Mai-Kundgebung Mai-Demonstranten prangern wachsende Ungleichheit an

Münster -

700 Demonstranten wollte Peter Mai, Stadtverbandsvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Münster, gesehen haben. Deutlich realistischer dürften da die Zahlen der Polizei sein, die lediglich 250 Teilnehmer bei der vom DGB und dem Integrationsrat der Stadt Münster organisierten Kundgebung zum 1. Mai gezählt hat.

Von Benjamin Scholz
Mai-Kundgebung : Mai-Demonstranten prangern wachsende Ungleichheit an
Foto: Oliver Werner

Forderungen nach bezahlbarem Wohnraum, einer gerechteren Arbeitsmarktpolitik und einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit standen genauso wie die Ablehnung von Rassismus und Intoleranz im Mittelpunkt der von einem breiten Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Gruppen  getragenen Demonstration.

Dabei hätte eine höhere Teilnehmerzahl natürlich besser zum diesjährigen Motto der Veranstaltung „Wir sind viele. Wir sind eins“ gepasst. „So viele sind wir leider nicht, wir müssten mehr sein“, zeigte sich Festredner Dr. Andreas Fisahn durchaus selbstkritisch. In seiner Ansprache arbeitete sich der Jura-Professor aus Bielefeld an nahezu allen denkbaren klassisch linken Themen ab. Im Zentrum stand dabei natürlich die wachsende soziale Ungleichheit. Neben Kritik an Rüstungsexporten und Flüchtlingsdeals mit autokratischen Regimen griff  Fisahn die unhaltbaren, unter dem Schlagwort „moderne Sklaverei“ berühmt gewordenen Arbeitsbedingungen rumänischer Arbeiter in der Fleischindustrie an. „Das ist die letzte Maloche“, schimpfte der Jura-Professor. Geändert habe sich jedoch nichts.

Hart ins Gericht ging Fisahn auch mit der EU in ihrer derzeitigen Form: „Wir brauchen keine Wettbewerbsunion, sondern eine demokratische und solidarische Union.“ Aus diesem Grund lehnt er auch Freihandelsabkommen ab. „Offene Märkte setzen annähernd gleiche Lebensbedingungen voraus“, so Fisahn. Solange es die nicht gebe, gehe Freihandel zulasten armer Staaten. Er bemühte sich jedoch um Abgrenzung zum rechten Rand. Die Lösung sei ein gerechter Welthandel und nicht der von Rechtspopulisten propagierte Protektionismus.

Demonstrationsteilnehmer Hartmut H., der seinen vollständigen Namen nicht genannt haben möchte und sich selbst als „Alt-68er“ bezeichnet, hatte zuallererst die „Zukunftsaussichten unserer Kinder und Enkelkinder“ auf dem Arbeitsmarkt im Hinterkopf. Und auch die junge Studentin Karaca Kaplan nahm prekäre Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung von Arbeitern weltweit zum Anlass, um an diesem 1. Mai auf die Straße zu gehen: „Ich möchte diesen Menschen eine Stimme geben.“ Warum die Anziehungskraft linker Parteien im Westen zurzeit trotzdem recht schwach ist, während Rechte wie Trump, Le Pen und die AfD auf dem Vormarsch sind - diese Frage konnte auch Kaplan nicht mal eben so aus dem Stehgreif beantworten.

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