Pro & Contra
Verkehrstauglichkeitstests für ältere Auto- und Radfahrer?

Der Polizeipräsident fordert Verkehrstauglichkeitstests für ältere Autofahrer. Aber hätten es gerade in Münster (ältere) Fahrradfahrer nicht viel nötiger?

Sonntag, 26.02.2017, 10:06 Uhr aktualisiert: 26.02.2017, 10:36 Uhr
Ältere Fahrradfahrer unterwegs durchs Münsterland. Foto: Peter Beckmann

Pro: Ein Test für alle

Eine „Führerscheinprüfung“ für ältere Radfahrer? Diese Forderung geht nicht weit genug! Ein Tauglichkeitstest für alle Radfahrer – das würde weitaus mehr Sinn machen. Ältere Verkehrsteilnehmer wissen nämlich sehr wohl, wann sie sich auf den Drahtesel schwingen und wann sie ihn lieber zu Hause lassen sollten. In Stoßzeiten herrschen auf manchen Strecken nämlich geradezu irre Zustände, ein Sturz könnte für sie schlimme Folgen haben.

Von manchen Jüngeren, die sich furchtlos ins Treiben auf zwei Rädern stürzen, würde man sich hingegen deutlich mehr Vernunft und Einsicht fordern. Da wird gerast, bei Rot über die Ampel geradelt, zu dicht aufgefahren. Vorfahrt achten? Wie uncool!

Solche Radfahrer brauchen einen Verkehrstauglichkeitstest, und zwar dringend. Und wenn man schon dabei ist, kann man doch eigentlich auch gleich alle Radler auf Herz und Nieren prüfen, gerade in einer Stadt, in der der Radverkehr immer mehr zunimmt. Ein Einwand ist allerdings nur schwer zu entkräften – dass ein solcher Test praktisch kaum durchführbar ist. Eigentlich schade! 

Martin Kalitschke

Münsters Fahrrad-ABC: Von A wie Ampel bis Z wie Zeit

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    Alle Jahre wieder, zum Start des Wintersemesters, ist die Zeit der Frischlinge auf den Radwegen. Mit den neuen Studentinnen und Studenten erobern Tausende Neumünsteraner für sich die deutsche Fahrradhauptstadt. Für viele eine mitunter abenteuerliche Begleiterfahrung des Studienstarts. Hier für die Anfänger auf den Radwegen und alle Leezenliebhaber ein kleines Alphabet des Radverkehrs in Münster von unserer Redakteurin Karin Völker.

    Foto: dpa
  • A wie Ampel: Unbedingt beachten! Ampeln haben in Münster für Fahrradfahrer nicht bloß Empfehlungscharakter. Bei Rot also besser stehenbleiben. Erstens, weil alles andere gefährlich sein kann. Zweitens, weil als Strafe ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 100 Euro Strafe drohen. Sehr empfindlich fürs studentische Portemonnaie.

    Foto: Colourbox.de
  • B wie Bürgersteig: Er ist in Münster den Fußgängern vorbehalten. Es gibt ja auch meistens Radwege.

    Foto: Colourbox.de
  • C wie cholerische Anfälle: Sie sind trotz des hier verbreiteten gemäßigten westfälischen Temperaments bei diversen Verkehrsteilnehmern bisweilen zu beobachten. Gilt das Geschimpfe einem selbst, am besten die Ruhe bewahren.

    Foto: Colourbox.de
  • D wie Diskussionen: Sollte man als Fahrradfahrer besser mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht anfangen, erst recht nicht mit Polizisten. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Verkehrsregeln sind zwecklos.

    Foto: Colourbox.de
  • E wie E-Bike: Das Fahrrad mit Batterieverstärkung ist auf Münsters Radwegen schwer im Kommen. Vorsicht vor dem beachtlichen Tempo – wenn sportliche junge Menschen von älteren Herrschaften überholt werden, ist oft ein Akku im Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • F wie Fußgänger: Sie verdienen Rücksicht und Freundlichkeit – auch wenn es mitunter erscheint, die Fußgänger liefen prinzipiell auf Radwegen.

    Foto: Colourbox.de
  • G wie Geschwindigkeit: Tempo 30 in Wohngebieten gilt auch für Radler!

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  • H wie Hamburger Tunnel: Er ist während des Bahnhofsumbaus zentrale Verkehrsachse von und zum Gleis und Ort der friedlichen Koexistenz zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern.  Skeptiker staunen: Es funktioniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • I wie Irren: Es ist menschlich und kommt bei allen Verkehrsteilnehmern vor. Auch wenn das Fahrrad bewegungsfördernder und umweltfreundlicher ist als das Auto: Auch Autofahrer haben im Verkehr manchmal Recht.

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  • J wie Jugend: Das Radfahren in Münster ist keineswegs nur ihr Privileg. In Münster strampeln  auch viele über 80-Jährige noch durch die Stadt. Fahrradfahren ist hier eine generationsübergreifende Angelegenheit – mit vielen Geschwindigkeiten.

    Foto: Colourbox.de
  • K wie Klauen: Der Fahrradklau ist in Münster ein verbreitetes Übel, das die Stadt in der Kriminalitätsstatistik regelmäßig schlecht aussehen lässt. Ein wenig helfen solide Schlösser.

