Leezengeschichten
Das Lasten-Münster-Modell

Münster -

2001 hat sich Rainer Hovemann selbstständig gemacht. Damals hatte er angefangen, sich mit Lastenrädern zu beschäftigen. Für den Leezen-Freak waren allerdings die klassischen Schwerlast-Leezen aus Holland oder Dänemark selbst zu schwergewichtig. Heute baut er eigene Räder.

Freitag, 23.06.2017, 08:00 Uhr
Rainer Hovemann mit zwei Lastenrädern seiner Marke Cargo Bike Monkeys. Foto: Günter Benning

Neulich hat Rainer Hovemann 400 Tafeln Schokolade von Amsterdam nach Münster transportiert. In einer Kiste auf seinem Lastenrad. Die Entfernung? „Kein Problem.“ Das Gewicht? „Wir können noch mehr“, sagt der 48-Jährige.

Leicht, aber aufnahmefähig

„Turbolader“ und „Radlader“. So heißen die Bikes, die er neuerdings in seiner Gremmendorfer Werkstatt baut. Der Fahrrad-Freak hat ein Lastenrad-Modell kreiert. Seit einigen Wochen ist das „Cargo Bike Monkeys“ lieferbar, eine lange und gelenkige Leeze, die leichter ist als so manches Hollandrad.

Leicht, aber aufnahmefähig. 180 Kilo Zuladung – inklusive Fahrer – da kann man schon so einiges verpacken.

Sein erstes Fahrradgeschäft hatte Hovemann in Dinslaken. „Aber Räder habe ich schon mit 14 Jahren zusammengeschraubt“, sagt der Mann mit dem Pferdeschwanz, der nie eine Handwerksausbildung gemacht hat. Dafür hat er mal Mathe und Physik fürs Lehramt studiert und sogar einige Jahre an der Schule gearbeitet. „Aber das war nichts für mich“, sagt er. Seine Welt fährt auf zwei Rädern – oder auch auf dreien.

Rasante technische Entwicklung

2001 hat er sich selbstständig gemacht, über mehrere Etappen kam er an die Dortmunder Straße in Münster. Damals hatte er angefangen, sich mit Lastenrädern zu beschäftigen. Für Hovemann waren allerdings die klassischen Schwerlast-Leezen aus Holland oder Dänemark selbst zu schwergewichtig. Über 30 Kilo ohne Gepäck – das macht beim Treten wenig Spaß.

„Mittlerweile ist die Technik weiter“, sagt er. Auf einer Fahrradmesse in Berlin lernte er einen griechischen Ingenieur kennen, der leichte Rahmen für die Transporter anbot. „In Griechenland kann der die nicht verkaufen“, lacht Hovemann, „da kauft keiner solche Räder.“

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Fahrgestelle individuell zugeschnitten

In Münster allerdings sei der Markt vorhanden. Für Hovemann sind Lastenräder die Antwort auf wachsende Städte und stockenden Innenstadtverkehr.

In seiner Werkstatt werden die Fahrgestelle aus Griechenland nach Kundenwünschen aufgemöbelt. Lenker, Schaltung, Sitzposition und Lastenaufbauten – alles ist variabel.

Das Bike wiegt 20 Kilo und kann 180 laden. Teilweise hängt Hovemann an seine Transporträder noch einen Hänger an, auf dem vier Leezen Platz haben. Oder ein Motorrad. Da fährt man dann besser mit Elektro-Unterstützung.

Münsters Fahrrad-ABC: Von A wie Ampel bis Z wie Zeit

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    Alle Jahre wieder, zum Start des Wintersemesters, ist die Zeit der Frischlinge auf den Radwegen. Mit den neuen Studentinnen und Studenten erobern Tausende Neumünsteraner für sich die deutsche Fahrradhauptstadt. Für viele eine mitunter abenteuerliche Begleiterfahrung des Studienstarts. Hier für die Anfänger auf den Radwegen und alle Leezenliebhaber ein kleines Alphabet des Radverkehrs in Münster von unserer Redakteurin Karin Völker.

    Foto: dpa
  • A wie Ampel: Unbedingt beachten! Ampeln haben in Münster für Fahrradfahrer nicht bloß Empfehlungscharakter. Bei Rot also besser stehenbleiben. Erstens, weil alles andere gefährlich sein kann. Zweitens, weil als Strafe ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 100 Euro Strafe drohen. Sehr empfindlich fürs studentische Portemonnaie.

    Foto: Colourbox.de
  • B wie Bürgersteig: Er ist in Münster den Fußgängern vorbehalten. Es gibt ja auch meistens Radwege.

    Foto: Colourbox.de
  • C wie cholerische Anfälle: Sie sind trotz des hier verbreiteten gemäßigten westfälischen Temperaments bei diversen Verkehrsteilnehmern bisweilen zu beobachten. Gilt das Geschimpfe einem selbst, am besten die Ruhe bewahren.

    Foto: Colourbox.de
  • D wie Diskussionen: Sollte man als Fahrradfahrer besser mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht anfangen, erst recht nicht mit Polizisten. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Verkehrsregeln sind zwecklos.

    Foto: Colourbox.de
  • E wie E-Bike: Das Fahrrad mit Batterieverstärkung ist auf Münsters Radwegen schwer im Kommen. Vorsicht vor dem beachtlichen Tempo – wenn sportliche junge Menschen von älteren Herrschaften überholt werden, ist oft ein Akku im Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • F wie Fußgänger: Sie verdienen Rücksicht und Freundlichkeit – auch wenn es mitunter erscheint, die Fußgänger liefen prinzipiell auf Radwegen.

    Foto: Colourbox.de
  • G wie Geschwindigkeit: Tempo 30 in Wohngebieten gilt auch für Radler!

