Vom Arme-Leute-Rad zum E-Bike
Vor 100 Jahren begann die Geschichte von Fahrrad Hürter

Münster -

„In meiner Jugend“, sagt Peter Hürter, „war das Fahrrad was für arme Leute.“ So lange ist das noch nicht her, denn der Chef von XXL Hürter an der Hammer Straße ist gerade mal 54 Lenze alt.

Freitag, 28.04.2017, 10:00 Uhr aktualisiert: 28.04.2017, 10:10 Uhr
Peter Hürter, mit seinem Bruder Karsten Geschäftsführer bei XXL Hürter, kann in seinem Laden Fahrrad fahren. Foto: Benning

Er schnappt sich eine Leeze und fährt fürs Foto über die zweispurige Fahrradstraße, die durch sein Geschäft führt. 800 Räder stehen da. 6.000 hat er auf Lager. 100 Jahre Familiengeschichte dreht sich hier um zwei Räder.

Vor 100 Jahren hat Hürters Großvater Fritz den Laden gegründet. Er war im ersten Weltkrieg verwundet worden und baute sich an der Hammer Straße bei Café Issel einen Gemischtwarenladen auf: „Mopeds, Waschmaschinen – und Fahrräder“, sagt sein Enkel, „lauter Dinge für den täglichen Gebrauch.“

Großes aus kleinen Anfängen

Der Fahrradhändler war lange Zeit im öffentlichen Bewusstsein „eher der Handwerker, nicht der Kaufmann“. Die Nachkriegs-Ära stand auf Motoren. Münsters ältestes Leezen-Geschäft Knubel schwenkte darauf um.

Horst Hürter, der Vater von Peter und Karsten Hürter, die das Geschäft in der dritten Generation führen, suchte dagegen Kooperationen. „Er hat in Erfahrungsaustauschen (ERFA) mit Händlern aus NRW zusammengearbeitet“, sagt Sohn Peter. Händler, die nicht in Konkurrenz zueinander standen.

Entstanden ist daraus die XXL-Group, in der neun Unternehmen, die seit über 40 Jahren zusammenarbeiten, gemeinsam einkaufen, werben, vermarkten. Hürter: „50 Prozent unserer Räder sind Eigenmarken, außerdem haben wir einen gemeinsamen Online-Shop.“

Innenstadt-relevantes Sortiment

Die neue Größe wurde Ende der 70er Jahren auch baulich erreicht. An der Hammer Straße baute die Familie ein 5.000 Quadratmeter großes Laden-, Lager- und Werkstatt-Gebäude. 2.000 Quadratmeter davon sind Verkaufsfläche. „Wir bräuchten händeringend mehr Platz“, sagt der Geschäftsführer.

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Aber die Stadt lässt keine Erweiterung in seiner Lage zu. Sein Sortiment gilt als innenstadt-relevant. Insgesamt gibt es in Münster nur drei Fahrradläden in Supermarkt-Größe – und zahlreiche kleinere Shops. Viele von ihnen suchen sich ihre speziellen Nischen.

Wer Klagen über die Wirtschaft hören will, muss Peter Hürter nicht fragen. Er sieht im Fahrradgeschäft noch eine große Zukunft. Der Markt der E-Bikes brummt. Motorenhersteller kommen teilweise mit der Produktion nicht nach und es gibt Wartelisten. „Die Industrie hat eine gigantisch große Produktauswahl“, sagt Hürter, „alleine Kalkhoff bietet Räder in 1000 verschiedenen Versionen.“

Hohe Erwartungen an ein Rad

Technologisch hat das Fahrrad gewaltige Sprünge hinter sich. Das heißt für den Händler auch: Der Schulungsbedarf für seine 50 Mitarbeiter ist deutlich gestiegen.

