Immer den roten Schildern nach
Radwege im Test: Nach Sprakel hui – nach Roxel pfui

Münster -

Wie kommt man von der Promenade nach Sprakel, Wolbeck, Amelsbüren und Roxel? Unsere Redaktion hat es getestet.

Sonntag, 25.06.2017, 09:00 Uhr
Foto: dpa (Symbolbild)

Der Radverkehr soll helfen, die Pendlerströme in der Stadt zu beherrschen. Dem zunehmenden Autoverkehr und den damit verbundenen Staus wollen Münsters Verkehrsplaner ein Radwegekonzept (samt Beschilderung) entgegen halten, das die Nutzung des Rads auch jenseits der Kurzstrecke attraktiv macht.

Ein Eckpfeiler dieses anspruchsvollen Konzeptes ist die flächendeckende Ausschilderung der Wegeziehungen zwischen der münsterischen City und den Stadtteilen, aber auch der Stadtteile untereinander.

Unsere Zeitung hat die Probe aufs Exempel gemacht und vier beschilderte Wege von der Innenstadt bis zu den Außenstadtteilen getestet. Konkret geht es um Wolbeck, Amelsbüren, Roxel und Sprakel. Ausgangspunkt ist dabei jeweils die Promenade. Die Promenade ist ein Verteilring für Radtouren in alle Richtungen.

Hier die Ergebnisse:

► Radweg nach Sprakel, 8,9 Kilometer lang, Testsieger: Die Verbindung ist sehr gut – und eignet sich auch für den täglichen Gebrauch. Von der Promenade geht es in Höhe des Gefängnisses ab auf die Gartenstraße, dann weiter auf den Hohen Heckenweg. In Höhe Piusallee beginnt auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Radweg, der durchgehend entlang der Bahngleise bis nach Sprakel führt. Die Ausschilderung ist lückenlos, die Fahrt geht angenehm über Asphalt, querende Straßen sind die Ausnahme, über weite Strecken fährt man über breite, autofreie oder zumindest autoarme Straßen, die Landschaft ist schön.

Komisch ist nur: Wer in Sprakel startet und in Richtung Münster-Zentrum möchte, dem wird eine andere Route angezeigt.

► Tour nach Wolbeck, zehn Kilometer lang, Platz 2: Auch diese Routenführung macht sich den Umstand zu nutze, dass man entlang bestehender Bahntrassen schnell vorankommt. Hier ist es die WLE-Trasse. Im Vergleich zu Sprakel muss man aber Abstriche machen.

Man verlässt die Promenade in Höhe des Servatiiplatzes. Weiter geht es über die Wolbecker Straße, dann über die Schillerstraße in Richtung Südosten. Eigentlich ist die Schillerstraße eine Radfahrstraße, gleichwohl auch bei Autofahrern sehr „beliebt“. Weiter führt die Route hinweg über Dortmund-Ems-Kanal und Umgehungsstraße. Ab der Kreuzung Heumannsweg/Albersloher Weg geht es entlang der WLE – mit einer Ausnahme in Angelmodde, wo man einen (langschaftlich schönen) Umweg macht.

Als Negativpunkte muss man festhalten, dass der Weg nicht durchweg asphaltiert ist, was sich bei Regenwetter negativ bemerkbar macht. Überdies gibt es unterwegs Steigungen an Brücken, zahlreiche Ampeln und Kreuzungen, überdies im Bereich der Straße Altehof eine lückenhafte und irreführende Ausschilderung.

 

 

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► Tour nach Amelsbüren, zehn Kilometer lang, Platz 3: Die Strecke hat zwei sehr unterschiedliche Gesichter. Im südlichen Teil geht es zügig und landschaftlich schön über den Vennheideweg und die Thierstraße voran. Der Autoverkehr hier ist dünn. Aber wenn Autos unterwegs sind, sind sie leider auch sehr schnell.

Der erste Teil der Strecke ist auf jeden Fall nur suboptimal. Es beginnt damit, dass man zwischen Aegidiitor und Einmündung Koldering entlang der lärmigen Weseler Straße fährt. In Berg Fidel stößt man gleich an vier Stellen auf Absperrgitter, die Radler überhaupt nicht mögen, überdies existieren nicht asphaltierte Teilstücke und zwei das Tempo drückende, deutliche Steigungen. Zu guter Letzt: An einer Stelle in Berg Fidel ist die Ausschilderung komplett falsch. Wer hier dem Schild „Amelsbüren“ folgt, kommt nach Gremmendorf.

