Pro & Contra Was passiert mit der Drogenszene am Bremer Platz?

Auch auf der Ostseite des Hauptbahnhofs wird bald gebaut, der Bremer Park soll neu gestaltet werden. Wo bleibt dann die Drogenszene? Ist dort für sie in Zukunft Platz?

Pro & Contra : Was passiert mit der Drogenszene am Bremer Platz?
Der Bremer Platz soll umgestaltet werden. Foto: Günter Benning

Pro: Abhängen hilft nicht

Die Bahnhofsostseite soll hübsch werden. Die Drogenszene am Bremer Platz ist hässlich. Der Konflikt liegt auf der Hand. Er muss gelöst werden, um Schlimmes zu vermeiden. Wer die Suchtkranken aus dem künftigen Vorzeigeraum abdrängen will, verschiebt das Pro­blem. Eine Drogenszene in Hinterhöfen, Einfahrten, auf Spielplätzen kann aber keiner wollen.

Weder Anwohner noch Polizei, der geballte Problemzonen lieber sind als viele Splitterszenen. Überlegen muss man sich, wie die gespannte Situation zu entzerren ist. Heute gibt es am Bremer Platz Nischen – etwa das Pissoir – für verdeckten Drogenkonsum und -handel. Das darf es nicht mehr geben. Aber man sollte darüber nachdenken, den Zugang zu Hilfsstrukturen wie den Konsumraum von „indro“ zu bessern. Damit Drogen weniger dreckig und draußen und mehr in hygienischen Räumen mit sozialem Korrektiv konsumiert werden können. Das allerdings kostet Geld.

Günter Benning

Contra: Einfach unerträglich

Manchmal ist es kaum noch zu ertragen, was man am Bremer Platz zu sehen bekommt. Betrunkene und Zugedröhnte. Junkies, die sich, für jedermann sichtbar, einen Schuss setzen. Menschen, die ihre Notdurft vor aller Augen verrichten. Angesichts solcher Bilder – in Sichtweite einer Schule! – fällt es schwer, Krokodilstränen zu vergießen, dass diese Szene mit Beginn einer grundlegenden Aufwertung der Bahnhof-Ostseite verdrängt werden könnte. 

Mehr zum Thema

Bahnhofsumgestaltung: Süchtige werden verdrängt

Hauptbahnhof Münster:  Neues Gesicht für den Bremer Platz

Kommentar zur Gestaltung des Bremer Platzes:   Die ganz große Chance

Sicher, die Betroffenen lösen sich nicht in Luft auf. Doch deshalb haben sie nicht automatisch Anrecht auf ein Schutzreservat im öffentlichen Raum auf Kosten aller anderen Münsteraner, die das Areal ansonsten nutzen würden. Wenn die aktuellen Angebote nicht ausreichen, müssen neue geschaffen werden. Gelingt dies nicht, käme das einer Kapitulation der Verantwortlichen gleich. Der Bremer Platz muss zu einem Platz für alle Münsteraner werden. Es wird höchste Zeit!

Martin Kalitschke

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4699364?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F