Der „York Minster Choir“ sang im Paulus-Dom Mehr als einmal Gänsehaut

Münster -

Unglaublich: In Münsters nordenglischer Partnerstadt York wird seit knapp 1400 Jahren gesungen. Zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Menschen. Diese rekordverdächtige Tradition wird ununterbrochen gepflegt – auf höchstem Niveau, wie am Samstag im Paulus-Dom zu erleben war. Dort gastierte der „York Minster Choir“ mit einem exquisiten Osterprogramm, das mehr als einmal für den berühmten „Gänsehaut“-Effekt sorgte.

Von Chr. Schulte im Walde
Robert Sharpe dirigierte den „York Minster Choir“ sehr zurückhaltend.
Robert Sharpe dirigierte den „York Minster Choir“ sehr zurückhaltend. Foto: cws

Wobei es ganz gleich war, welches Repertoire die rund 50 Sängerinnen und Sänger da gerade präsentierten. Ob William Byrds „Sing joyfull“ oder Felix Mendelssohn Bartholdys „I waited for the Lord“, ob Maurice Duruflés so schlichtes wie stimmungsvolles „Ubi caritas“ oder kraftvoll Sinfonisches aus der Feder von Charles-Marie Widor.

Was da an vokalem Klang durch den riesigen Raum flutete, war einfach mächtig beeindruckend. Von einer Klarheit und Schnörkellosigkeit, wie man sie von professionell geschulten Ensembles aus dem angelsächsischen Raum eigentlich auch gewohnt ist. Und dennoch blieb es immer wieder frappierend, wie sich die einzelnen Stimmen zu einem homogenen Ganzen mischten, selbst und gerade wenn die Musik in die Achtstimmigkeit mündete. Oder sie bündelten sich einstimmig zu einem markerschütternden Fortissimo wie zu Beginn von Widors „Surrexit a mortuis“, das der geballten Kraft der Domorgel Paroli bot.

Dabei kam Chordirektor Robert Sharpe stets mit knappem Dirigat aus. Er ist kein Dompteur vor Publikum, sondern erinnert nur daran, was in den Proben erarbeitet wurde: Transparenz, rhythmische Perfektion, größtmöglicher emotionaler Ausdruck. Letzterer übertrug sich unmittelbar aufs Publikum im voll besetzten Dom.

Und weil dieses Konzert der Auftakt der „Orgelkonzerte in der Osterzeit“ war, stand auch die Orgel im Zentrum. Benjamin Morris gab Bachs C-Dur-Präludium nebst Fuge in eher dezenter Pracht, wuchtig wurde Morris in Franz Liszts Bach-Hommage, um dann in Eugène Gigouts „Grand Choeur Dialogué“ reichlich Gebrauch zu machen von der Tuba im Turmwerk der Dom­orgel – ein Fest für einen englischen Kathedralorganisten!

Das ultimative Konzertfinale: Krönungsmusik für Edward VII., 1902 komponiert von Charles Hubert Hastings Parry auf den Text des Psalms 122 – noch einmal große, hymnische Momente für einen starken Chor und eine königliche Orgel.

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