Warnung vor Abzocke-Tricks Falsche Polizei zockt ab

Münster -

Falsche Polizeibeamte versuchen derzeit, Rentner in Münster um ihr Barvermögen zu bringen. Im Telefondisplay leuchtet die 0251/110 auf und gaukelt einen seriösen Anruf aus dem Polizeipräsidium vor.

Von Helmut P. Etzkorn
 
  Foto: dpa

Falsche Polizeibeamte am Telefon versuchen aktuell, Rentner in Münster um ihr Barvermögen zu bringen. In der vergangenen Woche ergaunerten die unbekannten Täter von einer 76-jährigen Frau aus Angelmodde mit der neuen Variante des sogenannten Enkel-Tricks rund 21 000 Euro.

Zweites Opfer wäre beinahe eine 97-jährige Rentnerin aus der Innenstadt geworden. Hier ging es um deutlich mehr als 50 000 Euro, so Polizeisprecher Mirko Stein. Weil eine Bankangestellte richtig reagierte, sei die Geldübergabe an einen Mittelsmann der Telefon-Gangster im letzten Moment gescheitert.

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Die Nummer im Display ist keine sichere Identifikationsmöglichkeit.

Mirko Stein

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Die Masche ist immer gleich. Die Täter wählen sich über einen ausländischen Telefondienstanbieter mit vorgetäuschter Nummer ein. Im Display der Opfer leuchtet die „0251/110“ auf und so wird gleich der Eindruck erweckt, es handele sich um einen Anruf aus dem Präsidium. „Die Nummer im Display ist keine sichere Identifikationsmöglichkeit“, so Stein.

Anrufer geben sich als Polizei aus

Die Anrufer geben sich als Polizisten aus, verwickeln ihre meist betagten und allein lebenden Opfer in lange Gespräche und erzählen von festgenommenen Einbrecherbanden. Dann beginnt das Spiel mit der Angst. Den arglosen Opfern wird offenbart, auch sie stünden auf der Liste der Einbrecher. Deshalb müsse das Bargeld zum eigenen Schutz vorübergehend sichergestellt werden. Oft gelingt es sogar, die Menschen zu überreden, Geldbeträge von der Bank abzuholen. Angeblich, weil es dort auch nicht sicher sei.

Stein: „Angerufen wird immer abends, dann sind Rückrufe bei Behörden oder Banken kaum möglich.“ Am Ende vieler Telefonate wird vereinbart, das Bargeld an einen „Polizeibeamten“ zur Aufbewahrung zu übergeben. Der falsche Polizist kommt zum vereinbarten Treffpunkt meist unweit der Wohnung und ist mit dem Geld schnell über alle Berge.

Opfer aus Todesanzeigen und Telefonverzeichnissen

Ihre Opfer suchen sich die Täter aus Todesanzeigen und Telefonverzeichnissen aus. Gezielt wird nach Vornamen von Frauen gesucht, die mutmaßlich aus früherer Zeit stammen.

Stein: „Wenn sich jemand als Polizist meldet, sollte man sich den Namen nennen lassen und bei der örtlichen Polizeibehörde zurückrufen. Am Telefon niemals Auskünfte über Vermögensverhältnisse erteilen oder Kontonummern angeben.“ Betroffene sollten mit Angehörigen oder guten Freunden Kontakt aufnehmen, eher sie auf irgendwelche Forderungen am Telefon eingehen. „Und immer die 110 anrufen. Auch abends, am Wochenende oder mitten in der Nacht“, rät Stein.

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Bei dem Fall in der Innenstadt wollte die 97-Jährige gerade das Geld in der Bank abholen. Die ungewöhnlich hohe Summe kam der Angestellten dort allerdings verdächtig vor. Das Geldinstitut verständigte die Polizei. Zwar konnte man niemanden festnehmen, die Geldübergabe wurde aber erfolgreich verhindert.

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