Verkaufsoffene Sonntag Jetzt wird gezählt

Münster -

Nach den gerichtlich kassierten verkaufsoffenen Sonntagen in Münster will die Stadt reagieren. Möglicherweise kann das in der Zukunft helfen.

Von Dirk Anger
Einen Anblick wie am zweiten Advent 2015 wird es in diesem Jahr nicht geben. Die Geschäfte bleiben am 4. Dezember geschlossen
Einen Anblick wie am zweiten Advent 2015 wird es in diesem Jahr nicht geben. Die Geschäfte bleiben am 4. Dezember geschlossen Foto: hpe

Wird es in Münster angesichts der aktuellen Gesetzeslage und scharfen Rechtsprechung künftig noch verkaufsoffene Sonntage geben können? „Wohl nur, wenn der Papst kommt und die Massen anzieht“, unkt ein Beobachter, nachdem das Verwaltungsgericht in dieser Woche auch die Ladenöffnung in der Innenstadt anlässlich der Weihnachtsmärkte verworfen hat.

Um in der Zukunft überhaupt noch eine Sonntagsöffnung gerichtsfest ermöglichen zu können, will die Stadt rasch reagieren: Beim Weihnachtsmarkt soll nach den Worten des städtischen Ordnungsdezernenten Wolfgang Heuer eine Befragung und wohl auch Zählung der Besucher durchgeführt werden. „Wir sehen uns mit im Boot.“

Denn wiederholt hatte das Verwaltungsgericht bemängelt, dass bei der Genehmigung von verkaufsoffenen Sonntagen in Münster Prognosen über Besucherströme aufgrund von belastbaren Zahlen gefehlt haben. „Unsere Schätzungen wurden vor Gericht nicht akzeptiert“, so Heuer. Schließlich verlangen die Richter, dass Märkte oder Messen als Anlass für einen verkaufsoffenen Sonntag mehr Menschen anziehen als die eigens deshalb geöffneten Geschäfte.

Dieses statistische Material soll jetzt beschafft werden, um möglicherweise 2017 einen neuen Anlauf unternehmen zu können. Für den am Samstag beginnenden Herbstsend reicht laut Heuer die Vorbereitungszeit dafür aber nicht mehr aus. Zuversichtlich zeigt sich der Ordnungsdezernent mit Blick auf die verkaufsoffenen Sonntage zum Handorfer Herbst und beim Hammer-Straßen-Fest. Hier überwiege die Besucherdominanz klar zugunsten der Feste.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi , die gegen die verkaufsoffenen Sonntage geklagt und gleichzeitig den Bürgerentscheid initiiert hat, fordert unterdessen die Landräte der Münsterland-Kreise auf, ihre Genehmigungen für Sonntagsverkäufe zu überprüfen. Bei Münsters Kaufleuten sorgt das nicht für versöhnlichere Töne: Für Jörg Pantenburg, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof, ist der gekippte verkaufsoffene Adventssonntag ein „Stich ins Herz“. Er habe überhaupt kein Verständnis dafür, zumal „bei uns kein Mitarbeiter gezwungen wird, am Sonntag zu arbeiten“.

Überdies sei die Arbeit bei einem tariflichen Sonntagszuschlag von 120 Prozent finanziell attraktiv: „Für fünf Stunden, die ein Mitarbeiter arbeitet, bekommt er elf Stunden gutgeschrieben“. Dennoch dürfe man nicht öffnen, beklagt Pantenburg: „Das ist keine Perspektive für die Zukunft, es muss gesetzlich etwas passieren.“ 

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