Ein besonderer Solist in Münsters Sinfoniekonzert Von Abschied und Rückkehr

Münster -

Angekommen! Shengzhi Guo ist seit dem letzten Jahr Solo-Cellist im Sinfonieorchester Münster. Und genießt, wenn man seine Orchesterkollegen fragt, alle Sympathien dank seiner musikalischen wie menschlichen Qualitäten. Jetzt ist Guo, 1983 in Beijing geboren, auch beim münsterschen Konzertpublikum als Solist angekommen und wurde am Dienstag für seine Version des berühmten Dvořák-Konzertes h-Moll im Großen Haus des Theaters stürmisch gefeiert.

Von unseremMitarbeiterChristoph Schulte im Walde
Shengzhi Guo ist der Solo-Cellist des Sinfonieorchesters Münster.
Shengzhi Guo ist der Solo-Cellist des Sinfonieorchesters Münster. Foto: Philippe Ramakers

Zu Recht. Denn Guo präsentierte sich als feiner, sensibler Gestalter, der tief hineinhört in Dvořáks facettenreiche Klänge von Abschied und Rückkehr, der sich nirgends vordergründig als Virtuose „aufbäumt“, stattdessen eher den lyrischen Augenblicken der Partitur Raum gibt und sie auskostet. Nicht mit einem übermäßig großen Cello-Ton, aber immer mit einem äußerst noblen.

Selbstverständlich verfügt Guo auf seinem Instrument über alle Arten spieltechnischer Brillanz, mit der ihm auch widrige, zum Teil mit Trillern versehene Doppelgriffe bestens gelingen. So wie im Finalsatz, den Gastdirigent Charles Olivieri-Munroe zwar recht hurtig nahm, aber ohne zu hetzen. Solist und Orchester in harmonischer Übereinstimmung: ein großer Wurf. Danach wurde es ganz still für Shengzhi ­Guos zarte Zugabe: Pablo Casals‘ „Lied der Vögel“ – wie geflüstert. Traurig schön!

Demgegenüber nahm sich Tschaikowskys dritte Suite op. 55 geradezu fröhlich aus, mal abgesehen von den zutiefst elegischen Momenten, in denen Charles Olivieri-Munroe das Orchester blühen und auch glühen ließ. Der Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen legte sein Augenmerk vor allem auf quirlige, dabei akkurat organisierte Bewegung, auf Temperament, auf das Hin und Her zwischen einzelnen Orchestergruppen wie im Scherzo mit seinem Ping-Pong-Spiel zwischen Blech und Holz. Ein Streicher-Hummelflug, tänzerische Flöten, eine kleine Fuge: Diese selten zu hörende Suite ist eine echte Alternative zu den Sinfonien.

Last but not least zu loben: „Scena“ – ein Werk des Italieners Ivan Fedele von 1998. Neue Musik in großer Besetzung, die viel erzählt, ohne in Geschwätzigkeit zu verfallen, wo in jedem Takt etwas Interessantes passiert.

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Das Programm wird am Sonntag um 18 Uhr im Theater Münster noch einmal zu hören sein.

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