Hausfraukost in der Kunstakademie Hier kocht die Künstlerin selbst

Münster -

Verena Püschel macht Kunst. Und kocht gerne. An der Kunstakademie kann sie beides verbinden.

Von Karin Völker
Noch sind die Töpfe voll: Verena Püschel, die kochende Künstlerin im Casino der Kunstakademie ist jeden Mittag ausverkauft.
Noch sind die Töpfe voll: Verena Püschel, die kochende Künstlerin im Casino der Kunstakademie ist jeden Mittag ausverkauft. Foto: Matthias Ahlke

Unter den Werken, die die Bildhauerin und Malerin Verena Püschel in ihrem Atelier an der Schulstraße entstehen lässt, erinnern einige durchaus an Essbares – Spaghettiknäuel etwa oder Leberpastete. Lebensmittel – und zwar ganze Mahlzeiten haben die ehemalige Meisterschülerin an der Kunstakademie Münster wieder zurück an den Ort ihres dort längst beendeten Studiums gebracht.

Seit zweieinhalb Jahren hat Verena Püschel wieder täglich hier zu tun, aber anders als sie das früher gedacht hätte. Die 38-Jährige sorgt nun hier, im kleinen Casino der Kunstakademie auf dem Leonardo-Campus, für die Verpflegung der Studenten, Professoren und Mitarbeiter.

"Ich koche täglich für 100 Leute"

Mittags um 12 Uhr, wenn sie die Deckel ihrer Töpfe an der Theke lüftet, steht die Schlange der Hungrigen immer weit bis in den Flur. Verena Püschels Künstler-Kantinen-Küche ist Kult auf dem Leonardo-Campus, ganz gleich, welches Gericht auf der Schiefertafel aufgeschrieben ist. „Ich koche täglich für 100 Leute“, erklärt die Verena Püschel, „wenn es alle ist, ist Schluss.“ Sie hasst es, wenn sie etwas wegwerfen müsste. Oft genug stehen die Letzten in der Schlange vergeblich an, aber nebenan gibt es ja noch die Mensa auf dem Leo-Campus, tröstet Püschel.

„Mit freier Kunst finanziell zu überleben ist schwierig“, sagt die ehemalige Meisterschülerin bei Ulrich Eben und Katharina Fritsch. Weshalb sie schon vor langem anfing, nebenbei, um Geld zu verdienen, in einem Lokal zu kochen. Als 2014 sie mehr zufällig noch einmal die Kunstakademie besuchte, kam das Gespräch auf das gerade nicht verpachtete Casino.

Eine Chance, Kunst und Kochen zu verbinden

Verena Püschel überlegte nicht lange: „Eine Chance für mich, Kunst und Kochen zu verbinden“, freut sie sich. An den Wänden des Casinos hängt Kunst von ihr, der schwarze Spatz, Motiv auf einigen ihrer Bilder, ziert auch das individuell damit selbst bedruckte Geschirr.

Aus der Küche der Künstlerin, gibt es täglich ein vegetarisches und ein traditionelles Gericht, zum Beispiel westfälischer Tafelspitz, den viele Studenten erst bei ihr kennenlernen. Zum Essen und zur Kaffee-Pause mit täglich frischgebackenen Espresso-Schokoladen-Brownie kommen aus der Nachbarschaft auch Designer und Architekten der FH-Fachbereiche, Sportstudenten und Mitarbeiter des Technologieparks in die Kunstakademie.

Sie sind froh über Verena Püschel, die, so versichert sie, alles „mit Herzblut“ tut: „Auch Kochen für 100 Leute.“

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