell mit einem Faltplan versorgt, hat sein eigenes Rad auf dem Autodach mitgebracht. „Die Führung ist für 13 Uhr gebucht“, sagt er und schwingt sich auf den Sattel.

Taschem mit Ausstellunglogo gefragt

Für Kurzentschlossene gibt es meistens noch Kapazitäten, wie auch an diesem Tag am Info-Point am Aushang zu sehen ist.

Ganz so eilig haben es die vier Reisenden aus Altenbeken bei Paderborn nicht. „Wir wollen den Tag in Münster als Kurzurlaub genießen“, erzählt Sigrid Frederking. „Etwas Kunst, etwas leckeres essen und ein Stadtbummel“ stehen auf dem Plan – „und am liebsten noch ein Abstecher in den Botanischen Garten“.

Auf dem Rückweg versorgt sich so mancher Tourist nicht nur mit dem Katalog, sondern auch mit Souvenirs. Gefragt sind vor allem Taschen mit dem Ausstellungslogo.

Es ist ein ständiges Kommen und Gehen am Info-Point, an dem auch Auszubildende von Provinzial und Sparkasse die Skulptur-Aufsicht unterstützten – Wege erklären und Tipps geben. „Eine spannende Abwechslung zum Büroalltag“, schwärmt Azubi Yannick Dresemann.

Der Bahnhof ist eröffnet

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  • Volles Haus im Bahnhof. Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
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  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
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  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
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  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
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  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
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  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
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  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
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  • Volles Haus im Bahnhof. Foto: Oliver Werner
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