Essensbestellungen Lieferservice immer beliebter – Gastronomen in Münster gespalten

Münster -

Immer mehr Menschen bestellen ihr Essen online und lassen es sich liefern. Mittlerweile gibt es dafür verschiedene Bringdienste, die in Konkurrenz zueinander stehen. Vermeintlich.

Von Julia Kunze
Essensbestellungen  : Lieferservice immer beliebter – Gastronomen in Münster gespalten
Viele Restaurants liefern Essensbestellungen mit Hilfe von digitalen Start-ups aus. Foto: colourbox.de

Pinke Fahrradkuriere machen seit einiger Zeit im münsterischen Stadtumfeld auf sich aufmerksam. Es sind die Fahrer des Essenslieferers Foodora, die Speisen vom Restaurant zum Kunden bringen. Vier große Lieferdienste kämpfen derzeit um die Vormachtstellung beim Verbraucher: Lieferheld, Pizza.de, Foodora und Lieferando.

Vom Prinzip her bieten die Plattformen einen ähnlichen Service, sagt deren Pressesprecher: Sie alle ermöglichen den Kunden, einfach und bequem online Essen zu bestellen. Service statt Produktion. 

Hohe Provision

Was nur wenige wissen: das cleane Lieferheld.de, das rustikale Pizza.de und das schicke Foodora gehören zu einer Firma - ähnlich wie bei Saturn und Media Markt. Alle drei sind Tochterfirmen von Delivery Hero Holding GmbH mit Sitz in Berlin. Einzig Lieferando vom holländischen Konkurrenten Takeaway, hält in Deutschland stark dagegen. 

Was haben die Gastronomen davon?

Einerseits bieten die Dienste Hilfe bei Marketing und Social Media an. Bei Lieferando und Foodora müssen Sie sich außerdem nicht um die Zustellung der Speisen kümmern – betriebseigene Fahrer holen sie beim Restaurant ab und bringen sie zum Kunden. „Es ist wenig Aufwand und ein gutes Nebenbei“ sagt der münsterische Geschäftsführer eines großen asiatischen Restaurants. 

„Bestellungen über unsere Plattform sind für die Restaurants ein Zusatzgeschäft mit bis zu 25% Umsatzwachstum pro Monat“, sagt Vincent Pfeifer, Pressesprecher von Foodora. Andererseits ist die Provision recht hoch, weswegen einige Restaurants in Münster auf WN-Nachfrage verkniffen zum Thema Online-Lieferdienste reagieren. So nehmen Lieferheld und Pizza.de 12 Prozent pro Auftrag (ohne Zustellung), bei Lieferando und Foodora sind es 30 Prozent Kommission am Warenkorb, so die Pressestellen.

Werbeoffensiver Lieferdienstmarkt

„Das ist uns eigentlich etwas zu hoch“, sagt Tanka Lamsal vom indischen Restaurant „Little Buddha“. „Aber wir sind zufrieden mit dem Service und freuen uns darüber, uns nicht um den Aufwand von Fahrt und Marketing kümmern zu müssen.“ 

Doch wie rentiert sich der Service für die Onlinedienste?

Delivery Hero hatte mit seinen deutschen Marktplätzen Lieferheld und pizza.de bereist im Laufe des letzten Jahres den Sprung in die
Gewinnzone geschafft.

Bei einer Recherche fand das Wirtschaftsmagazin „Brand eins“ heraus: Im 1. Halbjahr 2016 noch, hat keiner der Online-Anbieter schwarze Zahlen geschrieben, alleine Lieferando habe  18 Millionen Euro Verlust gemacht.

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Das Geld fließt in Marketing, ob Plakatwerbung á la „Isch will mit dir Penne!“ (Lieferando), Fahrradsattelschoner (Foodora) oder Wohnzimmerkonzerte (pizza.de). Das Ziel dieser Werbeoffensive: Die Kunden darin zu erziehen, überhaupt ihr Essen über eine App zu bestellen. Denn: „Die Statistik sagt: Wenn du bei einem bist, bleibst du auch bei ihm“, sagt Peter Laudenbach von „Brand eins“. 

Jitse Groen, Geschäftsführer von Takeaway sieht den Lieferdienstmarkt als Winner-takes-it-all-Markt: „Als Nummer zwei verdienen Sie fast gar nichts.“ Deshalb werde Lieferando „nicht aufgeben, bis wir die Nummer eins sind“.

Infografik: Pizza aus dem Netz rechnet sich | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista
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