Zweifel an Vergewaltigungs-Vorwurf Was geschah nach dem Clubbesuch?

Münster -

Sie hatte einen „Filmriss“ – und wurde nach eigenen Angaben vergewaltigt. Mit dem Fall der 25-Jährigen befasste sich am Mittwoch das Landgericht.

Von Max Keldenich
 
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Nur bruchstückhaft erinnert sich die 25-jährige Medizinstudentin an die Geschehnisse vom 5. November 2014. Sie hatte sich damals mit einer Freundin getroffen, die beiden leerten eine Flasche Wein, dann gingen sie in einen Club, wo weiter getrunken wurde. Zufällig traf die 25-Jährige einen Arbeitskollegen, der ihr einen guten Freund vorstellte. Dieser verwickelte sie in ein Gespräch, die beiden kamen sich näher, fuhren schließlich zu ihm nach Hause. Dort sei sie vergewaltigt worden, sagte sie.

Am Mittwochmorgen war sie als Zeugin am Landgericht geladen. Es war der zweite Verhandlungstag im Berufungsverfahren gegen den 24-jährigen Mann, dem sexueller Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person zur Last gelegt wird. In erster Instanz war er vom Amtsgericht Münster zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, hatte gegen das Urteil aber Einspruch eingelegt. Am ersten Verhandlungstag des Berufungsverfahrens hatte der Angeklagte den Tatvorwurf abgestritten und behauptet, dass er und die Medizinstudentin einvernehmlich zusammengekommen seien.

Die 25-Jährige blieb bei ihrer Version, dass sie in der Wohnung des Angeklagten nur schlafen wollte. Vor Gericht sagte sie aus, dass sie wegen ihres hohen Alkoholkonsums einen „Filmriss“ hatte. Eine als Zeugin geladene Freundin, die sie in der Clubnacht begleitete, sagte vor Gericht aus, dass die 25-Jährige nur wenig Alkohol vertrage. An Details könne sie sich daher nicht mehr erinnern.

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Ferner wurde darüber gesprochen, dass die 25-Jährige bei der Polizei ausgesagt haben soll, dass sie über längere Zeit missbraucht worden sei. Vor Gericht konnte die Medizinstudentin die damalige Aussage allerdings nicht bestätigen. Am Tag nach der vermeintlichen Tat ließ sie sich in einem Krankenhaus untersuchen. Dabei wurden keine eindeutigen Beweise für eine Vergewaltigung gefunden, wie eine als Zeugin geladene Ärztin vor Gericht aussagte. Es bestehen also erhebliche Zweifel an ihrer Version.

Am 27. März soll das Urteil gesprochen werden.

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