Uni-Personalrat im Clinch mit Rektorat und Dekanen Streit um Stellen für Doktoranden

Münster -

Es gibt Streit um die Beschäftigung von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Hilfskräften. Der Uni-Personalrat hat angekündigt, die bestehende Praxis bei den Arbeitsverträgen nicht mehr zu genehmigen.

Von Karin Völker
Detlev Berntzen  ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Personalrates der WWU.
Detlev Berntzen ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Personalrates der WWU. Foto: GEW

Es geht um „gute Beschäftigungsbedingungen für das Hochschulpersonal“ – ein Thema, zu dem die Hochschulen in NRW im vergangenen Jahr eigens einen Rahmenkodex verabschiedet haben. Der Personalrat der rund 6000 wissenschaftlichen Beschäftigten an der Universität hat jetzt erklärt, dass er die an der Universität Münster herrschende Praxis bei der Vertragsgestaltung für Promovierende nicht mehr tolerieren wird.

Aus dem Kreis der Professoren wird Unmut laut. Lehrende sehen große Teile des wissenschaftlichen Nachwuchses vom Kontakt mit den Hochschulen und der Forschung abgeschnitten, wie ein Professor es formuliert.

Der Personalrat hat erklärt, er werde künftig keinen Arbeitsverträgen mit wissenschaftlichen Mitarbeitern zustimmen, die neben einer Aufgabe an der Hochschule noch promovieren und „keine angemessene“ Laufzeit haben. Außerdem sollen keine Verträge mehr für wissenschaftliche Hilfskräfte geschlossen werden, die promovieren.

Der Hintergrund:

Viele promovierende Hochschulabsolventen werden mit Aufgaben an den Instituten, etwa mit Verwaltung oder Lehre, so stark in Anspruch genommen, dass sie kaum zu ihrer Promotion kommen, erläutert Dr. Detlev Berntzen, Vorsitzender des Personalrats der wissenschaftlich Beschäftigten an der WWU.

Modell „Eins plus zwei“

Wissenschaftliche Mitarbeiter werden hier häufig nach dem Modell „Eins plus zwei“ beschäftigt. Sie erhalten zunächst einen Vertrag für ein Jahr. Bewähren sie sich auf der Stelle, wird diese um zwei weitere Jahre verlängert. Drei Jahre gelten in vielen Fächern als angemessene Zeit, um eine Doktorarbeit fertigzustellen.

Johannes Wessels, Rektor der Universität Münster, hat die Dekane der Fachbereiche und Leiterinnen der zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen auf „zu erwartende Komplikationen“ bei der Einstellung hingewiesen.

Theresia Theurl, Dekanin der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, fürchtet, die Uni verliere dadurch „Flexibilität, die gerade auch von den Promovenden gewünscht wird“. Diese seien die „Hauptleidtragenden“.

Rückendeckung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Detlef Berntzen will den Promovenden sicherere Beschäftigungsperspektiven gewährleisten und hat dabei die Rückendeckung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Auch sie will dem „Befristungsunwesen“ an den Hochschulen Grenzen setzen. „Wir wissen aber auch, dass die Befristungspraxis mit der Hochschulfinanzierung zusammenhängt“, sagt Berthold Paschert, Hochschulreferent der GEW NRW.

Die Gewerkschaft nimmt den Konflikt zum Anlass, einmal mehr eine bessere Finanzierung der Hochschulen zu fordern. Es würden angesichts der gestiegenen Studierendenzahlen bundesweit 50 000 unbefristete Mittelbau-Stellen an den Hochschulen benötigt. Personalrat und Universitätsleitung betonen aber, weiter gesprächsbereit zu sein. Theresia Theurl will sich dafür bei den Dekanen einsetzen.

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