    Foto: Colourbox.de
  • H wie Hamburger Tunnel: Er ist während des Bahnhofsumbaus zentrale Verkehrsachse von und zum Gleis und Ort der friedlichen Koexistenz zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern.  Skeptiker staunen: Es funktioniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • I wie Irren: Es ist menschlich und kommt bei allen Verkehrsteilnehmern vor. Auch wenn das Fahrrad bewegungsfördernder und umweltfreundlicher ist als das Auto: Auch Autofahrer haben im Verkehr manchmal Recht.

    Foto: Colourbox.de
  • J wie Jugend: Das Radfahren in Münster ist keineswegs nur ihr Privileg. In Münster strampeln  auch viele über 80-Jährige noch durch die Stadt. Fahrradfahren ist hier eine generationsübergreifende Angelegenheit – mit vielen Geschwindigkeiten.

    Foto: Colourbox.de
  • K wie Klauen: Der Fahrradklau ist in Münster ein verbreitetes Übel, das die Stadt in der Kriminalitätsstatistik regelmäßig schlecht aussehen lässt. Ein wenig helfen solide Schlösser.

    Foto: Colourbox.de
  • L wie Ludgerikreisel: Für viele Radler ein neuralgischer Punkt. Die Polizei empfiehlt: beherzt auf der Mitte der Spur fahren. Autos kommen meistens auch nicht schneller vorwärts als Radler.

    Foto: Oliver Werner
  • M wie Meimel: Ein münsterischer Ausdruck für Regen – und zwar dessen langanhaltende Form, und damit einer der natürlichen Feinde des Fahrradfahrers. Trotz häufiger Meimelgefahr lässt man sich in Münster nicht so leicht aus dem Sattel vertreiben. Viele auch nicht durch Schnee und Frost: Es gibt hier extra Streufahrzeuge für die Radwege.

    Foto: Colourbox.de
  • N wie Nase: Sie hat der Radfahrer immer im Wind. Nicht ausgeschlossen, dass im Winter dabei mal eine Erkältung rauskommt. Aber was gibt es Schöneres, als im Frühling unter den blühenden Silberlinden auf der Promenade herzuradeln? 

    Foto: Colourbox.de
  • O wie Ordnungshüter: Die Kräfte von Stadt und Polizei schenken dem Radverkehr sehr viel Aufmerksamkeit, besonders zu Semesterbeginn. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • P wie Parken: In Münster bisweilen auch für Fahrradfahrer nicht unproblematisch. Merke: Bürgersteige  gehören nicht zugestellt und immer merken, wo das Rad steht. Es soll Studenten geben, die ihre Leezen semesterlang gesucht haben.

    Foto: Colourbox.de
  • Q wie Quälerei: Kommt sogar im Fahrradparadies Münster vor – vor allem immer dann, wenn man Pannen hat.  Zum Glück gibt es an fast jeder Ecke einen Fahrradladen, der helfen kann.

    Foto: Colourbox.de
  • R wie Rücklicht: Sollte unbedingt ebenso wie das Vorderlicht funktionieren. Wenn man nicht selbst kontrolliert, ob es brennt – die Polizei tut es ohnehin und verteilt gegebenenfalls Knöllchen.

    Foto: Colourbox.de
  • S wie Stau: Gibt es in Münster, speziell während der Semesterzeiten auch auf Radwegen. Hier hilft nur Geduld.

    Foto: Colourbox.de
  • T wie Trunkenheit: Auch wer sich noch mit 1,6 Promille Alkohol im Blut für fahrtüchtig hält: Lieber das Rad schieben! Denn auch Fahrradfahrer erwarten Alkoholkontrollen durch die hiesige Polizei. Kein Scherz: Im Extremfall werden Fahrradfahrverbote verhängt.

    Foto: Colourbox.de
  • U wie Unfälle: Sie passieren leider – trotz vieler Maßnahmen der Verkehrsplaner und Polizei immer noch zu häufig. Ein Helm kann manchmal das Schlimmste verhindern. 

    Foto: Colourbox.de
  • V wie Vorsicht: Auch defensive Radfahrer kommen ans Ziel, mitunter sogar schneller als die Draufgänger.

    Foto: Colourbox.de
  • W wie Waschanlage: Luxus, wenn man seinem Drahtesel mal was Gutes will. Gibt es tatsächlich speziell für Fahrräder – im Fahrradparkhaus am Bahnhof.

    Foto: Presseamt/Joachim Busch
  • X&Y sind die Unbekannten und stehen für das Unerwartete beim Radfahren – zum Glück ist das nicht nur der plötzliche Plattfuß. Es gibt auch den Flirt beim Warten an der roten Fahrradampel. . .

    Foto: Colourbox.de
  • Z wie Zeit: Wer in Münster Rad fährt, spart meistens kostbare Minuten. Faustregel: Je näher man sich im Stadtkern bewegt, desto größer die Zeitersparnis. Autofahrer kommen fast immer langsamer ans Ziel.

    Foto: Colourbox.de

400 Kilometer mit dem Lastenrad

Dass man mit Lastenrädern auch längere Strecken absolvieren kann, beweist Hovemann regelmäßig. Kürzlich ist er mal eben 130 Kilometer ins Sauerland gefahren.

Im April setzte sich eine Lastenradflotte aus Münster auf die 400 Kilometer lange Piste zur aktuellsten Spezialradmesse Spezia 2017 in Germersheim. Den 800 Kilo schweren Messestand hatten die Münsteraner aufgeladen – ein Rad zog dafür einen Anhänger hinter sich.

Vier Leute, fünf Tage – eine anspruchsvolle Tour. Dieser Transport zeichnete sich durch eine Eigenschaft aus, die Hovemann besonders wichtig ist: „Es macht auch noch Spaß.“

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