22-Jähriger verurteilt Falscher Patient stiehlt im Krankenhaus

Münster -

Er täuschte Sportverletzungen vor und ließ sich in Krankenhäusern aufnehmen. Dann stahl er seinen Zimmergenossen die Wertsachen. Am Dienstag stand der 22 Jahre alte Dieb, ein mehrfach Vorbestrafter, vor dem Schöffengericht.

Von Karin Völker
 
  Foto: dpa

Hilflose Patienten im Krankenhaus zu bestehlen – das gilt als niederträchtig. Der 22-jährige Mann aus dem Ruhrgebiet sah darin eine Möglichkeit, seine Finanzen aufzubessern. Am Dienstag verurteilte ihn das Schöffengericht Münster zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten ohne Bewährung.

Etwa 50 Mal, so sein Anwalt, hatte der junge Mann zwischen Oktober 2016 und Januar 2017 in der Aufnahme von Krankenhäusern Sportverletzungen am Kopf vorgetäuscht und sich aufnehmen lassen.

Anklage in 18 Fällen

Im jeweiligen Patientenzimmer stahl er dann Wertsachen der Zimmergenossen oder versuchte dies. In 18 Fällen haben Staatsanwaltschaften in Münster und im Ruhrgebiet Anklage erhoben.

Zwei Mal nahm er Sachen von Patienten im St.-Franziskus-Hospital mit, beim dritten Versuch im Januar dieses Jahres fiel er hier auf und wurde festgenommen. In den Schöffengerichten in Essen, Bochum und Herne erwarten ihn weitere Verfahren.

Seit Festnahme in Haft

In Münster wurden zwei Diebstähle im Franziskus-Hospital im November und ein Diebstahl im Krankenhaus in Dülmen verhandelt, der Angeklagte sitzt seit seiner Festnahme in Haft. Denn frei war er nach Verbüßung des größten Teils einer längeren Jugendstrafe nur auf Bewährung.

Sein Verteidiger kennt ihn seit seinem 16. Lebensjahr. Damals gab es das erste Strafverfahren, es folgten viele weitere: räuberische Erpressung, vorsätzliche Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung – der Richter brauchte etwas Zeit, um das Strafregister vorzulesen.

Geständnis

Am Dienstag gab der junge Mann ohne Schulabschluss einen der Diebstähle im Franziskus-Hospital zu. An die beiden anderen Fälle könne er sich nicht erinnern.

Er kündigte an, seinen Opfern den jeweiligen Schaden ersetzen zu wollen. Er habe Geld gebraucht, weil seine damalige Freundin es gefordert habe. Er habe auch Drogen und Alkohol konsumiert. „Ein Kollege hat mich auf die Idee mit den Krankenhäusern gebracht und mich hingefahren“, erklärte der 22-Jährige. Die Beute blieb jeweils eher gering.

Irgendwann wurde die Krankenkasse hellhörig: Er hatte in den Krankenhäusern zwar nie die Karte vorgelegt, war in einem Punkt aber ehrlich: Er nannte stets seinen richtigen Namen.

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