Theaterjugendorchester begeistert mit der musikalischen Collage „Gloria“ Ein Casting für Shakespeare

Münster -

Am Anfang war das Wort. Und das Wort hieß Gloria. Sechs Buchstaben, die von allen Seiten aus dem Dunkel des Kleinen Hauses durcheinandergeflüstert wurden: „G-L-O-R-I-A“.

Von Arndt Zinkant
Sein oder Nichtsein: Diese jungen Kandidaten – der Casting-erprobte Ex-Kinderstar, das kesse Biest, der coole Macho-Prahlhans und die fromme Moralistin – stellen sich dem Publikum.
Sein oder Nichtsein: Diese jungen Kandidaten – der Casting-erprobte Ex-Kinderstar, das kesse Biest, der coole Macho-Prahlhans und die fromme Moralistin – stellen sich dem Publikum. Foto: Oliver Berg

So heißt auch ein Teil der katholischen Messe; doch was einst nur zum Lobpreis Gottes erklang, ist längst in die profanen Niederungen der menschlichen Ruhmsucht hinabgesunken. Dorthin, wo die Casting-Shows kommerziell ausschlachten, was nicht nur junge Menschen umtreibt: Wer schaut auf mich? Was kann ich im Leben leisten? Sind meine Träume Schäume?

Was das Theater-Jugendorchester (TJO) mit der Jugendkunstschule im Kreativ-Haus, der Westfälischen Schule für Musik und der Musikhochschule da binnen eines halben Jahres fabriziert hatte, war eine mitreißende Collage aus Musik, Tanz, Gesang und Schauspiel. Manchmal ernst, manchmal flapsig, immer sympathisch. Orchesterstücke, Gesang, Tanz- und Spielszenen wechselten locker, und Thorsten Schmid-Kapfenburg hielt das als Dirigent und Spiritus rector zusammen.

Der Bezugsrahmen: Eben jene Castings, die über Sein oder Nichtsein eines angehenden Künstlers entscheiden. Zwei Dutzend junge Frauen und Männer marschieren auf zum Defilee der Träume. Mit den üblichen Verdächtigen: Da ist der Casting-erprobte Ex-Kinderstar, das kesse Biest, der coole Macho-Prahlhans, die fromme Moralistin. Und auch jene, die eigentlich auf der Bühne nichts verloren haben: die stille Sensible und der neurotische Streber im Banne seiner Ängste.

Gemeint waren wohl alle Castings, konkret aber ging es hier um die Schauspielerei; und so wurde wacker Shakespeare gespielt, „Romeo und Julia“ im Original. Und wenn ein Jungmime dann auf Französisch rezitiert und mit einem „Üps“ seinen Zettel fallen lässt, lacht der ganze Saal. Überhaupt mangelt es nicht an Witzen, die den ernsten Lebensfragen aber nie in die Quere kommen. Das Reflexions-Niveau ist hoch, zum Beispiel bei der Gretchenfrage: Geht es wirklich um die Kunst oder am Ende doch nur um Gefallsucht?

Über die „eigens für das Projekt komponierte“ Musik (das Orchester saß mitten im Saal) hätte man gern mehr gewusst. Teils folkig und sehr farbig. Und Platz für einen Rap (Zakie Rezaie) und eine Perkussionsnummer mit Mülltonnen-Deckeln war auch noch. So selbstverständlich der Jubel der Verwandtschaft im Saal sein mochte, so verdient war er auch.

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Die nächsten Termine: 1.5., 9.5. und 30.5. Karten: ' 59 09 100

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