Geduldsprobe für Bauherrn Bombensuche auf Baugrund zieht sich lange hin

Münster -

Bei vielen Bauvorhaben muss vor dem Beginn ein „Nachweis einer Kampfmittelfreiheit“ erfolgen. Das kann dauern . . .

Von Klaus Baumeister
Immer wieder werden Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Bauherrn müssen mitunter Monate auf die Bescheinigung der „Kampfmittelfreiheit“ warten.
Immer wieder werden Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Bauherrn müssen mitunter Monate auf die Bescheinigung der „Kampfmittelfreiheit“ warten. Foto: dpa

Die Meldungen häufen sich: Bauarbeiten bei Häusern oder Straßen verzögen sich, weil die Bauherren wochenlang auf den Kampfmittelbeseitigungsdienst warteten. Nicht etwa, weil tatsächlich eine Bombe gefunden wurde. Nein, gemeint sind Fälle, bei denen vor Beginn der Arbeiten die bei der Bezirksregierung Arnsberg angesiedelte Behörde erst den „Nachweis einer Kampfmittelfreiheit“ bestätigen muss. Konkret geht es um das Abarbeiten von Verdachtsfällen.

Dutzende Verdachtsfälle

Dieses Nadelöhr hat jüngst die Fertigstellung der Engelstraße verzögert, beim Hiltruper Museum war ebenfalls das große Warten angesagt. Auch zahlreiche Investoren bestätigen inzwischen hinter vorgehaltener Hand, dass es an ihren Baustellen schneller vorangehen würde, wenn es nur mit der Bestätigung der Kampfmittelfreiheit etwas schneller gehen würde. Mitunter ist von 20 Wochen die Rede, die zwischen dem Anmelden einer Baumaßnahme und dem tatsächlichen Abarbeiten vergehen können.

Nicht ohne Grund sehen die Verantwortlichen für den Ausbau der Umgehungsstraße mit Sorgen auf den weiteren Zeitplan. Dutzende Verdachtsfälle liegen auf der Trasse vor. Theresa Frigger, Pressesprecherin der Bezirksregierung Arnsberg, bestätigt auf Anfrage, dass der Kampfmittelbeseitigungsdienst angesichts der regen Bautätigkeit im Lande kaum nachkommen könne.

Einsichtsrecht erst seit 1999

Eine kurzfristige Besserung sei nicht in Sicht, da das erforderliche Personal nicht vorhanden sei. So darf die Auswertung der alliierten Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg, die wichtig sind zur Ermittlung der Bindgänger, nur nach einem entsprechenden Studium und bei mehrjähriger Berufserfahrung erfolgen.

Das Thema beschäftigte sogar schon den Landtag. Auf Anfrage eines CDU-Abgeordneten verwies das Innenministerium darauf, dass selbst bei einer früheren „kampfmittelfachlichen Betrachtung“ für die zu bebauende Fläche heute eine neuerliche Prüfung erforderlich sein könne.

Der Grund: Erst seit 1999 habe NRW „die Einsichtsrechte in die bis dahin unter Verschluss gehaltenen Kriegsluftbilder“. Angesichts des Engpasses hat Dirk Lohaus, Leiter des Bauordnungsamtes, einen Tipp für Bauherren parat: Parallel mit Einreichen eines Bauantrages sollte man gleich die Bescheinigung der Kampfmittelfreiheit beantragen.

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