WIN diskutiert über den Verkehr Kreativer Umgang mit dem Chaos

Münster -

Das Auto ist nicht alles. Vor allem, wenn es im Stau steht. Die Wirtschaftsinitiative Münster diskutierte über neue Ideen für den Verkehr der Zukunft.

Von Günter Benning
Sie gehen kreativ mit Verkehrsproblemen um: Dieter Büchl (Flaschenpost), Guido Hilchenbach (LVM), Marcus Feldkämper (Brief und mehr) und Thorsten Kubitza (ExKern). Links ein möglicher Entwurf für die künftigen Verkehrsflächen hinter dem Bahnhof. Im Sinne moderner Verkehrsplanung sind hier die Zonen für Fußgänger, Radler und Pkw nicht scharf voneinander getrennt.   Foto/Animation: bn/FSWLA Landschaftsarchitektur
Sie gehen kreativ mit Verkehrsproblemen um: Dieter Büchl (Flaschenpost), Guido Hilchenbach (LVM), Marcus Feldkämper (Brief und mehr) und Thorsten Kubitza (ExKern). Links ein möglicher Entwurf für die künftigen Verkehrsflächen hinter dem Bahnhof. Im Sinne moderner Verkehrsplanung sind hier die Zonen für Fußgänger, Radler und Pkw nicht scharf voneinander getrennt.   Foto/Animation: bn/FSWLA Landschaftsarchitektur Foto: bn /FSWLA Landschaftsarchitektur

Thorsten Kubitza, Geschäftsführer von ExKern am Hansaring, hat eins gelernt in der Stadt: „Kein Termin zwischen 15.30 und 17 Uhr.“ Warum? Weil man in dieser Zeit in Münster nicht pünktlich sein kann.

Mobilität ist ein „Megathema“ für die Wirtschaft, sagt Katharina Neuroth, Vorsitzende der Wirtschaftsinitiative Münster (WIN). Wie Unternehmen auf Staus und Engpässe reagieren, wie Verkehrsplaner die Zukunft sehen, war am Mittwoch Thema im H7 am Mittelhaften, dem Sitz des Superbiomarktes.

Dessen Prokurist Martin Kintrup hatte am Nachmittag noch einen Vertrag mit Münsters Carsharing unterschrieben. Das Leihsystem erlaube es, „unseren Wagenpark zu verringern.“ Testweise solle demnächst zudem vor einem Superbiomarkt ein Stellplatz für einen E-Carsharing-Pkw kommen: „Damit können die Leute schwere Einkäufe nach Hause bringen.“

Beispiele flexibler Mobilitätskonzepte gibt es reichlich. Dazu gehört etwa auch das Heimarbeitsangebot der LVM. Deren Personalchef Guido Hilchenbach beantwortete die Frage von Moderatorin Dr. Wiebke Borgers, ob man denn kontrollieren könne, dass die Leute arbeiten: „Das kann man auch im Büro nicht.“ Hilchenbach – selbst in fünf Minuten per Rad bei der Arbeit – bedauerte, dass am Koldering die Busverbindungen ungenügend seien: „Das beklagen die Kollegen.“

Wenig zu klagen hatte Flaschenpost-Chef Dieter Büchl: „Wenn man aus München kommt, wie ich, sieht man in Münster keine Verkehrsprobleme.“ Es sei denn, dass es für Kurierdienste Problemstellen gebe, wo man nicht anhalten könne. Ein Problem, das auch Marcus Feldkämper von „Brief und mehr“ sah, der sein Heil derzeit in intelligenter Steuersoftware für seine Botenfahrzeuge sucht, um spontan Fahrten umzudisponieren.

All das war Wind auf den Segeln von Verkehrsplanern wie Jörg Thiemann-Linden aus Köln vom Deutschen Institut für Urbanistik. Für ihn müssen Straßenräume flexibler gestaltet werden. Keine Parkbuchten, keine strikte Trennung zwischen Pkw, Bus, Rad, Fußgänger. Beispiele zeigte er reichlich: Etwa aufgepflasterte „Ruhezone“ in der Mitte von Hauptverkehrsstraßen. Fußgänger gehen dort nicht über Zebrastreifen und sorgen für Stop-and-Go-Verkehr, überall kann man sicher auch stark befahrene Straßen queren: „Das geht nur mit geringerem Tempo“, sagt der Verkehrsplaner. Dafür brauche man keine Beschilderung – der Straßenausbau sorge selbst für die Reduzierung.

Überhaupt wundert sich Thiemann-Linden, warum in Münster „immer noch so schnell gefahren werden darf, obwohl man doch weiß, dass die meisten Fahrradunfälle mit Tempo zusammenhängen“.

Frieder Wanderer (Ingenieurgruppe IVV, Aachen) stellte Entwürfe für das Teilstück der Hammer Straße bis zum Ludgerikreisel vor. Alle sahen mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger vor. „Straßenraum“, sagte er, „ist ein Ort, wo Menschen sich begegnen sollen.“

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