Wohnbebauung kommt „Zum Rüschhaus“ wird abgerissen

Münster-Gievenbeck -

Es ist das Ende einer Institution. Generationen haben dort gegessen, getrunken, getanzt und gefeiert. Es war das Zuhause von zig Vereinen im Stadtteil. Die Rede ist vom ehemaligen Restaurant „Zum Rüschhaus“, das in den nächsten Tagen abgerissen wird. Die alten und zum größten Teil schadhaften Baumbestände sind bereits abgeholzt, bald rollen die Bagger an. Die Entkernung läuft bereits.

Von Kay Böckling
Die ersten vorbereitenden Arbeiten zum Abriss des ehemaligen Restaurants „Zum Rüschhaus“ laufen, derzeit werden die Räume entkernt. Anschließend rollen die Bagger an. Nach dem Abriss soll dort eine Wohnbebauung erfolgen.
Die ersten vorbereitenden Arbeiten zum Abriss des ehemaligen Restaurants „Zum Rüschhaus“ laufen, derzeit werden die Räume entkernt. Anschließend rollen die Bagger an. Nach dem Abriss soll dort eine Wohnbebauung erfolgen. Foto: kbö

„Der Betrieb der Immobilie war wirtschaftlich einfach nicht mehr tragbar“, sagt Bernhard Marx, dem das Haus gehörte, und der die ersten 15 Jahre seines Lebens dort verbrachte. Schweren Herzens habe er sich entschlossen, das Haus samt Grundstück zu veräußern. Ein Investor möchte dort Wohnraum schaffen.

Zunächst räumt Marx im Gespräch mit einer kleinen Illusion auf: „Von außen betrachtet sieht das Haus aus wie ein Fachwerkhaus, doch das stimmt nicht“, sagt der Gievenbecker. „Das ist alles nur aufgemalt.“ Auch der ehemalige Saal sei kein Fachwerk: „Hier hat man einfach Holz davor gesetzt, um den Charakter zu erzeugen. Das war nie ein echtes Fachwerkhaus.“

Errichtet wurde das Haus nach den Recherchen von Marx um 1896. Zunächst habe es sich wohl um einen landwirtschaftlichen Hof gehandelt. Später habe sein Großvater die Immobilie übernommen und einen Kaffee- und Schankbetrieb dort etabliert. Im Jahr 1910 sei dann der Saal an das Hauptgebäude angebaut worden. „Ziel war es, dort Feierlichkeiten abhalten zu können“, weiß Marx aus seinen Nachforschungen zu berichten.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Saal von einer Tanzschule genutzt. „Den Namen weiß ich leider nicht, das war vor meiner Zeit“, so Marx. Nach dem Krieg habe die „Abendgesellschaft Zoologischer Garten“ den Raum für die Aufführung plattdeutscher Theaterstücke genutzt.

Im Jahr 1961 entschloss sich der Vater von Bernhard Marx dazu, umfangreich umzubauen: „Mein Vater wollte beispielsweise einen Bierkeller bauen und die sanitären Anlagen erneuern.“ Der in Münster damals recht bekannte Gastronom Josef Hesse eröffnete den Betrieb 1968 neu und führte diesen 15 Jahre lang. „Mit großem Erfolg“, wie sich Bernhard Marx erinnert.

Während der Umbauphase blieb der Saal nicht ungenutzt, wie sich der ehemalige Besitzer des Hauses erinnert: „Dort war in dieser Zeit eine Gardinen-Fabrik beheimatet.“ Auf sechs großen Webstühlen seien die Gardinen produziert worden.

An eine Begebenheit erinnert sich Bernhard Marx besonders gern: Im Jahr 1992 war es der frühere russische Präsident Michail Gorbatschow, der auf Einladung des damaligen Wirtschaftsministers Jürgen W. Möllemann in Münster weilte und auch zu Gast im Restaurant „Zum Rüschhaus“ war.

Der nächste größere Umbau erfolgte 1984 einhergehend mit einem Pächterwechsel. Der fuhr mit einer „Badischen Weinstube“ ein besondres Konzept, „was sehr gut ankam“, wie Marx sagt. Es gab eine neue Thekenanlage, neue Podeste und auch das Dach des Saals wurde komplett saniert.

Nun wäre eine energetische Sanierung fällig gewesen. „Das wäre bei dem Gebäude aber nicht mehr möglich gewesen. Es war einfach zu alt und auch die Bausubstanz war nicht mehr so gut.“

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4708132?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F