► Tour nach Roxel, 6,5 Kilometer lang, Platz 4: Die kürzeste Tour ist zugleich die am wenigsten attraktive in dieser Viererrunde. Es sei denn, man mag es, über Kilometer hinweg direkt entlang der stark befahrenen Roxeler Straße zu radeln. In Höhe der Autobahnbrücke (A1) ist der Fahrradweg sogar richtig schmal.

Von der City kommend, verlässt man die Promenade ist Höhe der Hüfferstraße, fährt dann in Richtung Uni-Kliniken und weiter über die Waldeyerstraße durch Sentrup, später biegt man ab auf die Schmeddingstraße. Dieser Teilbereich ist schön. Auch der durchgehende Asphaltbelag ist zu erwähnen. Die Roxeler Straße macht dies jedoch wieder zunichte, zumal man in Gievenbeck große Ampeln mit teilweise sehr langen Rot-Phasen überqueren muss.

Münsters Fahrrad-ABC: Von A wie Ampel bis Z wie Zeit

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    Alle Jahre wieder, zum Start des Wintersemesters, ist die Zeit der Frischlinge auf den Radwegen. Mit den neuen Studentinnen und Studenten erobern Tausende Neumünsteraner für sich die deutsche Fahrradhauptstadt. Für viele eine mitunter abenteuerliche Begleiterfahrung des Studienstarts. Hier für die Anfänger auf den Radwegen und alle Leezenliebhaber ein kleines Alphabet des Radverkehrs in Münster von unserer Redakteurin Karin Völker.

    Foto: dpa
  • A wie Ampel: Unbedingt beachten! Ampeln haben in Münster für Fahrradfahrer nicht bloß Empfehlungscharakter. Bei Rot also besser stehenbleiben. Erstens, weil alles andere gefährlich sein kann. Zweitens, weil als Strafe ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 100 Euro Strafe drohen. Sehr empfindlich fürs studentische Portemonnaie.

    Foto: Colourbox.de
  • B wie Bürgersteig: Er ist in Münster den Fußgängern vorbehalten. Es gibt ja auch meistens Radwege.

    Foto: Colourbox.de
  • C wie cholerische Anfälle: Sie sind trotz des hier verbreiteten gemäßigten westfälischen Temperaments bei diversen Verkehrsteilnehmern bisweilen zu beobachten. Gilt das Geschimpfe einem selbst, am besten die Ruhe bewahren.

    Foto: Colourbox.de
  • D wie Diskussionen: Sollte man als Fahrradfahrer besser mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht anfangen, erst recht nicht mit Polizisten. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Verkehrsregeln sind zwecklos.

    Foto: Colourbox.de
  • E wie E-Bike: Das Fahrrad mit Batterieverstärkung ist auf Münsters Radwegen schwer im Kommen. Vorsicht vor dem beachtlichen Tempo – wenn sportliche junge Menschen von älteren Herrschaften überholt werden, ist oft ein Akku im Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • F wie Fußgänger: Sie verdienen Rücksicht und Freundlichkeit – auch wenn es mitunter erscheint, die Fußgänger liefen prinzipiell auf Radwegen.

    Foto: Colourbox.de
  • G wie Geschwindigkeit: Tempo 30 in Wohngebieten gilt auch für Radler!

    Foto: Colourbox.de
  • H wie Hamburger Tunnel: Er ist während des Bahnhofsumbaus zentrale Verkehrsachse von und zum Gleis und Ort der friedlichen Koexistenz zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern.  Skeptiker staunen: Es funktioniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • I wie Irren: Es ist menschlich und kommt bei allen Verkehrsteilnehmern vor. Auch wenn das Fahrrad bewegungsfördernder und umweltfreundlicher ist als das Auto: Auch Autofahrer haben im Verkehr manchmal Recht.

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  • J wie Jugend: Das Radfahren in Münster ist keineswegs nur ihr Privileg. In Münster strampeln  auch viele über 80-Jährige noch durch die Stadt. Fahrradfahren ist hier eine generationsübergreifende Angelegenheit – mit vielen Geschwindigkeiten.

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  • K wie Klauen: Der Fahrradklau ist in Münster ein verbreitetes Übel, das die Stadt in der Kriminalitätsstatistik regelmäßig schlecht aussehen lässt. Ein wenig helfen solide Schlösser.

