Kleingärtner wollen Baum fällen Der Problem-Walnussbaum

Münster -

Muss ein Baum in einer Kleingartenanlage gefällt werden, wenn er anderen Kleingärtnern das Licht nimmt? Darüber streitet man sich am Heumannsweg.

Von Karin Höller
Der große Walnussbaum im Kleingarten von Ghada Hadroj soll am 17. März gefällt werden. Nicht nur die Pächterin in der Gremmendorfer Kleingartenanlage Sonnenaufgang, sondern auch andere Baumliebhaber wollen das nicht widerspruchslos hinnehmen.
Der große Walnussbaum im Kleingarten von Ghada Hodroj soll am 17. März gefällt werden. Nicht nur die Pächterin in der Gremmendorfer Kleingartenanlage Sonnenaufgang, sondern auch andere Baumliebhaber wollen das nicht widerspruchslos hinnehmen. Foto: Matthias Ahlke

Ein Baum erregt die Gemüter – ein über 50 Jahre alter Walnussbaum, der in der Kleingartenanlage Sonnenaufgang am Heumannsweg in Gremmendorf gefällt werden soll, wie der Vorstand entschieden hat. Der Termin steht fest: Am Freitag soll das stattliche, rund 20 Meter hohe Exemplar aus dem Garten von Ghada Hodroj weichen.

Waldbäume nicht erlaubt?

Doch die gebürtige Libanesin, die die 600 Quadratmeter große Parzelle vor drei Jahren gepachtet hat, mag das nicht widerspruchslos hinnehmen. „Dieser alte Walnussbaum liegt mir ganz besonders am Herzen“, sagt die 47-Jährige. Auch, weil sie den Garten zum Auftanken nach einer schweren Krankheit braucht.

Andere Gartenbesitzer sehen das nüchterner. „Laut Gartensatzung, die jedem Pächter vorliegt, sind Waldbäume hier nicht erlaubt“, unterstreicht Vereinsvorsitzender Norbert Hunkemöller. In den vergangenen Jahren seien die Vorschriften nicht genau umgesetzt worden. Doch der riesige Baum, der anderen Kleingärtnern inzwischen zu viel Licht für den Gemüseanbau nehme, könne nicht weiter hingenommen werden. „Es hat Beschwerden gegeben.“

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Zeitnah soll ein weiterer Walnussbaum in der Anlage weichen. Seit einiger Zeit versuche man sukzessive, weitere Waldbäume wie Birken, Eichen oder Tannen oder zu hochstämmige Kirschbäume aus der Kleingartenanlage zu entfernen. Auf eine Ausnahme möchte man sich aus Gründen der Gleichbehandlung nicht einlassen, so Hunkemöller.

Erhalt alter Bäume hat Priorität

Im Übrigen gebe es für die Fällaktion die Zustimmung des Verpächters der Anlage, der Bahn-Landwirtschaft e.V., der einen Teil der Kosten übernehme. In der Zen­trale in Essen verweist Ursula Schuppe auf das Bundeskleingartengesetz, das ausschließlich Obstbäume in den Anlagen zulasse. Allerdings liege es im Ermessen der Kleingartenvorstände, „ob ältere Bäume trotzdem geduldet werden“.

Ausgesprochen irritiert zeigt sich der Vorsitzende des Stadt- und Bezirksverbandes Münster der Kleingärtner, Horst Stronk, an den der Fall von weiteren Liebhabern des alten Walnussbaums herangetragen wurde. „Zu unserem Verband gehört die besagte Kleingartenanlage nicht“, so Stronk. Dennoch macht er deutlich, dass bei den 64 Kleingartenvereinen seines Verbandes der Erhalt alter Bäume hohe Priorität habe. „Als Kleingärtner sind wir auch Umweltschützer.“

So sieht es auch Reimer Stoldt vom Grünflächenamt, der daran erinnert, dass Walnussbäume, „die übrigens nicht zu den Waldbäumen zählen“, beim Gesetzgeber besondere Wertschätzung genießen. Nicht ohne Grund gelten in Städten mit Baumschutzsatzung Sonderregelungen für Walnussbäume.

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