Konzerthaus Dortmund mit neuem Saison-Programm Männer dirigieren – Frauen auch

Dortmund -

Die Frage, ob es eigentlich auch Dirigentinnen gibt, wird immer häufiger gestellt, gerade von Musik-interessierten Laien. Zur Antwort kann man jetzt auf die neue Saison des Konzerthauses Dortmund verweisen: Wo sonst dirigierende Herren wie Andris Nelsons oder Sir Simon Rattle am Pult stehen, greifen bald drei Damen zum Taktstock.

Von Harald Suerland
Im Konzerthaus Dortmund gastieren Musiker mit großer Zukunft wie die Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla und etablierte Stars wie Teodor Currentzis.
Im Konzerthaus Dortmund gastieren Musiker mit großer Zukunft wie die Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla und etablierte Stars wie Teodor Currentzis. Foto: Daniel Sumesgutner

Die drei Dirigentinnen sind die auch als Sängerin hoch geschätzte Barbara Hannigan aus Kanada, die Mexikanerin Alondra de la Parra sowie eine Frau, die in die Fußstapfen Rattles und Nelsons beim City of Birmingham Symphony Orchestra tritt: Mirga Gražinytė-Tyla aus Litauen. Für alle, die den Namen etwas schwierig finden, hat Konzerthaus-Intendant Benedikt Stampa den einfachen Tipp: „Sagen Sie Mirga.“ Was keineswegs despektierlich ist: Auch der Kanadier Nézet-Séguin heißt ja für seine Bewunderer einfach „Yannick“.

Mirga also kommt mit ihrem englischen Orchester nach Dortmund und bringt am 19. November auch noch eine tolle Solistin mit, die Geigerin Vilde Frang – gemeinsam musizieren sie das Violinkonzert von Edward Elgar. Barbara Hannigan wird am 15. Dezember vom Ludwig-Ensemble begleitet und wird in Bergs „Lulu“-Suite auch ihre Sopranstimme erklingen lassen. Alondra de la Parra schließlich kommt mit dem WDR-Sinfonieorchester zur unterhaltenden „Happy Hour“ ins Konzerthaus und präsentiert am 6. Oktober um 19 Uhr Musik aus Mittel- und Südamerika, bevor es einen kleinen Umtrunk mit den Musikern gibt.

Dass erneut viele Klassikstars in Dortmund aufschlagen, kann niemanden überraschen: Der erwähnte Andris Nelsons ist ja derzeit Exklusivkünstler im Konzerthaus und präsentiert in diesem Zusammenhang die Wiener Philharmoniker sowie „sein“ Gewandhausorchester Leipzig. Auch Simon Rattle musiziert mit seinen neuen Partnern, dem London Symphony Orchestra. Spannend bei diesem Konzert mit Leonard Bernstein zweiter Sinfonie ist der Klaviersolist: Der legendäre Krystian Zimerman gibt sein Debüt in diesem Haus. Und „Everybody’s Darling“ Yannick Nézet-Séguin bleibt mit den Sinfonikern aus Montreal seiner alten Orchesterliebe treu.

Zwei große Zyklen sind in der Vielfalt der Saison 2017/18, nach der Benedikt Stampa Richtung Baden-Baden aufbricht, bemerkenswert. Da wird einerseits die Reihe der konzertanten Opernaufführungen, in der Teodor Currentzis bereits Mozarts da-Ponte-Opern aufführte, mit „La clemenza di Tito“ fortgesetzt – und mit Puccinis „La Bohème“, für die der Grieche Currentzis eine besondere Liebe hegt, weil ihm in seiner künstlerischen Heimat im russischen Perm ebenfalls die Bohéme-Situation vertraut ist. Andererseits verspricht die bevorstehende „Zeitinsel“ mit dem Dirigenten Ingo Metzmacher besonders interessant, aber auch herausfordern zu werden: Sie ist mit drei Konzerten dem Komponisten Bernd Alois Zimmermann gewidmet, von dem zentrale Werke wie die „Ekklesiatische Aktion“ oder das zur Elbphilharmonie-Eröffnung gespielte „Photoptosis“ erklingen. Metzmacher, ein alter Freund Stampas aus gemeinsamen Hamburger Zeiten, konfrontiert diese Werke mit Beethoven-Sinfonien – womöglich klingen die dann wieder ein bisschen revolutionärer als gewohnt.

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Tickets und Infos '  0231 / 22 696 200   | www.konzerthaus-dortmund.de

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