Podiumsdiskussion der SPD Münster Populismus lange ignoriert

Münster -

Am Ende kam doch entschiedener Widerspruch aus dem Publikum. So ganz wollte ein Zuhörer die Prognose von Prof. Dr. Karin Priester, Populismus-Forscherin an der Universität Münster, nicht stehen lassen. Priester sagte, den Soziologen Ralf Dahrendorf zitierend: „Das sozialdemokratische Zeitalter ist vorbei.“

SPD-Bundestagskandidat Robert von Olberg im Gespräch mit der Populismusforscherin Prof. Dr. Karin Priester.
SPD-Bundestagskandidat Robert von Olberg im Gespräch mit der Populismusforscherin Prof. Dr. Karin Priester. Foto: bsc

Doch auch während der Podiumsdiskussion der SPD Münster im Rahmen der „Münsteraner Wochen gegen Rassismus“ unter Moderation des SPD-Vorsitzenden und Bundestagskandidaten Robert von Olberg scheute Priester nicht die inhaltliche Konfrontation mit ihren Gastgebern.

Schulz als Pseudo-Populist?

„Wenn Martin Schulz nicht so kitschig mit seiner Biografie hausieren ginge, wäre er für mich der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt“, äußerte sich Priester über den Shootingstar und SPD-Kanzlerkandidaten. Schulz versuche sich mit seinen Aussagen beim Volk anzubiedern, weshalb man ihn einen Pseudo-Populisten nennen könne.

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Was ist Populismus?

Doch was bedeutet Populismus überhaupt? „Populist ist, wer eine duale Weltsicht hat: Die Guten sind das Volk, die Bösen sind die Eliten“, versuchte Priester eine allgemeine Definition zu finden. Die Vielschichtigkeit des Populismus machte Priester deutlich, indem sie verschiedene Bewegungen analysierte: vom „Linksliberalismus mit dezidierter Islamophobie“ eines Geert Wilders bis hin zum Front National in Frankreich. „Man muss sehen, dass Rechtspopulisten richtige Probleme ansprechen, aber falsche Antworten darauf haben“, glaubte Priester.

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Lange ignoriert

Lange sei der Populismus ignoriert worden. Im Kommen ist vor allem der Rechtspopulismus in verschiedenen Facetten, was Priester zufolge daran liegt, dass es derzeit keine überzeugende Linke gibt – mit Ausnahme der SPD, wie sie mit mindestens einem Hauch von Ironie anmerkt. Ihr Tipp an die SPD: die Partei müsse wieder „Farbe bekennen“ – und das gehe nicht in großen Koalitionen.

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