Solidaritätsaktion für Deniz Yücel Leezendemo für Pressefreiheit

Münster -

Der Monatszeitungs-Redakteur Dr. Bernd Drücke hat die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in der Türkei am eigenen Leib erlebt. Jetzt lädt er zu einer Protest-Fahrt für den Welt-Journalisten Deniz Yücel durch Münster auf. Yücel drohen bis zu zehn Jahre Haft. 

Von Günter Benning
Wollen sich für Deniz Yücel einsetzen: Detlef Lorber und Dr. Bernd Drücke (FreeDeniz-Bündnis Münster, v.l.) laden zum Fahrradkorso ein.
Wollen sich für Deniz Yücel einsetzen: Detlef Lorber und Dr. Bernd Drücke (FreeDeniz-Bündnis Münster, v.l.) laden zum Fahrradkorso ein. Foto: bn

Dr. Bernd Drücke kennt Deniz Yücel. Der deutsch-türkische Journalist der Welt N24-Gruppe, der gegenwärtig in türkischer Untersuchungshaft sitzt, hat Drücke vor Jahren mal interviewt. „Er ist ein außergewöhnlicher Journalist“, sagt der Münsteraner, der am Freitag zu einem Fahrrad-Korso einlädt, um gegen die Pressepolitik der türkischen Regierung zu protestieren. Das Motto: „Free Deniz“.

Der Monatszeitungs-Redakteur Drücke hatte 2001 die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in der Türkei am eigenen Leib erlebt: „Wir haben eine Beilage in türkischer Sprache gemacht, „Otkökü“, „Graswurzel“, hieß sie. Die kritischen Themen: Der historische Völkermord an den Armeniern, die Kurdenfrage und die Schwulen-Lesben-Szene im Land am Bosporus. „Die gesamte Auflage von 10. 000 Stück wurde beschlagnahmt“, sagt der journalistische Kämpfer für eine, „gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft“.

Dem Welt-Journalisten Deniz Yücel, der 1973 in Flörsheim am Main geboren wurde, drohen bis zu zehn Jahre Haft, unter anderem wegen Volksverhetzung, Datenmissbrauch und Terrorpropaganda.

Protest-Fahrt durch Innenstadt

Drücke: „Yücel hat einen Witz in einem Bericht wiedergegeben. Ein Türke und ein Kurde sterben. Sie haben einen letzten Wunsch. Der Kurde will seine Mutter sehen. Der Türke wünscht sich, dass der Kurde seine Mutter nicht sieht.“ Das wurde ihm als Volksverhetzung ausgelegt. Der Zustand der Pressefreiheit in der Türkei sei nach dem Putschversuch bedrohlich.

Im Rating der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ liege das Land auf Platz 159 von 180. „153 Journalisten sind inhaftiert“, so Bernd Drücke, „mehr als in China.“ Yücel befindet sich derzeit in Untersuchungshaft, die bis zu fünf Jahren dauern kann. Ohne Verfahren.

Um für seine Freilassung zu protestieren, lädt das Bündnis „Free Deniz“ am Freitag (10. März) zum Fahrradkorso ein, der auf dem Prinzipalmarkt vor dem Rathaus beginnt. Die Auftaktveranstaltung mit Musik und Reden beginnt dort um 15.30 Uhr, die Abschlusskundgebung soll nach der Protest-Fahrt durch die Innenstadt um 17 Uhr am Türkischen Generalkonsulat stattfinden.

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