Projekte Heidi Sievert zeigt „Vier Mal Tanz“ Wo finden wir Wirklichkeit?

Münster -

Der Rabe hat die Menschheit von je fasziniert. In Märchen und Sagen werden sie für ihre Weisheit gerühmt, im Mittelalter geraten sie als Galgenvögel in Misskredit. Und wer denkt nicht an Alfred Hitchcocks Horrorfilm „Die Vögel“, wenn er einen Pulk Raben auffliegen sieht? In „Vier Mal Tanz“ hat sich die Kompanie „Tanzprojekte Heidi Sievert“ das vielschichtige Tier vorgenommen und ihm gleich zwei Choreographien gewidmet.

Von Isabell Steinböck
Jane heißt die Performance von Charlotte Petersen und Jordi Ribot Thunnissen, in der die beiden Tänzer als Suchende auftreten.
Jane heißt die Performance von Charlotte Petersen und Jordi Ribot Thunnissen, in der die beiden Tänzer als Suchende auftreten. Foto: Isabell Steinböck

Im Kleinen Haus zeigten Schülerinnen der Förderklasse fließende Ensembleszenen und ausdrucksvollen Schattentanz (Choreographie: Svenja Gasche und Petra Wiegert). Auf einer Holzbank (Bühne: Judith Hinterding) tummeln sich die Vögel, rücken eng zusammen, spreizen ihre Flügel oder bewegen sich mit kleinen Sprünge voran. Wenn sie, hinter einer Leinwand stehend, ihre Arme übereinander legen und Vogelschwingen imitieren, kommen sie dem Tier beeindruckend nah.

Lena van Bebber betont die dunkle Seite des Raben. Zu Slagerij van Kampens monotonen Klängen („Machinefabriek“) liegen die Tänzerinnen auf der Lauer, verfolgen sich gegenseitig. Das Ensemble bewegt sich mit wippenden Schritten über die Bühne, stampft bedrohlich mit den Füßen, bewegt die Köpfe ruckartig hin und her: der Rabe als Todesvogel.

Für den zweiten Teil des Abends konnten die Ballettschul-Leiterinnen (Svenja Gasche und Petra Wiegert) ehemalige Schülerinnen gewinnen, die professionell ausgebildet sind. „Jane“ ist der Titel eines Duos der Tänzer-Choreographen Charlotte Petersen und Jordi Ribot Thunnissen. Thema ist die philosophische Frage nach (virtueller) Wirklichkeit. Die beiden Performer treten als Suchende auf. Während Thunnissen auf einer Leiter in die Ferne blickt, schiebt sich die Tänzerin mit kraftvollen Bewegungen über den Boden. Mal bewegen sich die beiden schnell, mal langsam, vorwärts und rückwärts über die Bühne. In der Begegnung von Mensch und Technik scheint alles möglich.

„Jekyll and Hyde’s Park“ geht menschlichen Trieben auf den Grund. Choreographin Isabel Bernhard bringt mit Sarah Bernhard, Katharina Elberich, Marlene Klodwig und Lena van Bebber eine dynamische Choreographie aus Modern Dance und Afro-Elementen auf die Bühne. Zu treibenden Rhythmen von Tonio Geugelin bewegt sich das Ensemble mit Tempo voran, dann wird es plötzlich ruhig. Bedrohlich, wenn eine die anderen schlafen legt und dabei Krzysztof Komedas Soundtrack aus „Rosemarys Baby“ erklingt. Ein gelungener Schluss für einen abwechslungsreichen Tanzabend.

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Weitere Vorstellungen sind am 19. März im Kleines Haus des Theaters (' 5 90 91 00) sowie am 31. März. und 1. April im Pumpenhaus (' 23 34 43.)

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