„Der Steg“ von Ayşe Erkmen: Komplizierte Konstruktion erforderlich Über diese Gitter musst Du geh’n

Münster -

Bei Buddha, Jesus und Co. reicht der Glaube. Was viel ist, aber das ist eine andere Geschichte. Wer allerdings in frostfreien Zeiten über Wasser laufen will, benötigt eine Künstlerin, einige Ingenieure und Michael Andreae-Jäckering.

Von Gerhard Heinrich Kock
Sieht simpel aus, ist aber eine komplexe Konstruktion, die bei den Skulptur-Projekten 2017 nicht zu sehen sein wird: Für den Beitrag von Ayşe Erkmen wird derzeit bei Jäckering in Hamm der Steg gebaut, über den die Besucher über Wasser laufen sollen.
Sieht simpel aus, ist aber eine komplexe Konstruktion, die bei den Skulptur-Projekten 2017 nicht zu sehen sein wird: Für den Beitrag von Ayşe Erkmen wird derzeit bei Jäckering in Hamm der Steg gebaut, über den die Besucher über Wasser laufen sollen. Foto: Gerhard H. Kock

Der Unternehmer und Kunstsammler baut derzeit in seiner Firma in Hamm jene Konstruktion, die Zigtausende Besucher der Skulptur-Projekte 2017 114 Tage lang über Wasser laufen lässt. Zumindest soll es für die Betrachter vom Ufer aus so aussehen. Denn der Beitrag der KünstlerinAyşe Erkmen sieht vor, dass knapp unter der Wasseroberfläche ein Steg von der einen Seite des Hafens zur anderen führt. Sicher, rutschfest und trotzdem magisch.

"Der Steg" wird gebaut

Erste Ideen (in den Boden gerammte Pfeiler oder Verbaukästen, wie sie bei Tiefbauarbeiten zum Abstützen benutzt werden) wurden verworfen. Gebrauchte Container waren die Lösung, berichtet Andreae-Jäckering, der bei den Skulptur-Projekten 1997 mit Kunst „infiziert“ wurde. Seither hat er eine faszinierende Sammlung zeitgenössischer Kunst, die er ausbaut. Unter anderem kümmert er sich um die Pflege der Hecke von Rosemarie Trockel an der Torminbrücke von den Skulptur-Projekten 2007.

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Das Wasser wird nur daumendick über dem Gitter stehen.

Michael Andreae-Jäckering

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Für Erkmens Projekt hat das Ingenieurbüro „Gantert + Wiemeler“ aus Münster die Planung für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe vorgelegt. Ingenieur Dr. Heinrich Bökamp hat die Standsicherheit aus bautechnischer Sicht geprüft. Nun wird „Der Steg“ aus acht bunten Standard-Containern (Jäckering: „Die Farbe war der Künstlerin nicht wichtig“), Stahlrohr-Stützen vom Bau und Gitterrosten zusammengebaut.

Die Konstruktion sieht so aus: Der Holzboden der Container wird entfernt, die Decke mit Löchern versehen, damit die Stahlkisten sinken können. An die vier Ecken werden Baustützen befestigt, die in der Höhe regulierbar sind. Das ist notwendig, um erstens die Container einigermaßen waagerecht und zweitens präzise unter die Wasseroberfläche zu bekommen. Jan Zillmann, Geschäftsführer bei Jäckering, sagt dazu: „Das Wasser wird nur daumendick über dem Gitter stehen.“

Ausgleichs-Steg mit Treppenstufen

Wenn die Wasseroberfläche ruhig ist. Der Pegel wird grundsätzlich durch die Kanalschleusen gehalten. Aber es gebe durch den Schiffsverkehr natürlich Wellen-bewegungen, erläutert Stefan Vennemann vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW: „Wenn ein Boot Richtung Rheine fährt, kann es einen Hub von zehn Zentimetern geben.“ Da werden vielleicht auch mal die Fesseln der Passanten nass. Zum Betreten wird es einen Ausgleich-Steg mit Treppenstufen geben. Vennemann ist von dem Skulptur-Projekt begeistert: „Das ist eine absolute Herzblutsache.“

Die Container sind 2,60 Meter hoch, 2,43 Meter breit und sechs Meter lang. Die Länge entspricht der Breite des Steges. Sollte also jemand ins Wasser fallen, würde er nicht auf einen Container auftreffen. Rettungsschwimmer sind zu den Öffnungszeiten stets zugegen. Es soll vier Aufseher an Land und einen auf dem Steg geben.

Acht Container werden zwischen den Kaimauern ins Wasser gelassen. Beim Aufbau (ab dem 15. Mai) wird ein Bagger den Hafengrund nivellieren. Das exakte waagerechte Ausrichten kann ein feuchter und filigraner Abgleich zwischen Bagger-Arbeit und Ausgleich-Stützen an den Containern werden. Durch die vier Stützen an jedem Container kann die Steghöhe jederzeit korrigiert werden – ohne Taucher.

Die Gitterroste haben eine Maschenweite von ein mal drei Zentimetern, was eine weitgehend schmerzfreie Fußmassage beim Queren ermöglicht. Tausend Leute dürften bei einer Nutzlast von 200 Kilogramm auf den Quadratmeter theoretisch auf dem Steg sein. „Aus künstlerischen Gründen“, wie Jäckering erklärt, dürfen es praktisch aber nur 60 gleichzeitig sein. Während der Skulptur-Projekte findet übrigens auch der City-Triathlon (23. Juli) statt – mit Schwimmen im Hafen. Ein „Hürden-Schwimmen“ ist allerdings nicht geplant . . .

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