Faszinierendes und unbekanntes Repertoire Am Ende strahlt der Jupiter

Münster -

Ein Orgelabend für Entdeckungsfreudige, gespielt von echten Könnern im Paulusdom. Wobei die Kombination des Instruments der Könige mit der Königin der Instrumente gern mal etwas klischeehaft ausfallen kann. Hier nicht. Schon allein der außergewöhnlichen Komponisten wegen: Wer kennt den Israeli Ofen Ben-Amots, wer den in Belgrad geborenen Ivan Jevtič? Beide schreiben originelle Musik für Trompete und Orgel, ohne den Boden der Tradition zu verlassen, beide schaffen atmosphärisch dichte Klang-Szenerien, mal geheimnisvoll und wie improvisiert wirkend (Ben-Amots), dann wieder rastlos bewegt wie ein Perpetuum mobile (Jevtič). In jedem Fall Musik für Virtuosen wie Falk Zimmermann, Trompeter im Orchester des Nationaltheaters Mannheim, und Heike Ittmann, Kirchenmusikerin am Dom zu Lampertheim. An sie stellen die genannten Partituren ebenso hohe Anforderungen wie die „Tanz-Fantasie“ des Parisers Thierry Escaich – wobei „Tanz-Fantasie“ wörtlich zu nehmen ist. Die Trompete zeigt sich perkussiv, deren Ton schraubt sich fortwährend in die Höhe, um am Ende wieder den Ausgangspunkt zu erreichen. Für den Dom mit seinem Nachhall kein leichtes Stück, auch nicht für das Publikum, das sehr konzentriert zuhören musste. Aber immerhin gab es am Ende auch Hymnisches in Form von Gustav Holsts „Die Planeten“, daraus den „Jupiter“ – eine Melodie, die wohl (fast) jeder mitsummen konnte!

Von Chr. Schulte im Walde
Trompeter Falk Zimmermann und Organistin Heike Ittmann im Dom
Trompeter Falk Zimmermann und Organistin Heike Ittmann im Dom Foto: Christoph Schulte im Walde

Im Solo allein für die Könige präsentierte Heike Ittmann noch einmal Ivan Jevtič, zwei grüblerische „Versetten über Victimae paschali laudes“ von Escaich, die sich inzwischen einen festen Platz im Orgel-Repertoire erobern konnten – und Louis Viernes erhabenes Fantasiestück „Cathédrales“, eine Huldigung an Notre-Dame in Paris. Majestätisch schieben sich dichte Akkorde durch den Raum, wobei sich hier gut und gern gleich schon von Anfang an die schweren Zungenregister im Schwellwerk der Domorgel hätten melden können und sollen. Auch die Hinführung zum Höhepunkt des Werks wirkte etwas wenig elaboriert. Dies aber nur leise Kritik an einem spannenden, höchst interessanten Erlebnis. Im gut besuchten Dom gab es dafür kräftigen Beifall.

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