Marlene Jaschke mit ihrem Jubiläumsprogramm in Münster Häkelnadeln und Brühwürfel

Münster -

Wenn Jutta Wübbe als Marlene Jaschke die Bühne betritt, bedarf es keines großen Aufbaus. Ein Plüschsessel, eine Zimmerpflanze, das genügt, um den begrenzten Kosmos einer biederen, ungelenk hantierenden Frau anzudeuten, die als alleinstehende Chefsekretärin einer Schraubengroßhandlung um ihren Job bangen muss und gleichzeitig auf das große Liebesglück hofft.

Von unseremMitarbeiterMichael Schardt
Marlene Jaschke in ihrem flotten Oma-Kostüm
Marlene Jaschke in ihrem flotten Oma-Kostüm Foto: Schardt

Sie erlebt aufregende Zeiten. Ein Investor aus Kairo hat die Firma aufgekauft, wo sie „doch gar kein Ägyptisch spricht“. Und ihr mit eleganter Klappfrisur ausgestatteter Schwarm aus der Buchhaltung, Herr Siegfried Tramstedt, hat sie erstmals zu sich nach Hause eingeladen. Von all den damit verbundenen Abenteuern handelt Jaschkes fünftes Soloprogramm „Nie wieder vielleicht“, mit dem sie aktuell ihr dreißigstes Bühnenjubiläum feiert.

In betont gespreizter, norddeutscher Artikulation setzt die tantenhaft ausstaffierte Jaschke (roter Potthut, beiges Kostüm, Perlenkette, Lieblingsduft 4711) ihre Pointen („Mein Schwager hat Kleidergröße Z wie Zelt“), verbreitet sie Lebensweisheiten, die das Publikum im voll besetzten Saal so herzhaft lachen lassen: „Man muss schon mal Raupen schlucken, wenn man Schmetterlinge im Bauch haben will.“

Ansonsten sind es die kleinen Dinge, von denen Jaschke zu berichten hat: ihr tragisch verstorbener Wellensittich, die stets mitgeführten Brühwürfel und die versiert eingesetzten Häkelnadeln.

Stimmlich leicht schräg geraten die von Volker Griepenstroh am Flügel begleiteten musikalischen Einsprengsel, etwa wenn sie Edith Piafs „Je ne regrette rien“ in einem Fantasiefranzösisch intoniert, mit den Bangles einen „Walk Like an Egyptian“ unternimmt oder „Königin der Nacht“ aus der „Zauberflöte“ persifliert.

Nicht alles ist originell. Zuweilen greift Jaschke auf alte Kalauer zurück („Ein Cowboy, der seinen Sattel trägt, ist ein Sattelschlepper“) oder hantiert ein ums andere Mal umständlich an einem Stofftaschentuch herum.

Die Fans hatten Spaß auch daran und beklatschten jede dieser Aktionen.

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