Blickpunkt Max-Clemens-Kanal Bau des Kanals begann vor 300 Jahren

Münster / Reckenfeld -

Knapp 300 Jahre nach dem ersten Spatenstich kennen noch viele den Max-Clemens-Kanal, der nach dem Willen seines Planers und Erbauers eine der wichtigsten Wasserstraßen der damaligen Zeit werden sollte. Nur noch Reste des Kanals geben der Nachwelt Kunde von den ehrgeizigen Plänen des münsterischen Fürstbischofs: ein Wasserweg von Münster bis zur Nordsee.

Von Bernhard Altenhülsing
Blickpunkt Max-Clemens-Kanal : Bau des Kanals begann vor 300 Jahren
A1 am Max-Klemens-Kanal. Foto: Günter Benning

Der Plan zum Bau des Max-Clemens-Kanals stammte vom Fürstbischof Clemens-August (1719-1761). Dieser junge Prinz aus dem Hause Wittelsbach hatte im Alter von 19 Jahren das ursprünglich für seinen älteren Bruder vorgesehene Amt von seinem Vater erhalten, als der Bruder gestorben war. Als Clemens-August Fürstbischof von Münster wurde, war er noch nicht einmal zum Priester geweiht worden; das erfolgte erst zwei Jahre später.

Wasserweg von Münster zur Nordsee

Clemens-August war Kunstmäzen, Freund der Jagd und Bauherr. Viele Schlösser und Burgen sowie andere Bauwerke zeugen noch heute von seiner Bautätigkeit und vom Können seines Baumeisters Conrad Schlaun . Der junge, aber sehr energische Fürstbischof setzte 1723 eine Kanalbaukommission ein, nach deren letztem Plan ein Wasserweg von Münster zur Nordsee gebaut werden sollte mit folgender Linienführung: Münster, Sprakel, Greven, Reckenfeld, Neuenkirchen, Burgsteinfurter Aa, Vechte-Zuidersee, Nordsee.

Spatenstich am 9. Mai 1724 in der Kleiheide hinter Kinderhaus

Der Handel in Münster, der Hauptstadt seines Fürstbistums, war stark zurückgegangen. So wollte der Fürstbischof nun den Handel durch eine Verbindung mit dem Seehandel aktivieren. Am 9. Mai 1724 machte Clemens-August in der Kleiheide hinter Kinderhaus den ersten Spatenstich. In diesem ersten Jahr arbeiteten 1500 Arbeiter an der Aushebung des Kanalbettes, im folgenden Jahr waren es nur noch 800.

Clemenshafen

120.000 Taler hatte der Bau des Kanals bereits verschlungen, als man ihn von Münster bis zum Frischhofsbach in St. Arnold ausgebaut hatte. Damit war der Kanal 30 Kilometer lang, die Verbindung mit der Burgsteinfurter Aa war aber noch nicht hergestellt. Man baute erst einmal einen Hafen, der den Namen des Bischofs erhielt: Clemenshafen.

Hier wurde auch ein Post- und Speditionshaus erbaut. Der neugeregelte Postverkehr ging von Zwolle über Enschede-Gronau und von Emden über Groningen und Rheine nach Clemenshafen und von dort weiter nach Münster.

Bau stockte

Dann jedoch stockte der Bau, und der Kanal konnte nicht weiter bis zur Burgsteinfurter Aa ausgebaut werden. Im Herbst 1737 wurde der fertiggestellte Teil eröffnet, und der regelmäßige Waren- und Postverkehr zwischen Münster und Clemenshafen wurde aufgenommen.

Zwei Schleusen, eine hölzerne und eine steinerne, teilten den Kanal in drei Strecken ein. Die Schleusen hatten eine Fallhöhe von vier Metern, um den Höhenunterschied zu überwinden. Die Schleuse in Westerode fiel aber bald aus und man sah sich gezwungen, den Kanal an dieser Stelle durch einen Wall zu unterbrechen. Die Waren wurden mittels eines Kranes von einem Abschnitt zum anderen gehoben.

Postschiff zwischen Münster und Clemenshafen

Seit 1732 verkehrte zwei Mal wöchentlich ein Postschiff zwischen Münster und Clemenshafen und zurück, außerdem drei Treckschuten von 53 Fuß Länge und 9,5 Fuß Breite. Diese Schuten wurden von Pferden gezogen, die auf den Treidelpfaden zu beiden Seiten des Kanalbettes gingen.

Siebenjähriger Krieg

So ehrgeizig das Projekt auch war: Der Kanal hat sich als nicht rentabel erwiesen. Der Reingewinn in den Jahren 1746 bis 1755 betrug nur insgesamt 1845 Reichstaler. Die beste und größte Zeit hatte der Kanal im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) als die Franzosen Münster belagerten. 1758 ließ der preußische Oberbefehlshaber, Herzog Ferdinand von Braunschweig, die gesamten englischen Kornvorräte von Clemenshafen nach Münster schaffen. Täglich gingen 15 Schiffsladungen in die bedrohte Stadt. Die Franzosen ließen, um jeglichen Schiffsverkehr zu unterbinden, die obere Haltung leerlaufen.

Außerdem hatten die Konstrukteure große Probleme mit der ständigen Versandung des Kanals. Am 10. Februar 1840 verkehrte daher die letzte Treckschute auf dem Max-Clemens-Kanal ; danach wurde der Güterverkehr eingestellt.

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