Aber die Erwartung an das Rad sind es auch. Manche halten das E-Bike in einem aufgemöbelten Radwegesystem für die Lösung vieler Stau- und Mobilitätsprobleme der Moderne. Hürter: „Das Fahrrad ist in.“

Er selbst besitzt übrigens nur ein Rad: „Wenn ich ein E-Bike brauche, leihe ich mir eins aus dem Laden.“ Die vierte Generation befindet sich übrigens schon in der Ausbildung: „Wenn die Kinder auch ins Geschäft wollen, dann muss man mal über ein weiteres Geschäft nachdenken.“

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Münsters Fahrrad-ABC: Von A wie Ampel bis Z wie Zeit

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    Alle Jahre wieder, zum Start des Wintersemesters, ist die Zeit der Frischlinge auf den Radwegen. Mit den neuen Studentinnen und Studenten erobern Tausende Neumünsteraner für sich die deutsche Fahrradhauptstadt. Für viele eine mitunter abenteuerliche Begleiterfahrung des Studienstarts. Hier für die Anfänger auf den Radwegen und alle Leezenliebhaber ein kleines Alphabet des Radverkehrs in Münster von unserer Redakteurin Karin Völker.

    Foto: dpa
  • A wie Ampel: Unbedingt beachten! Ampeln haben in Münster für Fahrradfahrer nicht bloß Empfehlungscharakter. Bei Rot also besser stehenbleiben. Erstens, weil alles andere gefährlich sein kann. Zweitens, weil als Strafe ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 100 Euro Strafe drohen. Sehr empfindlich fürs studentische Portemonnaie.

    Foto: Colourbox.de
  • B wie Bürgersteig: Er ist in Münster den Fußgängern vorbehalten. Es gibt ja auch meistens Radwege.

    Foto: Colourbox.de
  • C wie cholerische Anfälle: Sie sind trotz des hier verbreiteten gemäßigten westfälischen Temperaments bei diversen Verkehrsteilnehmern bisweilen zu beobachten. Gilt das Geschimpfe einem selbst, am besten die Ruhe bewahren.

    Foto: Colourbox.de
  • D wie Diskussionen: Sollte man als Fahrradfahrer besser mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht anfangen, erst recht nicht mit Polizisten. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Verkehrsregeln sind zwecklos.

    Foto: Colourbox.de
  • E wie E-Bike: Das Fahrrad mit Batterieverstärkung ist auf Münsters Radwegen schwer im Kommen. Vorsicht vor dem beachtlichen Tempo – wenn sportliche junge Menschen von älteren Herrschaften überholt werden, ist oft ein Akku im Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • F wie Fußgänger: Sie verdienen Rücksicht und Freundlichkeit – auch wenn es mitunter erscheint, die Fußgänger liefen prinzipiell auf Radwegen.

    Foto: Colourbox.de
  • G wie Geschwindigkeit: Tempo 30 in Wohngebieten gilt auch für Radler!

    Foto: Colourbox.de
  • H wie Hamburger Tunnel: Er ist während des Bahnhofsumbaus zentrale Verkehrsachse von und zum Gleis und Ort der friedlichen Koexistenz zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern.  Skeptiker staunen: Es funktioniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • I wie Irren: Es ist menschlich und kommt bei allen Verkehrsteilnehmern vor. Auch wenn das Fahrrad bewegungsfördernder und umweltfreundlicher ist als das Auto: Auch Autofahrer haben im Verkehr manchmal Recht.

    Foto: Colourbox.de
  • J wie Jugend: Das Radfahren in Münster ist keineswegs nur ihr Privileg. In Münster strampeln  auch viele über 80-Jährige noch durch die Stadt. Fahrradfahren ist hier eine generationsübergreifende Angelegenheit – mit vielen Geschwindigkeiten.

    Foto: Colourbox.de
  • K wie Klauen: Der Fahrradklau ist in Münster ein verbreitetes Übel, das die Stadt in der Kriminalitätsstatistik regelmäßig schlecht aussehen lässt. Ein wenig helfen solide Schlösser.