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  • L wie Ludgerikreisel: Für viele Radler ein neuralgischer Punkt. Die Polizei empfiehlt: beherzt auf der Mitte der Spur fahren. Autos kommen meistens auch nicht schneller vorwärts als Radler.

    Foto: Oliver Werner
  • M wie Meimel: Ein münsterischer Ausdruck für Regen – und zwar dessen langanhaltende Form, und damit einer der natürlichen Feinde des Fahrradfahrers. Trotz häufiger Meimelgefahr lässt man sich in Münster nicht so leicht aus dem Sattel vertreiben. Viele auch nicht durch Schnee und Frost: Es gibt hier extra Streufahrzeuge für die Radwege.

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  • N wie Nase: Sie hat der Radfahrer immer im Wind. Nicht ausgeschlossen, dass im Winter dabei mal eine Erkältung rauskommt. Aber was gibt es Schöneres, als im Frühling unter den blühenden Silberlinden auf der Promenade herzuradeln? 

    Foto: Colourbox.de
  • O wie Ordnungshüter: Die Kräfte von Stadt und Polizei schenken dem Radverkehr sehr viel Aufmerksamkeit, besonders zu Semesterbeginn. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • P wie Parken: In Münster bisweilen auch für Fahrradfahrer nicht unproblematisch. Merke: Bürgersteige  gehören nicht zugestellt und immer merken, wo das Rad steht. Es soll Studenten geben, die ihre Leezen semesterlang gesucht haben.

    Foto: Colourbox.de
  • Q wie Quälerei: Kommt sogar im Fahrradparadies Münster vor – vor allem immer dann, wenn man Pannen hat.  Zum Glück gibt es an fast jeder Ecke einen Fahrradladen, der helfen kann.

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  • R wie Rücklicht: Sollte unbedingt ebenso wie das Vorderlicht funktionieren. Wenn man nicht selbst kontrolliert, ob es brennt – die Polizei tut es ohnehin und verteilt gegebenenfalls Knöllchen.

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  • S wie Stau: Gibt es in Münster, speziell während der Semesterzeiten auch auf Radwegen. Hier hilft nur Geduld.

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  • T wie Trunkenheit: Auch wer sich noch mit 1,6 Promille Alkohol im Blut für fahrtüchtig hält: Lieber das Rad schieben! Denn auch Fahrradfahrer erwarten Alkoholkontrollen durch die hiesige Polizei. Kein Scherz: Im Extremfall werden Fahrradfahrverbote verhängt.

    Foto: Colourbox.de
  • U wie Unfälle: Sie passieren leider – trotz vieler Maßnahmen der Verkehrsplaner und Polizei immer noch zu häufig. Ein Helm kann manchmal das Schlimmste verhindern. 

    Foto: Colourbox.de
  • V wie Vorsicht: Auch defensive Radfahrer kommen ans Ziel, mitunter sogar schneller als die Draufgänger.

    Foto: Colourbox.de
  • W wie Waschanlage: Luxus, wenn man seinem Drahtesel mal was Gutes will. Gibt es tatsächlich speziell für Fahrräder – im Fahrradparkhaus am Bahnhof.

    Foto: Presseamt/Joachim Busch
  • X&Y sind die Unbekannten und stehen für das Unerwartete beim Radfahren – zum Glück ist das nicht nur der plötzliche Plattfuß. Es gibt auch den Flirt beim Warten an der roten Fahrradampel. . .

    Foto: Colourbox.de
  • Z wie Zeit: Wer in Münster Rad fährt, spart meistens kostbare Minuten. Faustregel: Je näher man sich im Stadtkern bewegt, desto größer die Zeitersparnis. Autofahrer kommen fast immer langsamer ans Ziel.

    Foto: Colourbox.de

Allgemeine Beobachtung:

Die Ausschilderung ist – von einigen Ausnahmen abgesehen – sehr zuverlässig. Trotzdem fällt ein „Systemfehler“ auf. Radfahrer sind es gewohnt, an Kreuzungen oder Abzweigungen immer dann gerade aus zu fahren, wenn kein Hinweispfeil zu finden ist. Bei den roten Schildern mangelt es aber an Einheitlichkeit. Teilweise findet man an den Kreuzungen, wo man gerade fahren soll, auch einen Geradeaus-Pfeil, teilweise aber auch nicht. Das verwirrt und lässt den Radfahrer mitunter zweifeln, ob die Route richtig ist.

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