Pro und Contra
Diskussion um die doppelstöckigen Fahrradständer im Hamburger Tunnel

Münster -

Im Hamburger Tunnel und vor der Radstation sind zweistöckige Fahrradständer aufgebaut worden. Sollen sie dauerhaft am münsterischen Hauptbahnhof verbleiben?

Samstag, 08.07.2017, 17:00 Uhr
Foto: Matthias Ahlke

Pro: Not kennt kein Gebot

von Klaus Baumeister

Zugegeben: Die zweistöckigen Radständer vor der Radstation sowie im Hamburger Tunnel sind nicht besonders schön. Aber man braucht kein Prophet zu sein, um sich vorzustellen, dass die Ständer dort noch lange stehen bleiben. Der Druck ist einfach zu groß.

Natürlich sind die Zweistöcker dem Papier nach ein Provisorium, das wieder abgeschafft werden soll, wenn in einigen Jahren die neue Radstation auf der Ostseite des Hauptbahnhofs fertiggestellt ist. Aber die Geschwindigkeit, mit der die Ständer in Beschlag genommen wurden, belegt eindeutig, dass die Summe der zur Verfügung stehenden Flächen nicht ausreicht, um der Rädermassen Herr zu werden. Und sobald die Ostseite dicht ist, wird sich die Situation noch einmal verschärfen.

Bei aller Begeisterung für die Architektur des Hauptbahnhofs muss man nüchtern festhalten, dass der Hauptbahnhof in erster Linie ein Verkehrsknotenpunkt ist, der sich primär an seiner Erreichbarkeit misst. Auch für Fahrräder. Selbst wenn man die vielen „Fahrradleichen“ regelmäßig aussortiert, bleiben immer noch genug für zwei Etagen. Dauerhaft!

Wie funktionieren die doppelstöckigen Fahrradständer am Hauptbahnhof?

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  • Im Hamburger Tunnel und in Bahnhofsnachbarschaft stehen nun doppelstöckige Fahrradständer. Wer den Anweisungen der Piktogramme an den Ständern folgt, braucht keine große Kraftanstrengung, um das Rad auf den oberen Parkplatz zu bugsieren.

    Rund um den Bahnhof stehen neue doppelstöckige Fahrradständer. Aber wie kommt die Leeze bloß nach oben?

    „Wenn man es erst einmal ausprobiert hat, ist es ganz einfach“, sagt Alexander Nienhaus, der die Doppelstockständer für uns ausprobiert hat.

    Hier ist unsere Bedienungsanleitung:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Erstmal den Träger für das Rad herausziehen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... bis es nicht weiter geht.

    Wichtig: Nur wenn die Schiene vollständig in die Gasse gezogen ist, lässt sie sich herunterklappen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Als nächstes den Träger auf den Boden drücken.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann das Vorderrad der Leeze unten in die Führung setzen, ...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... hochschieben und abschließen. Denn wenn das Rad erst in der oberen Etage steht, kommt man oft nur noch schwer an das Schloss.

    Wichtig: Hier machen manche den Fehler, das Rad von der Seite in das Gestell hieven zu wollen – und das kann bei nicht ganz so leichten Modellen etwas anstrengend sein.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nun kann man den heruntergedrückten Ständer wieder hochziehen ...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... und mitsamt dem Fahrrad nach vorn schieben. Fertig.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Hamburger Tunnel und in Bahnhofsnachbarschaft stehen nun doppelstöckige Fahrradständer. Wer den Anweisungen der Piktogramme an den Ständern folgt, braucht keine große Kraftanstrengung, um das Rad auf den oberen Parkplatz zu bugsieren. Foto: Matthias Ahlke

Contra: Eine Frage der Ästhetik

von Martin Kalitschke

Das Bahnhofsviertel verändert sich in rasantem Tempo. Me­tropolis-Hochhaus, neuer Hauptbahnhof, Neubauten in der Kleinen Bahnhofstraße, Umbau der Bahnhofspost, komplette Umgestaltung der Ostseite samt Vier-Sterne-Hotel am Hamburger Tunnel – das ästhetische und städtebauliche Elend löst sich allmählich in Wohlgefallen auf: zum Glück!

Und nun das: Nicht nur der Hamburger Tunnel , auch die Radstation und bald noch Teile der Kleinen Bahnhofstraße werden mit doppelstöckigen Fahrradständern zugestellt. Rein optisch ist das – in Sichtweite des eleganten neuen Hauptbahnhofs – eine Zumutung. Doch zum einen sind die Radständer dringend nötig, zum anderen sollen die nach Fertigstellung der Ostseite wieder verschwinden.

Auch wenn der Fahrrad-Parkdruck im Bahnhofsviertel groß ist: Diese Metallgestelle dürfen nicht zu einer Dauerlösung werden, zu groß ist der ästhetische Schaden, den sie schon jetzt in dem im Aufbruch befindlichen Quartier anrichten. Sicher, die Fahrradproblematik muss gelöst werden – aber nicht auf diese Weise.

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