    Foto: Colourbox.de
  • L wie Ludgerikreisel: Für viele Radler ein neuralgischer Punkt. Die Polizei empfiehlt: beherzt auf der Mitte der Spur fahren. Autos kommen meistens auch nicht schneller vorwärts als Radler.

    Foto: Oliver Werner
  • M wie Meimel: Ein münsterischer Ausdruck für Regen – und zwar dessen langanhaltende Form, und damit einer der natürlichen Feinde des Fahrradfahrers. Trotz häufiger Meimelgefahr lässt man sich in Münster nicht so leicht aus dem Sattel vertreiben. Viele auch nicht durch Schnee und Frost: Es gibt hier extra Streufahrzeuge für die Radwege.

    Foto: Colourbox.de
  • N wie Nase: Sie hat der Radfahrer immer im Wind. Nicht ausgeschlossen, dass im Winter dabei mal eine Erkältung rauskommt. Aber was gibt es Schöneres, als im Frühling unter den blühenden Silberlinden auf der Promenade herzuradeln? 

    Foto: Colourbox.de
  • O wie Ordnungshüter: Die Kräfte von Stadt und Polizei schenken dem Radverkehr sehr viel Aufmerksamkeit, besonders zu Semesterbeginn. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • P wie Parken: In Münster bisweilen auch für Fahrradfahrer nicht unproblematisch. Merke: Bürgersteige  gehören nicht zugestellt und immer merken, wo das Rad steht. Es soll Studenten geben, die ihre Leezen semesterlang gesucht haben.

    Foto: Colourbox.de
  • Q wie Quälerei: Kommt sogar im Fahrradparadies Münster vor – vor allem immer dann, wenn man Pannen hat.  Zum Glück gibt es an fast jeder Ecke einen Fahrradladen, der helfen kann.

    Foto: Colourbox.de
  • R wie Rücklicht: Sollte unbedingt ebenso wie das Vorderlicht funktionieren. Wenn man nicht selbst kontrolliert, ob es brennt – die Polizei tut es ohnehin und verteilt gegebenenfalls Knöllchen.

    Foto: Colourbox.de
  • S wie Stau: Gibt es in Münster, speziell während der Semesterzeiten auch auf Radwegen. Hier hilft nur Geduld.

    Foto: Colourbox.de
  • T wie Trunkenheit: Auch wer sich noch mit 1,6 Promille Alkohol im Blut für fahrtüchtig hält: Lieber das Rad schieben! Denn auch Fahrradfahrer erwarten Alkoholkontrollen durch die hiesige Polizei. Kein Scherz: Im Extremfall werden Fahrradfahrverbote verhängt.

    Foto: Colourbox.de
  • U wie Unfälle: Sie passieren leider – trotz vieler Maßnahmen der Verkehrsplaner und Polizei immer noch zu häufig. Ein Helm kann manchmal das Schlimmste verhindern. 

    Foto: Colourbox.de
  • V wie Vorsicht: Auch defensive Radfahrer kommen ans Ziel, mitunter sogar schneller als die Draufgänger.

    Foto: Colourbox.de
  • W wie Waschanlage: Luxus, wenn man seinem Drahtesel mal was Gutes will. Gibt es tatsächlich speziell für Fahrräder – im Fahrradparkhaus am Bahnhof.

    Foto: Presseamt/Joachim Busch
  • X&Y sind die Unbekannten und stehen für das Unerwartete beim Radfahren – zum Glück ist das nicht nur der plötzliche Plattfuß. Es gibt auch den Flirt beim Warten an der roten Fahrradampel. . .

    Foto: Colourbox.de
  • Z wie Zeit: Wer in Münster Rad fährt, spart meistens kostbare Minuten. Faustregel: Je näher man sich im Stadtkern bewegt, desto größer die Zeitersparnis. Autofahrer kommen fast immer langsamer ans Ziel.

    Foto: Colourbox.de

 

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