„Neuntonal“ in der Petrikirche Stimmen bringen Juwelen zum Funkeln

Münster -

So eine Musik kann süchtig machen – und vielleicht suggerieren, man sei schon im Paradies, wo die Serafinen unablässig ihr himmlisches Lob anstimmen.

Von Chr. Schulte im Walde
Jonas Kirchhübel (l.) leitet das Neutonal-Ensemble.
Jonas Kirchhübel (l.) leitet das Neuntonal-Ensemble. Foto: cws

So eine Musik kann süchtig machen – und vielleicht suggerieren, man sei schon im Paradies, wo die Serafinen unablässig ihr himmlisches Lob anstimmen. Ein „Sanctus“ zum Beispiel wie in Joseph Rheinbergers doppelchöriger Messe, mit dem das Vokalensemble „Neuntonal“ in der Petrikirche sein Publikum in schlichtweg überirdische Hemisphären entführte. Oder ein „Ubi caritas et amor“, sowohl von Maurice Duruflé als auch von Ola Gjeilo, ein „God be in my head“ von John Rutter . . .

„Neuntonal“ ist ein wahnsinnig klangschönes Team aus acht professionell ausgebildeten Stimmen unter Leitung von Jonas Kirchhübel (die Nummer Neun), die scheinbar mühelos erreichen, aus dem Nichts eine faszinierende Welt aus traumhaften Tönen zu erschaffen. Töne, die umweglos die Seele treffen, die Botschaft der Texte intensiv vermitteln. Auch und gerade, wenn nicht „Halleluja“ sondern „Miserere mei“ (Zoltán Kodály) gerufen wird oder mit Hugo Wolfs „Komm, Trost der Welt“ erschreckend verzweifelt die stille Nacht herbeigesehnt wird, letzteres gewiss ein Höhepunkt in diesem anspruchsvollen Programm – und Paradebeispiel für alles, was „Neuntonal“ ausmacht: Ausgewogenheit der Stimmen, eine organisch sich aus der Musik heraus entwickelnde Dynamik, perfekte Ausdeutung des Textes, absolute Intonationssicherheit und sprachliche Perfektion. So etwas erlebt man selbst in Münster selten.

Noch etliche andere Juwelen wurden zum Funkeln gebracht. Schade nur, dass nach jedem Edelstein Applaus einsetzte – und so die soeben erst geschaffene spannungsvolle Atmosphäre im Lärm wieder unterging.

Voll berechtigt dagegen war der Beifall für den Musiker, der sich lakonisch „Louis L.“ nennt und sich auf der sogenannten Handpan elf Minuten lang „about a minute“ Gedanken machte, klanglich irgendwie eine Mischung aus Vibra- und Marimbaphon, optisch eher ein metallener Wok mit Deckel und Buckeln darauf. Zusammen mit den Sängern, diese jeweils mit gefüllten und zum Schwingen gebrachten Wassergläsern ausgestattet, bestritt er das Finale, Eriks Ešenvalds Blick in den gestirnten Himmel: „Stars“. Stars waren bei diesem Konzert alle. Und die Zuhörer im siebten Himmel.

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