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  • L wie Ludgerikreisel: Für viele Radler ein neuralgischer Punkt. Die Polizei empfiehlt: beherzt auf der Mitte der Spur fahren. Autos kommen meistens auch nicht schneller vorwärts als Radler.

    Foto: Oliver Werner
  • M wie Meimel: Ein münsterischer Ausdruck für Regen – und zwar dessen langanhaltende Form, und damit einer der natürlichen Feinde des Fahrradfahrers. Trotz häufiger Meimelgefahr lässt man sich in Münster nicht so leicht aus dem Sattel vertreiben. Viele auch nicht durch Schnee und Frost: Es gibt hier extra Streufahrzeuge für die Radwege.

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  • N wie Nase: Sie hat der Radfahrer immer im Wind. Nicht ausgeschlossen, dass im Winter dabei mal eine Erkältung rauskommt. Aber was gibt es Schöneres, als im Frühling unter den blühenden Silberlinden auf der Promenade herzuradeln? 

    Foto: Colourbox.de
  • O wie Ordnungshüter: Die Kräfte von Stadt und Polizei schenken dem Radverkehr sehr viel Aufmerksamkeit, besonders zu Semesterbeginn. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • P wie Parken: In Münster bisweilen auch für Fahrradfahrer nicht unproblematisch. Merke: Bürgersteige  gehören nicht zugestellt und immer merken, wo das Rad steht. Es soll Studenten geben, die ihre Leezen semesterlang gesucht haben.

    Foto: Colourbox.de
  • Q wie Quälerei: Kommt sogar im Fahrradparadies Münster vor – vor allem immer dann, wenn man Pannen hat.  Zum Glück gibt es an fast jeder Ecke einen Fahrradladen, der helfen kann.

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  • R wie Rücklicht: Sollte unbedingt ebenso wie das Vorderlicht funktionieren. Wenn man nicht selbst kontrolliert, ob es brennt – die Polizei tut es ohnehin und verteilt gegebenenfalls Knöllchen.

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  • S wie Stau: Gibt es in Münster, speziell während der Semesterzeiten auch auf Radwegen. Hier hilft nur Geduld.

    Foto: Colourbox.de
  • T wie Trunkenheit: Auch wer sich noch mit 1,6 Promille Alkohol im Blut für fahrtüchtig hält: Lieber das Rad schieben! Denn auch Fahrradfahrer erwarten Alkoholkontrollen durch die hiesige Polizei. Kein Scherz: Im Extremfall werden Fahrradfahrverbote verhängt.

    Foto: Colourbox.de
  • U wie Unfälle: Sie passieren leider – trotz vieler Maßnahmen der Verkehrsplaner und Polizei immer noch zu häufig. Ein Helm kann manchmal das Schlimmste verhindern. 

    Foto: Colourbox.de
  • V wie Vorsicht: Auch defensive Radfahrer kommen ans Ziel, mitunter sogar schneller als die Draufgänger.

    Foto: Colourbox.de
  • W wie Waschanlage: Luxus, wenn man seinem Drahtesel mal was Gutes will. Gibt es tatsächlich speziell für Fahrräder – im Fahrradparkhaus am Bahnhof.

    Foto: Presseamt/Joachim Busch
  • X&Y sind die Unbekannten und stehen für das Unerwartete beim Radfahren – zum Glück ist das nicht nur der plötzliche Plattfuß. Es gibt auch den Flirt beim Warten an der roten Fahrradampel. . .

    Foto: Colourbox.de
  • Z wie Zeit: Wer in Münster Rad fährt, spart meistens kostbare Minuten. Faustregel: Je näher man sich im Stadtkern bewegt, desto größer die Zeitersparnis. Autofahrer kommen fast immer langsamer ans Ziel.

    Foto: Colourbox.de

Contra: Lasst sie bloß in Ruhe

Fahrradfahren lernt man als Kind. Ohne Führerscheinprüfung und ohne amtliches Dokument. Fahrradfahren gibt man auf, wenn man sich nicht mehr fit und nicht mehr sicher fühlt, also meist im hohen Alter. Auch das geht ohne Hilfe der Obrigkeit. Ein Fahrrad bedarf auch keiner behördlichen Zulassung, es muss nur technisch in Ordnung sein. Kurz: Das Fahrradfahren ist eine Nische des Nicht-Verwaltet-Seins in unserer ängstlichen Welt. Gut so.

Sicher, jeder Münsteraner hat schon mal Radfahrer erlebt, denen man das Radfahren eigentlich verbieten müsste – aber die sind doch eher 20 als 80 Jahre alt. Wer nun ernsthaft überlegt, nicht nur betagte Autofahrer, sondern auch ältere Fahrradfahrer auf ihre Verkehrstauglichkeit zu prüfen, öffnet ein Fass ohne Boden: Als Nächstes kämen dann wahrscheinlich die älteren Fußgänger dran, die dem Straßenverkehr auch nicht mehr völlig gewachsen sind. Wohin soll das führen? Zum kollektiven Hausarrest für Ältere?

Der Straßenverkehr braucht Rücksicht und gesunden Menschenverstand. Die ältere Generation hat beides zu bieten. Ungeprüft. 

Lukas Speckmann

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