Tagebuch der Kanadierin Elisabeth Hömberg Kriegszeit in Roxel

Münster -

Am Montagabend las der münsterische Regisseur und Autor Hannes Demming Auszüge aus dem Tagebuch der Kanadierin Elisabeth Hömberg in der Stadtbücherei. Unter den Besuchern waren auch viele Nachkommen der Autorin.

Von Max Keldenich
Hannes Demming las in der Stadtbücherei aus dem Tagebuch der Kanadierin Elisabeth Hömberg, die während des Krieges in Roxel lebte.
Hannes Demming las in der Stadtbücherei aus dem Tagebuch der Kanadierin Elisabeth Hömberg, die während des Krieges in Roxel lebte. Foto: kel

Die Luft war gewitterschwül im August 1939, als der Krieg in Europa näher rückte. Jedenfalls empfand es Elisabeth Hömberg so. Am 31. August kommt die aufgeregte Frau eines jungen Offiziers zu ihr und verkündet die schreckliche Nachricht: Es gibt Krieg! Hömberg hilft ihr beim Packen der Sachen und trifft anschließend voller Trauer und Angst ihren Mann. Doch Albert Hömberg versucht seine Gattin zu beruhigen. „Mut, Mädchen, Mut! Je eher es los geht, desto eher ist es vorbei!“

Außergewöhnlich furchtbare Zeit

So täuschte sich damals Deutschlands Bürgertum. Vermutlich glaubte Hömberg, später immerhin Geschichtsprofessorin in Münster, an einen möglichen Blitzkrieg, der Nazi-Deutschland einen schnellen Sieg bringen sollte. Es ist diese außergewöhnlich furchtbare Zeit, die Elisabeth Hömberg minuziös in einem Tagebuch dokumentierte, das der Aschendorff-Verlag jetzt in einer deutschen Erstübersetzung herausgebracht hat.

Am Montagabend las der münsterische Regisseur und Autor Hannes Demming Auszüge aus diesem Werk in der Stadtbücherei. Unter den Besuchern waren auch viele Nachkommen der Autorin.

Hömberg, die zur Zeit des Krieges mit ihrer Familie in Roxel lebte, wurde 1909 in Toronto geboren und ging nach dem Abschluss ihres Studiums für ein Jahr nach Berlin. Dort lernte sie ihren späteren Mann kennen. Gemeinsam zogen sie 1938 nach Münster und erlebten hier die Schrecken des Nationalsozialismus.

Tagebuch: Einzigartige historische Quelle

Hömberg, eine gebildete und intelligente Frau, setzte sich in ihren Tagebucheinträgen intensiv mit der politischen Lage im Krieg und mit dem Alltagsleben in Roxel auseinander. Aber sie schwieg etwa zum Hitler-Stalin-Pakt, mit dem Nazi-Deutschland einen Kreuzzug gegen die verhassten Demokratien plante. „Aber wie ich es so oft während des Krieges erlebte, kann ein Schweigen als Reaktion auf Begeisterung als größere Kränkung empfunden werden als wenn Worte fallen“, schreibt sie in ihrem Tagebuch.

Auch das Ende des Krieges, als alliierte Panzer durch Roxel rollten und britische Soldaten Häuser besetzten, beschreibt Hömberg sehr eindrucksvoll.

Es handelt sich bei den Tagebucheinträgen, die vom Herausgeber Dieter Pferdekamp noch durch einige Briefe ergänzt wurden, um eine einzigartige historische Quelle. Die Autorin ging einige Jahre nach dem Tod ihres Mannes zurück nach Kanada und verstarb dort 1994. Das Werk entstand mit Unterstützung der NRW-Stiftung.

Zum Thema

Elisabeth Hömberg, Dein Volk ist mein Volk, Thy People – My People, Tagebuch und Briefe 1938 - 1946 (Übersetzung Renate Resing), Aschendorff Verlag, ISBN 978-3-402-13193-0, 19,90 Euro

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4703163?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F