Ungewöhnliches Programm großartig präsentiert „Wer bin ich?“ – ergreifend und komisch

Münster -

„Wer bin ich?“ – über diese Frage lässt sich trefflich und endlos philosophieren. Oder man kreist sie musikalisch ein wie Eva Bauchmüller und Thorsten Schmid-Kapfenburg in ihrem Liederabend am Mittwoch im U 2 des Theaters.

Von Chr. Schulte im Walde
„Who Am I?“ mit Eva Bauchmüller und Thorsten Schmid-Kapfenburg
„Who Am I?“ mit Eva Bauchmüller und Thorsten Schmid-Kapfenburg Foto: Christoph Schulte im Walde

Zum Beispiel mit Leonard Bernsteins Musical-Song „Who Am I?“, der sich existenzielle Gedanken um Leben und Tod macht. Ein weites Feld, an dem sich Komponisten aller Epochen abgearbeitet haben. Wobei Eva Bauchmüller (Sopranistin im Opernensemble) und Kapellmeister Thorsten Schmid-Kapfenburg am Klavier ein ungewöhnliches, durchaus auch gewagtes Programm präsentierten mit Musik, die kaum einmal zu erleben ist. Aribert Reimanns fröhlich-freche „Kinderlieder“ etwa. Oder die 1939 von Viktor Ullmann im Lager Theresienstadt geschriebenen Lieder auf Verse von Ricarda Huch, deren Sperrigkeit ins Fließen gerät durch die den Geist schwelgerischer Spätromantik so eben noch atmenden Ullmannschen Klänge.

Vergänglichkeit und Tod („die große Nacht“) prägen Franz Schrekers „Wohl fühl ich, wie das Leben rinnt“, während der Hölderlin-Zyklus, den Schmid-Kapfenburg im vorigen Jahr eigens für Eva Bauchmüller komponiert hat, die fast magische Kraft der Dichtung mit ganz sparsamen Tönen kommentiert, unterstreicht, deren Atmosphäre erspürt – und der Sängerin Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

Eva Bauchmüller, unter anderem als Papagena, Gretel, Despina und Nannetta auf der Opernbühne bestens in Erinnerung, ist eine wunderbare Sopranistin. Ein Meer aus Farben zaubert sie gerade in diesem Liederabend aus ihrer Stimme. Nichts klingt gleich, alles Verschiedene bekommt verschiedene Gestalt und eigenen Charakter. Zudem hat sie einfach großes schauspielerisches Talent – beste Voraussetzung für die witzige „Stripsody“, eine Art gesungener Comic Strip, den die 1983 früh verstorbene, aber noch heute legendäre Sopranistin Cathy Berberian für sich selbst komponiert hat. Da summen Bienen, ticken Uhren, tröpfelt Regen – und ein Kuhstall mit Katzen, Hunden und Hühnern kommt auch noch vor. Eva Bauchmüller singt und spielt mit großer Geste, dass es eine Freude und vor allem ein Riesenspaß ist. Herzhaftes Lachen im voll besetzten U 2 blieb da nicht aus.

Krasser Gegensatz dazu als Abschluss: Gustav Mahlers „Ich bin der Welt abhanden gekommen“. Da blieb der Lauf der Zeit ebenso wie der Pulsschlag schlichtweg stehen. Dieses Lied auf engem Raum derart ergreifend, berührend und subtil gestalten zu können, das ist schon eine ganz große Kunst.

Zum Thema

Zweites Konzert: 31. Mai um 19.30 Uhr. Karten: ' 5 90 91 00.

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4793915?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F