Türmerin im Lambertikirchturm Räder-Blockade vor der Türmerstube

Münster -

Vor der Tür abgestellte Fahrräder könnten Münsters Türmerin im Lambertikirchturm zur Gefangenen machen - eine kuriose Geschichte mit ernstem Hintergrund.

Von Dirk Anger
Türmerin Martje Saljé hat es manchmal nicht leicht, wenn sie in luftige Höhe steigen will: Fahrräder stehen von der Tür, schlimmstenfalls machen sie den Ausgang unmöglich.
Türmerin Martje Saljé hat es manchmal nicht leicht, wenn sie in luftige Höhe steigen will: Fahrräder stehen von der Tür, schlimmstenfalls machen sie den Ausgang unmöglich. Foto: privat/hpe

„Zugeleezt“ – mit dieser Wortschöpfung münsterischen Zungenschlags beschreibt Martje Saljé das, was sie häufig auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz erlebt: Sobald nämlich das Semester beginnt, nimmt die Zahl der abgestellten Fahrräder – in der münsterischen Geheimsprache Masematte Leezen genannt – rund um die Lambertikirche schwunghaft zu. Ein Zustand, der der Türmerin bisweilen jedoch Schwierigkeiten bereitet.

Denn der mit einer kleinen Holztür verriegelte Zugang zur Türmerstube am Fuß von St. Lamberti ist nicht selten komplett zugeparkt. So wie am Montag, als Saljé schnell das Handy zückt – und das Foto in den sozialen Netzwerken Furore macht. Anscheinend habe es sich bei den neuen Studenten noch nicht herumgesprochen, dass dies der Eingang zur Türmerstube sei, mutmaßt Saljé.

Gefangen im Turm

Ein kleines Sandstein-Relief neben der braunen Tür gibt zumindest einen dezenten Hinweis. Hilfreicher wäre wohl ein Schild an dieser Stelle – das wiederum sei aus Denkmalschutzgründen problematisch, so Saljés Kenntnisstand.

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Dabei geht es der städtischen Angestellten mit ihrem launigen Klagelied über die Parkmoral der Leezen-Ritter nicht um Bequemlichkeit. Zwei, drei Fahrräder sind schnell zur Seite gestellt, wenn die Türmerin abends gegen halb neun in luftige Höhe aufbricht. Die Sache hat einen ernsten Hintergrund: Weil die Eingangstür nach außen aufgeht, könnten schlimmstenfalls die Fahrräder in der Nacht den Ausgang blockieren – und Saljé wäre im Turm gefangen.

„Wenn ich drin bin, komme ich dann nicht heraus.“ Passiert sei ihr das zum Glück noch nicht. „Aber mein Vorgänger erzählte, er habe schon einmal Freunde anrufen müssen.“

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Seit 2014 bläst Saljé auf dem Kirchturm von St. Lamberti das Horn – zwischen 21 Uhr und Mitternacht. Nur am Dienstag ist Ruhetag, „der Trümer-Sonntag“. Schließlich soll auch eine Türmerin mal in Ruhe durchatmen dürfen.

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